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Enerige & Management > Photovoltaik - Beim Solarstrom steigt Berlin in die erste Liga der Öko-Stadien auf
Quelle: E&M / Jonas Rosenberger
PHOTOVOLTAIK:
Beim Solarstrom steigt Berlin in die erste Liga der Öko-Stadien auf
Wenn es um die Energiebilanz von Sportstadien geht, würde die Rangfolge im Profi-Fußball kräftig durcheinander gewirbelt. Im Solaranlagen-Ranking stecken einige Überraschungen.
 
Im deutschen Profi-Fußball gibt es eine Menge an Treibhausgasen einzusparen. Nach einem Bericht des Mitteldeutschen Rundfunks belastet jeder Spieltag der Fußball-Bundesliga die Atmosphäre im Schnitt mit 7.800 Tonnen CO2. Ein nicht unerheblicher Teil davon geht – sofern Fans zugelassen sind – auf den Anreiseverkehr mit fossil angetriebenen Fahrzeugen zurück.

Sonnenkraftwerke auf und an Stadien sind ein Mittel, um die Klimabilanz zu verbessern. Aufsteiger in die erste Liga der Solaranlagen-Arenen ist die Heimat von Hertha BSC, das Berliner Olympiastadion. Auf dem äußeren Betonring des Arenadachs betreibt der Ökoenergieversorger Polarstern künftig gut 1.600 Module von Solarwatt mit einer Leistung von 605,25 kWp.
 
Das Olympiastadion Berlin erhält ein Solardach, initiiert von (v.l.n.r.) Manuel Thielmann (Polarstern), Timo Rohwedder, Frank Neubauer (beide Olympiastadion Berlin GmbH), Lutger Bottermann (Koco Energy) und Jan Löper (Solarwatt).
Quelle: Solarwatt

Die prognostizierten 615.000 kWh Ökostrom sind fast komplett für den Energiebedarf des Hauptstadt-Stadions in den Bereichen Lüftung, Kühlung und Beleuchtung vorgesehen. Die Sonnenernte würde damit einen Anteil von etwa 11 % der jährlich erforderlichen Strommenge ausmachen. Mit der Anlage lasse sich der Ausstoß von 225 Tonnen CO2 pro Jahr vermeiden, heißt es in einer Mitteilung.

Die Öko-Hausaufgaben des Profifußballs sind enorm

Auf 34 Spieltage – die übliche Dauer einer Saison mit 18 Klubs – gerechnet, kommen allerdings nach dem MDR-Bericht überschlägig 265.200 Tonnen Klimagase zusammen. Die Anstrengungen des Profifußballs im Bereich Solarstrom können also allenfalls ein Ansatz zu mehr ökologischem Handeln sein. Zu Nachhaltigkeitsprojekten zählen entsprechend auch Initiativen zum ressourcenschonenden Wassereinsatz bis hin zur Abfallvermeidung. Wenn der FC Augsburg also beispielsweise davon spricht, dank Geothermie und Wärmetauschern das weltweit erste CO2-neutrale Stadion zu betreiben, bezieht sich das auf den „internen“ Verbrauch.

Bis vor einem Jahr war das Stadion von Borussia Dortmund Erstliga-Spitzenreiter bei der Sonnenstrom-Ausbeute. Die Westfalen haben eine Anlage mit 8.768 Modulen auf dem Dach und an der Fassade der Arena anbringen lassen, die bis zu 860.000 kWh Strom erzeugen kann. Dann sicherte im November der Schwarzwald sich das Etikett „Solar-Weltmeister“. Mit dem Sonnenkraftwerk, dessen Kapazität 2.300 kW beträgt, lassen sich über das Dach des 2021 neu errichteten Stadions des SC Freiburg etwa 2,3 Millionen kWh Strom produzieren. Mittlerweile steht die größte Anlage in Istanbul auf dem Dach des „Ali Sami Yen Sportkomplex Nef Stadion“, die nach Angaben der dortigen Betreiber eine Leistung von 4,1 MW aufweist.

Bremen und Paderborn bei Solaranlagen erstklassig

Vereine aus der Zweiten Liga haben so manchem Stadion des Oberhauses inzwischen den Rang abgelaufen. An der Weser erzeugt die Heimstätte von Werder Bremen bis zu 800.000 kWh Ökostrom pro Jahr. 200.000 Solarzellen bedecken eine Fläche des Stadiondachs, die mehr als zwei Fußballplätze umfasst. Etwa 400 Tonnen CO2 werden pro Jahr vermieden. Auch der SC Paderborn kommt in Ostwestfalen über seine 4570 Quadratmeter große Dach-Solaranlage auf stattliche 500.000 kWh Sonnenstrom.

In Berlin ist die Olympiastadion Berlin GmbH Betreiberin und Pächterin des Stadions, das Eigentum des Landes Berlin ist. Die Betreibergesellschaft nimmt über einen langfristigen Vertrag (PPA) den erzeugten Strom von Polarstern ab. In das Projekt steckt das Münchener Unternehmen, nach eigenen Angaben der Gemeinwohl-Ökonomie verpflichtet, etwa 625.000 Euro. Die Anlage baut der Partner und Projektierer Koco Energy AG mit Sitz in Rimsting am Chiemsee. Die Module kommen vom Dresdener Systemanbieter Solarwatt.
 

Volker Stephan
© 2022 Energie & Management GmbH
Freitag, 21.01.2022, 15:53 Uhr

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