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Energie & Management > IT - Rein ins Netz
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Rein ins Netz

E&M hat von Anfang an über den Wandel des Energiemarkts berichtet. In der Rubrik "Die Energiewirtschaft vor 20 Jahren" geben wir einen Eindruck davon, was damals den Markt bewegte. 
Mit der Liberalisierung der Energiewirtschaft im Jahr 1998 erlebte die Branche einen Paradigmenwechsel. Gebietsmonopole wurden aufgebrochen. Energieabnehmer wurden zu Kunden und Energie wurde zu einer börsengehandelten Commodity. Neue Player traten am Markt auf, alteingesessene Unternehmen verschwanden. Ausgewählte Beiträge aus unserer Zeitung und aus E&M Powernews lassen Protagonisten aus dieser Zeit noch einmal zu Wort kommen und zeichnen die ehemaligen Strukturen der Branche nach.

Im Jahr 2001 war das Internet für viele Energieversorger tatsächlich noch Neuland. Damals war allerdings schon abzusehen, dass es der Branche helfen wird, neue Produkte zu entwickeln und effizienter zu werden.

E&M-Redakteur Armin Müller nahm im Januar 2001 einige IT-Anbieter unter die Lupe, die bereits auf das World Wide Web setzten und Anwendungen für die Energiewirtschaft parat hatten.




Das Internet wird künftig den Unternehmen helfen, Arbeitsabläufe besser zu organisieren und dadurch Kosten zu sparen. Dazu gibt es gerade auch für kleinere Versorgungsunternehmen immer mehr Anwendungen.

"Den Workflow in das Internet hinein verlängern", so beschreibt Jürgen Lange, Vorstandsmitglied des Software-Anieters eccplus AG, die gegenwärtigen Entwicklungsanstrengungen der Branche. Ziel ist es, eine Programm-Lösung anzubieten, mit deren Hilfe die Mitarbeiter in Unternehmen zum einen ihre Aufgaben wie bisher mit Computer-Unterstützung erledigen können, zum anderen aber auch benötigte Informationen aus dem Internet schnell und unkompliziert in den laufenden Arbeitsprozess eingliedern können. Noch eleganter ist die Möglichkeit, mittels Internet und Browser auf Programme zuzugreifen, die man sich nicht mehr selbst (zumindest nicht in vollem Umfang) beschaffen muss. So ermöglichen die Anbieter von Geographischen Informationssystemen (GIS) etwa für Außendienst-Anwendungen den Zugriff auf und die Veränderung von GIS-Daten mittels Internet-Browser.
 
Mit einer ähnlichen Funktionalität will jetzt die wwl internet AG in Nürnberg die Prozessleitsysteme für die Energiewirtschaft und für die Wasser- und Abwasserwirtschaft ins Internet-Zeitalter bringen: Nach der Ausrüstung der Anlage mit einem speziellen Prozessleitrechner seien nur noch ein Browser und eine Zugangsberechtigung (Password) nötig, um von jedem Punkt der Erde aus die technischen Anlagen überwachen und steuern zu können, heißt es bei wwl. An das Leitsystem "FlowChief" lasse sich jeder Prozess anschließen, der mittels speicherprogrammierbarer Steuerungen (SPS) überwacht werde, betonen die Entwickler. Die vom Leitsystem bereitgestellten Daten gehen weiter auf einen Internet-Browser, auf den dann die Berechtigten Zugriff haben – und zwar nicht nur mittels PC, sondern auch über Palm-Top oder WAP-Handy.

So lassen sich gerade dezentral verteilte Anlagen im Bereich der kommunalen Versorger, wie etwa Trinkwasserbrunnen, Pumpstationen, Kläranlagen oder Deponiegas-BHKW, schnell und bequem überwachen − und bei Bedarf auch steuern. Das Leitsystem, das laut Anbieter seit 1998 in einem Klärwerk auf seine Praxistauglichkeit hin getestet wurde, gibt es in unterschiedlichen Ausbaustufen, in der einfachsten nur zum Beobachten, in der zweiten auch zum Steuern und in der dritten auch mit Protokollfunktionen und Zugriffsmöglichkeiten auf die Datenbank. Allen Bausteinen gemeinsam sei die Verwendung von Windows-Standards und die Benutzung von Excel-Tabellen als Format für den Datenaustausch. Wie die Bilder, Texte und Grafiken auf dem PC dargestellt werden sollen, könne jeder Nutzer ohne Vorinstallation einer Prozessbild-Software einstellen.
 
