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Enerige & Management > Kohle - Analyse stellt Kohleausstiegs-Entschädigung in Frage
Quelle: Fotolia/jzehnder
KOHLE:
Analyse stellt Kohleausstiegs-Entschädigung in Frage
Bei kontinuierlichem Erneuerbaren-Ausbau und steigendem CO2-Preis werden ostdeutsche Braunkohlekraftwerke schon bald unwirtschaftlich. Eine Analyse von Energy Brainpool zeigt dies.
 
Aktuell sieht die Bundesregierung generell 2038 als Jahr für den Ausstieg aus der Kohleverstromung an. Laut einer von Green Planet Energy, vormals Greenpeace Energy, in Auftrag gegebenen Untersuchung ist das zu spät. Die Analysten von Energy Brainpool errechneten, dass Braunkohlekraftwerke im Osten, die laut Ausstiegsplan noch nach 2030 am Netz bleiben sollen, bereits in den nächsten Jahren unwirtschaftlich werden. 

Bei seinen Berechnungen bezogen sich Energy Brainpool auf die Braunkohlekraftwerke der Lausitzer Leag − Schwarze Pumpe (1.600 MW), die Blöcke R und Q in Boxberg (zusammen 1.575 MW) sowie Block R in Lippendorf (920 MW). Die Analysten ermittelten den Barwert der Gewinne, die dem Kraftwerksbetreiber durch den Betrieb der Blöcke nach dem Jahr 2030 entstehen würden. Wie Energy Brainpool mitteilt, sei der Barwert ein Orientierungswert für die Höhe etwaiger Entschädigungszahlungen, die dem Kraftwerksbetreiber zustehen würden, sollten seine Anlagen vorzeitig abgeschaltet werden.

Langgestreckter Kohleausstieg in der Lausitz 

Zur speziellen Situation in der Lausitz: Block R Lippendorf soll Ende 2035 abgeschaltet werde, die Leag-Kraftwerke Pumpe und Boxberg (Blöcke R und Q) sollen erst zum äußersten Termin 2038 vom Netz gehen. Für diesen langgestreckten Kohleausstieg soll die Leag als Kompensation rund 1,75 Mrd. Euro bekommen. Diese geplanten staatlichen Entschädigungen sind laut Green Planet Energy wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen. Die Ökoenergiegenossenschaft bezieht sich dabei auf die Zahlen von Energy Brainpool:

Steigt der Preis für CO2 − für die Kohlekraftwerksbetreiber ein Teil der Betriebskosten − bis 2038 weiter auf ein realistisches Niveau von 105 Euro, würden die drei ostdeutschen Braunkohlemeiler schon ab 2024 ins Minus rutschen, so Analyst Michael Claußner − "in diesem Fall liegt der voraussichtliche Nettobarwert der Kraftwerke im Jahr 2030 bei null Euro". Dementsprechend stelle eine vorgezogene Stilllegung der Kraftwerke im Rahmen eines schnelleren Kohleausstiegs für die Leag keinen finanziellen Nachteil dar, der entschädigt werden müsste. 

 
Ein neunseitiges Factsheet fasst die Untersuchungsergebnisse von Energy Brainpool zur Entwicklung der Wirtschaftlichkeit und des Restwertes der Leag-Braunkohlekraftwerke zusammen (zum Download bitte auf die Grafik klicken)
Quelle: Energy Brainpool

"Spätestens 2030 muss Schluss sein!"

Energy Brainpool hat für seine Analyse die Strommarkt-Erlöse und Betriebskosten der Kraftwerke stundenscharf modelliert. Neben dem wahrscheinlichsten Szenario steigender CO2-Kosten und fortschreitendem Ausbau der erneuerbaren Energien, stellten die Analysten auch zwei Alternativ-Szenarien auf: Laut diesen würden die ostdeutschen Braunkohle-Kraftwerke nur dann auch über 2030 hinaus wirtschaftlich bleiben, wenn der CO2-Preis langfristig stagniert oder der Erneuerbaren-Zubau in den kommenden Jahren einbrechen sollte. 

"Eine zaudernde Klimapolitik würde einzig und allein den Kohlekonzernen nützen", folgert Sönke Tangermann, Vorstand bei Green Planet Energy. Er fordert: "Die nächste Regierung muss den Kohleausstieg deutlich beschleunigen. Spätestens 2030 muss Schluss sein, ohne Ausnahme."
 

Davina Spohn
Redakteurin
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Dienstag, 21.09.2021, 15:22 Uhr

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