Quelle: Katia Meyer-Tien
Rekordinvestitionen in die Energiewende meldet der Netzbetreiber Westfalen Weser. Schwerpunkte sind der Netzausbau sowie neue Wind- und Wasserstoffprojekte.
Westfalen Weser hat das Geschäftsjahr 2025 mit deutlichem Wachstum und hohen Investitionen abgeschlossen. Das Energieunternehmen meldet einen Konzernumsatz von 1,1 Milliarden Euro und Investitionen in Höhe von 178,4 Millionen Euro. 55,7 Millionen Euro werden an seine 57 kommunalen Anteilseigner ausgeschüttet.
Seit 2023 verfolgt das Unternehmen, wie es bei der Bilanz-Pressekonferenz im nordrhein-westfälischen Herford hieß, die strategische Weiterentwicklung vom klassischen Netzbetreiber hin zu einem ganzheitlichen Energiesystem-Manager. Das Geschäft umfasse inzwischen die gesamte energiewirtschaftliche Wertschöpfungskette – von Erzeugung, Handel und Speicherung über Netze bis hin zu Wärme- und Energielösungen. Für Geschäftsführer Jürgen Noch ist dieser integrierte Ansatz entscheidend für das Gelingen der Transformation: Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit müssten gemeinsam gedacht werden.
Im November Baustart für „Schlafender Riese“
Ein Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau erneuerbarer Energien. So steht beim Wasserstoffprojekt „Schlafender Riese“ in Lichtenau der nächste Meilenstein bevor. Im November soll der Bau einer Elektrolyseanlage mit 10 MW beginnen. Bereits Ende 2027 ist die Produktion von grünem Wasserstoff geplant. Darüber hinaus engagiert sich Westfalen Weser über die Beteiligung an der Westfälisch-Niedersächsischen Energie im Ausbau der Windenergie. Bis Ende 2026 sollen 36 neue Windenergieanlagen mit einer Gesamtleisung von 192 MW errichtet werden und die regionale Stromerzeugung deutlich stärken.
Mit dem steigenden Anteil der Erneuerbaren gewinnt auch die Speicherung von Energie an Bedeutung. Westfalen Weser entwickelt daher mehrere Batteriespeicherprojekte in der Region, unter anderem in Blomberg, Würgassen und Kirchlengern. Die Speicher sollen dazu beitragen, Erzeugungsschwankungen aus Wind- und Solarenergie auszugleichen und die Integration erneuerbarer Energien in das Energiesystem zu erleichtern.
Parallel dazu steht der Ausbau der Netzinfrastruktur im Mittelpunkt. Westfalen Weser setzt dabei auch auf intelligente digitale Netzlösungen, die Energieströme in Echtzeit steuern können. Ziel ist es, Erzeugung, Verbrauch und Speicher effizient miteinander zu verknüpfen und Netzengpässe zu vermeiden.
Regulierung bremst Netzausbau
Nach Ansicht von Geschäftsführer Andreas Speith drohen jedoch regulatorische Hemmnisse beim Netzausbau den Fortschritt auszubremsen. Während neue Erzeugungsanlagen häufig innerhalb weniger Jahre realisiert werden könnten, dauerten Genehmigungs- und Ausbauprozesse im Netz deutlich länger. Zudem sieht er die aktuellen Überlegungen der Bundesnetzagentur zur Weiterentwicklung des Regulierungsrahmens kritisch. Für die anstehenden Investitionen seien verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen und ausreichende Finanzierungsmöglichkeiten unverzichtbar.
Im Bereich Elektromobilität hat das Unternehmen den Fokus von einzelnen Ladepunkten auf skalierbare Ladeinfrastrukturen für Busflotten und den Schwerlastverkehr verlagert. Gleichzeitig unterstützt es Kommunen bei der Wärmeplanung und sieht in der Wärmewende ein wichtiges zukünftiges Geschäftsfeld. Allerdings erschwerten auch hier politische Unsicherheiten derzeit vielerorts Investitionsentscheidungen.
Die wirtschaftliche Entwicklung spiegelt sich auch im Personalaufbau wider. Im Jahr 2025 stellte Westfalen Weser 150 neue Mitarbeitende ein. Zum Jahresende waren mehr als 1.300 Beschäftigte an 23 Standorten tätig. Hinzu kommen knapp 100 Auszubildende. Für die Region bedeutet dies zusätzliche Arbeitsplätze und Fachkräfte für die Umsetzung der Energiewende.
Mit den hohen Investitionen, einer breiten Projektpipeline und einer konsequenten Ausrichtung auf erneuerbare Energien, Speicher und Netze sieht sich Westfalen Weser insgesamt gut positioniert, um die Transformation des Energiesystems in Ostwestfalen-Lippe und Südniedersachsen aktiv mitzugestalten.
Dienstag, 9.06.2026, 14:41 Uhr
Günter Drewnitzky
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