Stadtwerke müssen die Software nicht selbst erwerben
 
Ebenfalls ganz auf die Internet-Anbindung hat der Rostocker Software-Entwickler SIV.AG sein Programmpaket ausgelegt. Das Programm heißt "kVASy" und gliedert sich in verschiedene Module, so eines für die Kundenbetreuung (Customer Relationship Management, CRM), und andere für die Abrechnung und das Erstellen und Verwalten von Lastprofilen. Zwei Anknüpfungspunkte zum Internet gibt es: So kann ein kleineres Stadtwerk, das die Software nicht selbst erwerben will, diese mieten und auf sie mittels Browser und Internet zugreifen. Neben den Investitionskosten spart sich der Energieversorger auch Arbeit, denn der Anbieter sichert die Daten und pflegt das Programm durch Updates. Zweiter Anknüpfungspunkt an das Internet ist die Eingriffsmöglichkeit von Stadtwerke-Kunden. Diese können demnächst Zählerstände oder Umzugsmeldungen auf der Internetseite ihres Energieversorgers eingeben, und die neuen Datensätze sollen dann automatisch in kVASy übernommen werden.
 
Auch SAP, der Spezialist für umfangreiche betriebswirtschaftliche Software, will sich künftig stärker um die Belange auch der kleineren Versorgungsunternehmen kümmern. Insbesondere für die mittelständischen EVU soll deswegen ab dem 1. April 2001 ein Internet-Marktplatz in Betrieb gehen. Entwickelt haben ihn SAP und die on.valco AG in Hamburg gemeinsam. Ziel ist es, mit Hilfe des Marktplatzes die Beschaffungs- und Zuliefer-Prozesse für die genannte Kundengruppe zu vereinfachen; außerdem sollen sich die Einkaufs-Preise durch gemeinsame Ausschreibungen reduzieren lassen, hoffen die Entwickler. In einem ersten Schritt will man auf dem Online-Marktplatz den Einkauf von Zählern, Kabeln oder Büroartikeln und die Ausschreibung von Tiefbauarbeitern oder von Rohrinspektionen realisieren. Ein weiterer Schritt sieht dann auch die verstärkte Zusammenarbeit der Marktteilnehmer untereinander über das Internet-Programm (etwa zum Austausch von Know-how, von elektronischen Dokumenten bei Kundenwechsel oder durch Austausch von Erfahrungen) vor. So soll innerhalb der nächsten zwei Jahre ein "Netzwerk für die mittelständischen Versorgungsunternehmen" realisiert werden, hoffen die Entwickler.
 
Ähnliches bietet die WV Energie AG, eine gemeinsame Gründung von 250 Stadtwerken (50 %) und der Wintershall AG (50 %). Sie will im Frühsommer dieses Jahres mit ihrer Handels- und Kommunikations-Plattform "M-Exchange" auf den virtuellen Marktplatz gehen und kurzfristig ein Handelsvolumen von etwa 1 Mrd. DM erreichen. Gedacht ist auch dieses Angebot speziell für kleine und mittelgroße Stadtwerke. Gehandelt werden soll im Internet mit Betriebsmitteln und Dienstleistungen - vom Investitionsgut bis hin zum Büromaterial. Kostenvorteile sollen durch die im Internet optimierte Beschaffung und durch die hohe Markt- und Preistransparenz realisiert werden, hofft M-Exchange-Vorstand Rolf Föll. Auch bereits effizient arbeitende Einkaufsabteilungen könnten deswegen von dem Angebot noch profitieren. Ergänzt wird die Einkaufs-Plattform durch einen Energie-Handelsplatz, mit dem die WV-Energie-Tochter enyco AG Anfang September 2000 im Internet startete.

