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Enerige & Management > Stromnetz - Digitalisierung kommt nur langsam voran
Transnet-Hauptschaltleitung in Wendlingen bei Stuttgart, Quelle: Transnet BW
STROMNETZ:
Digitalisierung kommt nur langsam voran
Die Bundesnetzagentur veröffentlichte turnusgemäß einen Bericht zum Zustand und Ausbau der Verteilernetze 2021. Demnach liegen noch immer fast 10 % der Netzpläne nur auf Papier vor.
 
Der Bericht zum Zustand und Ausbau der Verteilernetze 2021 umfasst Aussagen über 99 % der Höchstspannungsnetze, 73 % der Mittelspannungsebene und zwei Drittel der Niederspannungsebene. Die Bundesnetzagentur hatte für ihren Bericht mit Stichtag 31.12.2020 Anfragen an 58 Hochspannungsnetzbetreiber sowie einen weiteren Verteilernetzbetreiber verschickt, der besonders von Engpassmanagement-Maßnahmen betroffen ist.

Im Bereich Digitalisierung zeige die Bestandsaufnahme, dass die Verfügbarkeit digitaler Netzpläne fortgeschritten sei und nun in 91 % vorliege. In anderen Bereichen wie bei der Beobachtbarkeit der Netze in der Niederspannung müsse noch weiter ausgebaut werden. Gerade in den unteren Netzebenen sehen die Betreiber hohen Ausbaubedarf. Dieser resultiere vor allem aus dem Zubau von neuen Erzeugern wie Photovoltaik- und Windkraftanlagen sowie Verbrauchern wie Wärmepumpen und Ladestationen für Elektromobilität.

Fast 28 Mrd. Euro für den Netzausbau bis 2031

Inklusive der neu eingeführten aggregierten Zehn-Jahres-Planung der unteren Netzebenen ergibt sich laut der Abfrage bis 2031 ein Netzausbaubedarf mit Erhöhung der Übertragungskapazität von 27,61 Mrd. Euro. „Es ist tendenziell weiterhin ein steigender Ausbaubedarf im Verteilernetz zu erkennen“, folgert die Behörde. Im Jahr 2017 betrugen die tatsächlich getätigten Investitionen rund 2,6 Mrd. Euro. Im Jahr 2020 waren es 3,7 Mrd. Euro. Weitere Steigerungen sind zu erwarten, so liegen die Plan-Kosten für 2021 bei 4,1 Mrd. Euro und für 2022 bei 4,2 Mrd. Euro.

Bis 2031 erwarteten die Verteilernetzbetreiber nahezu eine Verdopplung der Leistung der angeschlossenen erneuerbaren Stromerzeuger (EE) in der Hochspannungsebene. Für die Mittelspannung wird ein Zuwachs um ein Drittel erwartet. Dabei zeigten sich die Verteilernetzbetreiber gut vorbereitet, um zukünftig die mit der Novelle im Sommer 2021 verankerte und auf Szenarien basierende Netzplanung umzusetzen, so das Fazit der Behörde.
 
Überblick über Engpassstellen im 110-kV-Netz in Deutschland 2021
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Quelle: Bundesnetzagentur
 

Netzausbau allein wird zu teuer

Die Agentur betont, dass nicht nur Netzausbau sondern auch eine Regelung von Verbrauch und Erzeugung durch den Netzbetreiber möglich wäre. Neben der derzeit nur selten genutzten Möglichkeit zum Einsatz von Spitzenkappung in der Netzplanung, stehe den Netzbetreibern mit dem Redispatch 2.0 ein wirksames Instrument bei erzeugungsbedingten Engpässen im Netzbetrieb zur Verfügung. Zum Zeitpunkt der Abfrage kamen verbrauchsbedingte Kapazitätsengpässe und Grenzwertverletzungen nur sehr selten vor.

Dies könne sich laut der Netzbetreiber in den nächsten fünf Jahren ändern. Effiziente Steuerungsmechanismen für das Netz seien daher dringend nötig, um den notwendigen Netzausbau kurzfristig auf ein effizientes Maß zu begrenzen. Dazu seien zunächst Informationen nötig, die nicht überall vorliegen. Derzeit könnten zwar alle befragten Verteilernetzbetreiber Schaltzustände der Hochspannungsnetzebene und Umspannebene zur Mittelspannung zentral erfassen. Aber in der Niederspannung liege der Anteil trotz Verbesserungen nur bei 31 %.

Fernsteuerung der Netze nicht überall möglich

Die Fähigkeit der Verteilernetzbetreiber, in der Mittelspannung Betriebsmittel aus der Ferne zu steuern, habe sich von 86 % im Jahr 2017 auf 95 % erhöht. In der Niederspannungsebene ist diese Fähigkeit aber gleichbleibend gering geblieben, stellt die Agentur fest. Auch Zeitreihen aus intelligenten Messsystemen spielten in der Netzausbauplanung derzeit noch keine große Rolle. Die automatisierte Netzplanung mittels Software werde nur von einer einstelligen Anzahl an Verteilernetzbetreibern eingesetzt, weitere gaben an sie aufzubauen.

Zugenommen habe zumindest die Zahl derjenigen Netzbetreiber, die regelmäßig Netzauslastungsprognosen vornehmen, konstatiert die Behörde. Mehr als die Hälfte erstelle täglich oder wöchentlich Vorhersagen zur künftigen Netzauslastung. Für die Prognosen mangele es jedoch an Daten, vor allem vom vorgelagerten Netzbetreiber über die zu erwartende Erzeugung von Anlagen. Einige Netzbetreiber hätten keine ausreichenden Wetterdaten für die Erzeugungsprognosen vor allem von Windkraft- und Solaranlagen. Auch Großkunden könnten mehr Informationen über ihre prognostizierte Last und Erzeugung oder zu ihrem Flexibilitätsangebot bieten, mahnten die Netzbetreiber.
 
Der Bericht über den Zustand der Verteilernetze 2021   steht als PDF zum Download bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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