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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Breites Bündnis für mehr Windkraft an Land
Bild: Fotolia, psdesign1
WINDKRAFT ONSHORE:
Breites Bündnis für mehr Windkraft an Land
Ein neues Bündnis aus der Windbranche fordert von Politik und Verwaltung, endlich die Hemmnisse und Probleme für den Bau neuer Windturbinen anzupacken.
 
Eine in dieser Breite erstmals auftretende Brancheninitiative fordert von der Bundesregierung und den Landesregierungen mehr Dynamik und Tempo beim Ausbau der Windenergie an Land. Das „lose Bündnis aus Projektierern und Finanzierern sowie Herstellern und Zulieferern von Windenergieanlagen“ (so die eigene Bezeichnung) drängt in dem verschickten sechsseitigen „Impulspapier“ unter anderem auf mehr Flächen für den weiteren Windenergieausbau sowie den Abbau von Genehmigungs- und Umsetzungshemmnissen.

Zu den angesprochenen Problemen zählen auch Dauerbrenner wie eine fehlende Repoweringstrategie, Konflikte mit dem Artenschutz oder mit der zivilen und militärischen Flugsicherung.

Dass die Brancheninitiative dieses Impulspapier, das dieser Redaktion vorliegt, an die Politik und zuständigen Ministerien verschickt hat, ist nicht die eigentliche Neuigkeit. Ähnliche Brandbriefe aus dem Umfeld der regenerativen Energien hat es in dieser Legislaturperiode schon einige gegeben.

Interessanter ist ihre Zusammensetzung. Denn zu diesem Bündnis haben sich fast alle großen Namen der deutschen Windbranche zusammengefunden, um dem Anliegen mehr Druck zu verleihen. Das Papier tragen zu einem alle führenden Windturbinenhersteller wie Enercon, Vestas, Nordex, SiemensGamesa sowie GE und die wichtigsten Banken, die Windparkprojekte finanzieren, wie die Nord/LB, die Deutsche Kreditbank (DKB) und die GLS Bank mit. Von den Top Ten der Windpark-Entwickler sind mit WPD, Baywa Re, Abo Wind, PNE, Enertrag oder Juwi auch alle dabei.
  Unterstützung von Seiten der Energieversorger

Richtig interessant ist auch die Unterstützung aus der Energiewirtschaft: Neben Energie Baden-Württemberg, EWE und MVV Energie findet sich auch das Logo des RWE-Konzern unter dem Papier, der in der Vergangenheit eher zurückhaltend bei politischen Windkraft-Initiativen agiert hatte. Diese vier Unternehmen zählen unbestritten zu den wichtigsten Playern der deutschen Energiewirtschaft und wollen ihr Windkraft-Portfolio in Deutschland ausbauen.

Allen voran die EWE AG. Mit dem vor Weihnachten vereinbarten Joint Venture mit der Aloys Wobben-Stiftung, der alleinigen Eigentümerin des Windturbinenherstellers Enercon, entsteht in wenigen Wochen, wenn das Bundeskartellamt seinen Segen zu dem Zusammengehen erteilt hat, der bundesweit größte Ökostromproduzent. Dieses noch namenlose Unternehmen verfügt über eine Projektpipeline von mehr als 9.000 MW schwerpunktmäßig in Deutschland und Frankreich.

Um möglichst schnell viele der geplanten Windparks in Deutschland „auf die Straße“ zu bringen, hatte EWE auf die jüngste Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gehofft. Die in diesem Gesetzes festgelegten Ausbaupfade bis Ende dieser Dekade hatte Vorstandschef Stefan Dohler jüngst gegenüber dieser Redaktion „mutlos“ genannt, denn: „Ich glaube nicht, dass die 580 Milliarden Kilowattstunden Gesamtstrommenge, die für 2030 prognostiziert wird und von der 65 Prozent durch erneuerbare Energien erzeugt werden sollen, ausreichen werden.“

Die EEG-Novelle, so seine Kritik, berücksichtigt nicht die höheren Klimaziele von der EU-Kommission und dem EU-Parlament. Zudem werde durch den höheren Stromeinsatz im Wärmesektor beispielsweise durch Wärmepumpen oder die an Fahrt gewinnende Elektromobilität viel mehr Strom verbraucht als bislang immer vom Bundeswirtschaftsministerium verlautbart.

Nicht nur die falsche Stromverbrauchsprognose ärgert den EWE-Chef, sondern auch das schlecht abgestimmte Zusammenspiel zwischen der Bundesregierung und den Bundesländern bei der Energiewende: „In Berlin werden Konzepte für deren Fortgang erdacht, die Umsetzung verebbt dann aber in der norddeutschen Tiefebene.“ Als trauriges Beispiel dafür nennt er den schleppenden Ausbau der Windenergie an Land: „Es kann doch nicht sein, dass EWE und auch andere Investoren fünf bis sieben Jahre auf die Genehmigung eines Windparks warten müssen.“

So lange will die Brancheninitiative Windindustrie der Politik keine Zeit einräumen, um die Rahmenbedingungen für den Bau neuer Windturbinen an Land zu verbessern. In ihren Augen muss die noch amtierende schwarz-rote Bundesregierung (endlich) handeln. In dem Impulspapier heißt es dazu: „Sämtliche genannten Maßnahmen sind aufgrund der Dauer politischer Prozesse mit höchster Priorität anzugehen und umzusetzen. Klimaschutz, Energieversorgung und Windindustrie können nicht auf Wahlen und Regierungsbildungen in Bund und Ländern warten.“
 

Ralf Köpke
© 2021 Energie & Management GmbH
Freitag, 12.03.2021, 15:35 Uhr

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