Freitag, 22.01.2021, 15:38 Uhr
Armin Mller
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E&M hat von Anfang an über den Wandel des Energiemarkts berichtet. In der Rubrik "Die Energiewirtschaft vor 20 Jahren" geben wir einen Eindruck davon, was damals den Markt bewegte. 
Mit der Liberalisierung der Energiewirtschaft im Jahr 1998 erlebte die Branche einen Paradigmenwechsel. Gebietsmonopole wurden aufgebrochen. Energieabnehmer wurden zu Kunden und Energie wurde zu einer börsengehandelten Commodity. Neue Player traten am Markt auf, alteingesessene Unternehmen verschwanden. Ausgewählte Beiträge aus unserer Zeitung und aus E&M Powernews lassen Protagonisten aus dieser Zeit noch einmal zu Wort kommen und zeichnen die ehemaligen Strukturen der Branche nach.

Im Jahr 2001 war das Internet für viele Energieversorger tatsächlich noch Neuland. Damals war allerdings schon abzusehen, dass es der Branche helfen wird, neue Produkte zu entwickeln und effizienter zu werden.

E&M-Redakteur Armin Müller nahm im Januar 2001 einige IT-Anbieter unter die Lupe, die bereits auf das World Wide Web setzten und Anwendungen für die Energiewirtschaft parat hatten.




Das Internet wird künftig den Unternehmen helfen, Arbeitsabläufe besser zu organisieren und dadurch Kosten zu sparen. Dazu gibt es gerade auch für kleinere Versorgungsunternehmen immer mehr Anwendungen.

"Den Workflow in das Internet hinein verlängern", so beschreibt Jürgen Lange, Vorstandsmitglied des Software-Anieters eccplus AG, die gegenwärtigen Entwicklungsanstrengungen der Branche. Ziel ist es, eine Programm-Lösung anzubieten, mit deren Hilfe die Mitarbeiter in Unternehmen zum einen ihre Aufgaben wie bisher mit Computer-Unterstützung erledigen können, zum anderen aber auch benötigte Informationen aus dem Internet schnell und unkompliziert in den laufenden Arbeitsprozess eingliedern können. Noch eleganter ist die Möglichkeit, mittels Internet und Browser auf Programme zuzugreifen, die man sich nicht mehr selbst (zumindest nicht in vollem Umfang) beschaffen muss. So ermöglichen die Anbieter von Geographischen Informationssystemen (GIS) etwa für Außendienst-Anwendungen den Zugriff auf und die Veränderung von GIS-Daten mittels Internet-Browser.
 
Mit einer ähnlichen Funktionalität will jetzt die wwl internet AG in Nürnberg die Prozessleitsysteme für die Energiewirtschaft und für die Wasser- und Abwasserwirtschaft ins Internet-Zeitalter bringen: Nach der Ausrüstung der Anlage mit einem speziellen Prozessleitrechner seien nur noch ein Browser und eine Zugangsberechtigung (Password) nötig, um von jedem Punkt der Erde aus die technischen Anlagen überwachen und steuern zu können, heißt es bei wwl. An das Leitsystem "FlowChief" lasse sich jeder Prozess anschließen, der mittels speicherprogrammierbarer Steuerungen (SPS) überwacht werde, betonen die Entwickler. Die vom Leitsystem bereitgestellten Daten gehen weiter auf einen Internet-Browser, auf den dann die Berechtigten Zugriff haben – und zwar nicht nur mittels PC, sondern auch über Palm-Top oder WAP-Handy.

So lassen sich gerade dezentral verteilte Anlagen im Bereich der kommunalen Versorger, wie etwa Trinkwasserbrunnen, Pumpstationen, Kläranlagen oder Deponiegas-BHKW, schnell und bequem überwachen − und bei Bedarf auch steuern. Das Leitsystem, das laut Anbieter seit 1998 in einem Klärwerk auf seine Praxistauglichkeit hin getestet wurde, gibt es in unterschiedlichen Ausbaustufen, in der einfachsten nur zum Beobachten, in der zweiten auch zum Steuern und in der dritten auch mit Protokollfunktionen und Zugriffsmöglichkeiten auf die Datenbank. Allen Bausteinen gemeinsam sei die Verwendung von Windows-Standards und die Benutzung von Excel-Tabellen als Format für den Datenaustausch. Wie die Bilder, Texte und Grafiken auf dem PC dargestellt werden sollen, könne jeder Nutzer ohne Vorinstallation einer Prozessbild-Software einstellen.
 
