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Bild: E&M
GEOTHERMIE:
Nippon will Zahl der Geothermieanlagen verdoppeln
Weniger Bürokratie, neue Einspeisetarife, staatliche Förderung: Japan will so den Bau geothermischer Anlagen beschleunigen. Bis 2030 soll sich deren Zahl verdoppeln.
 
Japan will bis zum Jahr 2030 die Treibhausgas-Emissionen um 46 % im Vergleich zu 2013 verringern. Um dieses Ziel zu erreichen, soll verstärkt Erdwärme zur Stromerzeugung genutzt werden. Dem Inselstaat schwebt vor, die Zahl der Geothermieanlagen in diesem Jahrzehnt zu verdoppeln. Das berichtet der deutsche Bundesverband Geothermie unter Verweis auf japanische Nachrichtenagenturen.

Der Vorstoß kommt aus dem Umweltministerium. Der Minister will laut Berichten den Hebel vor allem bei der Bürokratie ansetzen. Gesetze, Verordnungen und lokale Abstimmungsprozesse sollen so überarbeitet werden, dass sich die Vorlaufzeit von Projekten um zwei Jahre verkürzt. Derzeit beträgt sie etwa zehn Jahre. „Geothermieprojekte brauchen noch zu lange, um fertiggestellt zu werden“, wird der Umweltminister zitiert.

Lagerstätten in Nationalparks

Einem raschen Ausbau steht bisher entgegen, dass sich viele der in Frage kommenden Standorte in Nationalparks befinden. Zudem hat die Nutzung natürlicher Thermalquellen eine jahrhundertealte Tradition. Bohrgenehmigungen bei den meisten Hochenthalpie-Lagerstätten auf der Vulkaninsel sind an zahlreiche Auflagen geknüpft.

Neben vereinfachten Genehmigungsverfahren sollen nach dem Willen der Politik günstige Einspeisungstarife und die Förderung erneuerbarer Energien die Erdwärmenutzung voranbringen. Das Potenzial ist groß.

Studien haben ergeben, dass Geothermie fast 70.000 MW liefern könnte. Vorsichtige Schätzungen liegen bei etwa einem Drittel. Aktuell gibt es in Japan 60 Geothermieanlagen, die meisten davon auf der der Insel Kyūshū. Die installierte Gesamtleistung beträgt 550 MW. 62 Anlagen befinden sich Bau.

Grundlastfähige Versorgung

Geothermie gilt in Japan als stabiler als Solar- oder Windkraft und für die Stromproduktlon als grundlastfähig. Der Auslastungsgrad der Geothermie soll mehr als 70 % betragen, für Solar- oder Windkraftanlagen soll er zwischen 10 und 20 % liegen.

Des deutsche Bundesverband Geothermie erinnert an den energiepolitischen Schwenk der Asiaten: Nach dem Ölpreisschocks in den 1970er Jahren kam Schwung in die Erschließung geothermischer Lagerstätten. 20 Jahre später begann die Politik auf Atomkraft setzen, viele Geothermieprojekte schliefen ein.
 

Manfred Fischer
© 2021 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 16.06.2021, 16:56 Uhr

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