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Enerige & Management > Bayern - Bakterien fressen sich an Isolieröl satt
Quelle: Fotolia/saschi79
BAYERN:
Bakterien fressen sich an Isolieröl satt
In einem Pilotversuch in Nürnberg hat das Bayernwerk erfolgreich Bakterienkulturen eingesetzt, um die Ölisolierung von ausgedienten Hochspannungserdkabeln zu entfernen.
 
Weil auf diese Weise 95 % des Isolieröls beseitigt wurden, gelten die Leitungen jetzt als unbedenklich für die Umwelt und können liegen bleiben, teilte das Unternehmen mit. Der Vorteil der Methode: Die alten Ölkabel, die bis in die 1980er-Jahre verlegt wurden, müssen nicht ausgegraben und entsorgt werden. Das wäre nicht nur mit langwierigen Genehmigungsverfahren, hohem Aufwand und Verkehrsbehinderungen verbunden, sondern an manchen Stellen − besonders in Innenstädten − mit großen Schwierigkeiten, weil die Trassen teils überbaut wurden.

Das Verfahren stammt von der Schweizer Firma Tibio, die es nun zusammen mit dem Bayernwerk weiterentwickelt hat. Um die alten Hochspannungskabel zu reinigen, kommt eine Bakterienlösung zum Einsatz, die genau auf die Zusammensetzung des jeweiligen Isolieröls abgestimmt ist.

„Das Prinzip ist ebenso einfach wie wirkungsvoll. Energieversorgung und Umweltschutz gehen hier Hand in Hand“, erklärte Christian Walter, Projektleiter aus dem Bereich Hochspannungsleitungen beim Bayernwerk. Bei dem Pilotprojekt in Nürnberg seien mehr als 95 % des Isolieröls entnommen worden. Damit erfülle man alle Vorgaben des Wasserrechts und die Kabel seien aus Sicht der Umweltbehörde ordnungsgemäß stillgelegt.

Auch andere Netzbetreiber sollen profitieren

Und so funktioniert das Ganze konkret: Je nach Zusammensetzung des Isolieröls wird eine eigens abgestimmte Mischung aus drei Bakterienstämmen eingesetzt: Bacillus subtilis, Bacillus licheniformis und Rhodococcus rhodochrous. „Alle drei Organismen gehören zur niedrigsten Risikogruppe, sie sind mit Joghurtkulturen vergleichbar“, so Walter.

Die Reinigung des Kabelinneren erfolgt in mehreren Schritten. Dabei wird die Bakterienmischung mit einem Kompressor in ein freigelegtes Kabelende gepresst. Am anderen Ende der Leitung wird das Bakterien-Öl-Gemisch aufgefangen und separiert. Jeder von mehreren Durchläufen mit der wässrigen Bakterienlösung zur Entölung dauert fünf bis sieben Tage. Alle Arbeitsschritte finden in einem mobilen Container statt, der von einem Projektteam entwickelt wurde.

„Diese mobile Arbeitsstätte bietet viele Einsatzmöglichkeiten. Beispielsweise kann das Verfahren zukünftig auch anderen Netzbetreibern oder Stadtwerken angeboten werden“, kündigte Walter an. Insgesamt gebe es in deutschen Großstädten mehr als 700 Kilometer ausgedienter Hochspannungserdkabel. Die Bayernwerk-Techniker planen bereits die Anschaffung weiterer mobiler Container, um Kunden das innovative Verfahren vorzustellen.
 
In die freigelegten Kabelenden wird die Bakterienlösung gepresst
Quelle: Bayernwerk
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
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Montag, 26.07.2021, 11:07 Uhr

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