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Enerige & Management > Stadtwerke - Kommunalversorger in Flensburg soll bis 2035 klimaneutral werden
Quelle: E&M / Jonas Rosenberger
STADTWERKE:
Kommunalversorger in Flensburg soll bis 2035 klimaneutral werden
Die Flensburger Ratsversammlung hat einen Transformationsplan beschlossen, wonach sich die Stadtwerke schon bis 2035 in einen klimaneutralen Versorger verwandeln sollen.
 
Das Ziel steht fest, der Weg ist vorgezeichnet. Der kommunale Energieversorger in Flensburg soll in drei Etappen bis zum Jahr 2035 klimaneutral werden. Die Ratsversammlung hat am 1. Dezember beschlossen, „die Gesellschafterversammlung der Stadtwerke Flensburg GmbH anzuweisen, in den von dem Unternehmen betriebenen Heizkraftwerken fossile Brennstoffe zur Produktion von Wärme und Strom derart zu reduzieren, dass ab 2028 nur noch maximal 50 Prozent, ab 2032 noch maximal 25 Prozent und ab 2035 null Prozent der CO2-Mengen von 2019 ausgestoßen werden“, wie die Stadt auf ihrer Website mitteilt. Die „dadurch wegfallenden „Leistungen“ soll der Versorger durch erneuerbaren Energien ersetzen. Der Beschluss fiel einstimmig.

Einstimmig legte die Ratsversammlung zudem einen „Transformationspfad“ für die Stadtwerke fest. Bei diesem Papier handelt es um einen Maßnahmenkatalog für den Kommunalversorger. Stadtwerke-Geschäftsführer Dirk Wernicke sieht in den beiden Beschlüssen „eine gute und belastbare Basis für die weitere Konkretisierung des Transformationsplanes“. Zufrieden zeigte sich auch der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Stadtwerke, Arne Rüstemeier. Er freue sich, dass nach Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung jetzt auch die Ratsversammlung die stetige Transformation der Stadtwerke zur Klimaneutralität bis 2035 festgeschrieben hat, „dabei aber trotz aller Ambitionen Versorgungssicherheit und Finanzierbarkeit auch für die Flensburger Bürgerinnen und Bürger voranstellt“.

Druck aus der Bevölkerung

Die Freude verdanken die Stadtwerke offenbar nicht zuletzt einer Bürgerinitiative. Seit dem Frühjahr sammelte das „Bündnis Klimabegehren Flensburg“ Unterschriften. Anliegen: Bis spätestens 2035 soll der Versorger „komplett auf fossile und biogene Brennstoffe verzichten. Die Stadtwerke peilten den Ausstieg zunächst längerfristig an. Als der Norddeutsche Rundfunk sich vor einem Jahr nach dem Gas-Ausstieg erkundigte, erfuhr er, dass es dafür „keine konkreten Pläne“ gebe. Bisher sahen die Stadtwerke den Ausstieg aus der Kohleverfeuerung bis 2030 vor, mit Gas sollte 2045 Schluss sein.

Die Bündnis Klimabegehren hatte inzwischen gut 10.000 Unterschriften gesammelt, mehr als genug für ein Bürgerbegehren, was der nächste Schritt gewesen wäre. „Die Ratsversammlung hat jetzt im Sinne der Initiative entschieden, ein Bürgerbegehren daher nicht mehr notwendig“, erklärt ein Sprecher gegenüber der Redaktion.

Gemeinsam erarbeiteter Maßnahmenkatalog

Basis für den Maßnahmenkatalog der Stadtwerke ist, wie diese mitteilen, ist ein „Abschlussdokument“ eines Arbeitskreises, in dem neben dem Versorger auch die Bürgerinitiative, die Ratsversammlung und Stadtverwaltung vertreten waren. Das Gremium sei Anfang des Jahres ins Leben gerufen worden.

Für jede Maßnahme sei „ein Jahr zur Inbetriebnahme vorgesehen, in dem sie bei Erfüllung aller technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen von den Stadtwerken umzusetzen ist“, heißt es. So werde ausgeschlossen, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Stadtwerke durch die Umsetzung überbeansprucht werde und Wärmepreise für Kunden überproportional stiegen. „Diese Rahmenbedingungen sind für jede einzelne Maßnahme festgelegt“, so das Unternehmen.

Energiewende in drei Phasen

Die Umstellung zu eine klimaneutralen Energieversorgung will man in Flensburg in „drei Phasen“ bewerkstelligen. In Phase 1 soll der Ausstieg aus der Kohle abgeschlossen werden. Die Hauptlast der Energiezeugung werde auf den beiden Gas- und Dampfturbinenanlagen (GuD-Anlagen) liegen. Die CO2-Emissionen sollen so um rund 40 Prozent bei gleicher Erzeugungsmenge sinken.

In Phase 2 ist die Elektrifizierung der Wärmeproduktion vorgesehen. Kommendes Jahr soll ein zweiter Elektrodenheizkessel Wärme aus Strom produzieren. 2025 wollen die Stadtwerke die erste Meerwasser-Wärmepumpe in Betrieb nehmen. Weitere Großwärmepumpen an der Förde sollen folgen.

Die dritte Phase soll der Umstellung auf CO2-neutrale Energieträger dienen. Damit starten wollen die Stadtwerke in den 30er Jahren. Dabei schwebt ihnen nach eigener Aussage eine Vielzahl von Maßnahmen vor. So etwa der Einsatz von Biomasse aus Alt- und Restholz und weitere Elektrodenheizkessel sowie die Absenkung der Vorlauftemperaturen des Fernwärmewassers.

 
 

Manfred Fischer
© 2023 Energie & Management GmbH
Freitag, 02.12.2022, 14:11 Uhr

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