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Schleswig-Holstein mit Dänemark, Brandenburg mit Polen? Politiker loten Möglichkeiten aus, sich mit Nachbarländern zu einer eigenen Stromgebotszone zusammenzuschließen.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) will die Möglichkeit einer gemeinsamen Strompreiszone mit benachbarten Regionen in Polen prüfen. Nach einem Treffen mit dem Marschall (vergleichbar einem Ministerpräsidenten) der Woiwodschaft Niederschlesien, Pawel Gancarz, verwies Woidke auf entsprechende Überlegungen in Norddeutschland.
Dort prüfen Schleswig-Holstein, Hamburg und Teile Niedersachsens eine engere Zusammenarbeit mit Westdänemark. Brandenburg wolle nun ausloten, ob ein vergleichbares Modell gemeinsam mit polnischen Regionen denkbar sei, sagte der Regierungschef nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur. Wie es weiter heißt, befindet sich das Vorhaben allerdings noch in einem sehr frühen Stadium. Woidke verspricht sich von einer solchen Kooperation wirtschaftliche Vorteile. Eine gemeinsame Strompreiszone könne sich positiv auf die Strompreise in Brandenburg auswirken. Zugleich müsse Europa die Energiesicherheit und die Nutzung erneuerbarer Energien stärker gemeinsam denken.
IHK wirbt für gemeinsamen Strompreiszone
Hintergrund der Überlegungen ist ein Vorschlag der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein. Sie wirbt für eine gemeinsame Strompreiszone von Schleswig-Holstein und Hamburg mit Westdänemark. Nach Ansicht der IHK könnte regional erzeugter Windstrom dadurch stärker vor Ort genutzt und vermarktet werden. Das würde die Effizienz des Stromsystems erhöhen, Kosten senken und zusätzlichen Raum für den Ausbau erneuerbarer Energien schaffen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hatte sich für eine Prüfung dieses Modells offen gezeigt.
Eine Strompreiszone – auch Gebotszone oder Bidding Zone genannt – ist ein Gebiet, in dem an der Strombörse für denselben Lieferzeitpunkt ein einheitlicher Großhandelspreis gilt. Innerhalb einer solchen Zone wird im Stromhandel davon ausgegangen, dass keine Netzengpässe bestehen. Erst an den Grenzen zwischen verschiedenen Gebotszonen werden begrenzte Übertragungskapazitäten berücksichtigt. Deutschland und Luxemburg bilden derzeit eine gemeinsame Gebotszone.
Befürworter und Kritiker
Die Diskussion über eine andere Aufteilung der Strompreiszonen ist nicht neu. Weil im Norden und Osten Deutschlands häufig mehr Windstrom erzeugt wird, als dort verbraucht oder über das Stromnetz in den Süden transportiert werden kann, müssen Anlagen zeitweise abgeregelt werden. Gleichzeitig entstehen hohe Redispatchkosten, um Erzeugung und Verbrauch im Netz auszugleichen.
Befürworter regionaler Strompreiszonen argumentieren, dass unterschiedliche Preise Netzengpässe besser widerspiegeln und Anreize schaffen würden, Erzeugung, Speicher und flexible Verbraucher dort anzusiedeln, wo sie dem Stromsystem den größten Nutzen bringen. Kritiker befürchten dagegen unterschiedliche Strompreise innerhalb Deutschlands und Nachteile für Verbraucher sowie Unternehmen in Hochpreisregionen.
Der Koalitionsvertrag von Union und SPD sieht derzeit allerdings keine Änderung der deutschen Stromgebotszone vor.
Montag, 6.07.2026, 17:04 Uhr
Stefan Sagmeister
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