Stadtwerke müssen die Software nicht selbst erwerben
 
Ebenfalls ganz auf die Internet-Anbindung hat der Rostocker Software-Entwickler SIV.AG sein Programmpaket ausgelegt. Das Programm heißt "kVASy" und gliedert sich in verschiedene Module, so eines für die Kundenbetreuung (Customer Relationship Management, CRM), und andere für die Abrechnung und das Erstellen und Verwalten von Lastprofilen. Zwei Anknüpfungspunkte zum Internet gibt es: So kann ein kleineres Stadtwerk, das die Software nicht selbst erwerben will, diese mieten und auf sie mittels Browser und Internet zugreifen. Neben den Investitionskosten spart sich der Energieversorger auch Arbeit, denn der Anbieter sichert die Daten und pflegt das Programm durch Updates. Zweiter Anknüpfungspunkt an das Internet ist die Eingriffsmöglichkeit von Stadtwerke-Kunden. Diese können demnächst Zählerstände oder Umzugsmeldungen auf der Internetseite ihres Energieversorgers eingeben, und die neuen Datensätze sollen dann automatisch in kVASy übernommen werden.
 
Auch SAP, der Spezialist für umfangreiche betriebswirtschaftliche Software, will sich künftig stärker um die Belange auch der kleineren Versorgungsunternehmen kümmern. Insbesondere für die mittelständischen EVU soll deswegen ab dem 1. April 2001 ein Internet-Marktplatz in Betrieb gehen. Entwickelt haben ihn SAP und die on.valco AG in Hamburg gemeinsam. Ziel ist es, mit Hilfe des Marktplatzes die Beschaffungs- und Zuliefer-Prozesse für die genannte Kundengruppe zu vereinfachen; außerdem sollen sich die Einkaufs-Preise durch gemeinsame Ausschreibungen reduzieren lassen, hoffen die Entwickler. In einem ersten Schritt will man auf dem Online-Marktplatz den Einkauf von Zählern, Kabeln oder Büroartikeln und die Ausschreibung von Tiefbauarbeitern oder von Rohrinspektionen realisieren. Ein weiterer Schritt sieht dann auch die verstärkte Zusammenarbeit der Marktteilnehmer untereinander über das Internet-Programm (etwa zum Austausch von Know-how, von elektronischen Dokumenten bei Kundenwechsel oder durch Austausch von Erfahrungen) vor. So soll innerhalb der nächsten zwei Jahre ein "Netzwerk für die mittelständischen Versorgungsunternehmen" realisiert werden, hoffen die Entwickler.
 
Ähnliches bietet die WV Energie AG, eine gemeinsame Gründung von 250 Stadtwerken (50 %) und der Wintershall AG (50 %). Sie will im Frühsommer dieses Jahres mit ihrer Handels- und Kommunikations-Plattform "M-Exchange" auf den virtuellen Marktplatz gehen und kurzfristig ein Handelsvolumen von etwa 1 Mrd. DM erreichen. Gedacht ist auch dieses Angebot speziell für kleine und mittelgroße Stadtwerke. Gehandelt werden soll im Internet mit Betriebsmitteln und Dienstleistungen - vom Investitionsgut bis hin zum Büromaterial. Kostenvorteile sollen durch die im Internet optimierte Beschaffung und durch die hohe Markt- und Preistransparenz realisiert werden, hofft M-Exchange-Vorstand Rolf Föll. Auch bereits effizient arbeitende Einkaufsabteilungen könnten deswegen von dem Angebot noch profitieren. Ergänzt wird die Einkaufs-Plattform durch einen Energie-Handelsplatz, mit dem die WV-Energie-Tochter enyco AG Anfang September 2000 im Internet startete.

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Armin Mller

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