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Enerige & Management > Österreich - Ökostrom: Netzprobleme in Ost-Österreich
Quelle: Fotolia.com, YuI
ÖSTERREICH:
Ökostrom: Netzprobleme in Ost-Österreich
Wegen des Ökostromausbaus sind speziell im Burgenland die Netze voll. Nun sind Erweiterungen und Ertüchtigungen angesagt. Überlegungen gibt es auch in Richtung Wasserstoff.
 
Laut Wolfgang Trimmel, dem Geschäftsführer der Netz Burgenland, gibt es nichts zu rütteln und zu deuteln: „Unser Netz ist voll ausgelastet. Bis auf Weiteres können wir keine großen Photovoltaikanlagen mehr anschließen.“ Nur noch Kleinstanlagen mit maximal 10 kWp Leistung könne er bedienen, betonte Trimmel am 2. September bei einem Hintergrundgespräch des Forums Versorgungssicherheit, in dem mehrere ostösterreichische Verteilernetzbetreiber zusammenarbeiten.

Trimmel zufolge langten in den vergangenen anderthalb Jahren etwa 3.000 Anfragen hinsichtlich des Anschlusses größerer Photovoltaik(PV)-Anlagen bei der Netz Burgenland ein. Und da die Gesamtleistung der in ganz Österreich installierten Solarpaneele bis 2030 auf rund 12 GW in etwa versechsfacht werden soll, ist kein Ende der Anfrageflut abzusehen. Ferner ist geplant, ebenfalls bis 2030 die Leistung der österreichischen Windparks auf etwa 10 TWh zu verdoppeln.

Das aber stellt die Netze gerade in Ostösterreich vor zunehmende Herausforderungen. Im Burgenland, dem neben Niederösterreich wichtigsten Wind- und Solarstandort Österreichs, steigt die Einspeiseleistung der Windparks bei entsprechendem Wetter schon jetzt binnen einer Stunde von Null auf 1 GW. 

„Hybridparks“ als Chance 

Wie sich der Ökostromausbau netztechnisch bewältigen lässt, ist Trimmel zufolge noch nicht endgültig absehbar. Eine Möglichkeit wären ihm zufolge „Hybridparks“ aus Windrädern und PV-Anlagen. Diese ergänzten einander gut, da ihre Stromerzeugung nur selten gleichzeitig stattfinde: „Wir könnten daher das bestehende Netz effizienter nutzen.“

Letzten Endes ist für Trimmel aber klar: Ohne zeitlich möglichst parallelen Ausbau der Netze lassen sich die Erneuerbaren nicht ausbauen. Dazu müssten jedoch die Genehmigungsverfahren für die Leitungsprojekte österreichweit beschleunigt werden. Wie dies erfolgen könnte, wisse er allerdings auch nicht, bedauerte Trimmel auf Anfrage der Redaktion.

Im Burgenland selbst gebe es diesbezüglich indessen kaum Probleme: „Aber das liegt eher an der Kleinheit unseres Landes. Man kennt einander, man vertraut einander und diskutiert die Vorhaben auf Augenhöhe. Mit den Behörden arbeiten wir sehr gut zusammen.“ Seit 2010 investierte sein Unternehmen etwa 457 Mio. Euro in die Ertüchtigung der Netze, bis 2030 sind weitere 742 Mio. Euro veranschlagt. 

Hochspannungs-Projekt im Burgenland

Zurzeit bereitet Trimmel den Bau einer rund 40 km langen 110-kV-Leitung vom Mittel- ins Südburgenland vor. Ihre Kosten beziffert die Netz Burgenland mit etwa 40 Mio. Euro. Im Mittelburgenland sollen in den kommenden Jahren Windparks mit insgesamt etwa 600 MW Leistung errichtet werden. Die Leitung dient dazu, überschüssige Energie in das Übertragungsnetz der Austrian Power Grid (APG) zu transportieren. Trimmel rechnet damit, das Projekt bis 2025 fertigstellen zu können: „Mir wäre 2024 lieber. Dann wären wir genau im Gleichschritt mit dem Windkraftausbau.“

Im November möchte er mit der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und damit dem Genehmigungsverfahren beginnen. Bereits in den vergangenen Monaten habe sein Unternehmen Gespräche mit den Vertretern der betroffenen Gemeinden sowie mit der Bevölkerung geführt: „Das ist super gelaufen. Bis jetzt akzeptieren die Leute unser Vorhaben.“

Hoffnung Elektrolyse 

Ferner überlegt die Netz Burgenland, bei bestehenden und allfälligen künftigen Windparks Elektrolyseanlagen mit insgesamt etwa 300 MW Leistung zu errichten. Laut Trimmel würde das das Verteilernetz um ebenfalls etwa 300 MW entlasten: „Damit hätten wir die Möglichkeit, bis zu 75 moderne Windräder anzuschließen.“ Mithilfe der Elektrolyseure ließe sich unter Nutzung von Ökostrom aus Wasser Wasserstoff gewinnen. Dieser könnte von der Parndorfer Platte, dem Standort der meisten und größten burgenländischen Windparks, per Pipeline zur nahegelegenen Raffinerie Schwechat des Öl-, Gas- und Chemiekonzerns OMV transportiert werden. Dieser hätte zumindest grundsätzlich die Möglichkeit, aus dem Wasserstoff synthetisches Kerosin zu erzeugen.

10.000 klimaneutrale Mallorca-Flüge?

Trimmel zufolge würde die jährlich produzierbare Menge von rund 120.000 Tonnen für 10.000 Flüge vom wenige Kilometer von der Raffinerie entfernten Flughafen Wien/Schwechat nach Mallorca und retour ausreichen. Ob aus dieser Idee etwas wird, ist laut Trimmel indessen offen, nicht zuletzt wegen der Kosten für die Elektrolyseure und die Pipeline: „Dafür wären etwa 500 Mio. Euro aufzuwenden.“
 

Klaus Fischer
© 2022 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 02.09.2021, 11:54 Uhr

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