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Energie & Management > Energiewende - Netto Null: je schneller, desto günstiger
Titel der Studie "Breaking Free from Dependencies?". Quelle: Forschungszentrum Jülich
Energiewende

Netto Null: je schneller, desto günstiger

Eine Studie des Forschungszentrums Jülich zeigt: Ein treibhausgasneutrales Europa könnte fossile Importkosten und Preisrisiken senken, benötigt aber Netze, Speicher und Rohstoffe. 
Europa kann nach Berechnungen des Forschungszentrums Jülich bis 2050 treibhausgasneutral werden und seine Abhängigkeit von fossilen Energieimporten verringern, muss dafür aber Erneuerbare, Netze, Speicher und Elektrolyseure deutlich ausbauen. Das ist ein Ergebnis der Studie „Breaking Free From Dependencies? Energy, Materials and Economy in Europe’s Net-Zero Transition“, die das Forschungszentrum am 1. Oktober in Brüssel vorgestellt hat. 

Die Jülicher Systemanalyse untersucht dafür drei Szenarien. „Business as usual“ (BAU) dient als hypothetischer Vergleichspfad ohne klimapolitisch angestoßene Veränderungen. „Net Zero 2070“ unterstellt Treibhausgasneutralität im Jahr 2070, während das Szenario „Net Zero“ dieses Ziel bereits für 2050 vorsieht. Die Forschenden verstehen die Szenarien ausdrücklich nicht als Prognosen. 

Im Net-Zero-Szenario steigt die Bedeutung von Strom im Energiesystem. Wind- und Solarenergie übernehmen einen größeren Anteil der Stromerzeugung. Zugleich wächst der Strombedarf, da Elektrizität neben der direkten Versorgung von Haushalten, Industrie und Verkehr auch zur Herstellung von Wasserstoff sowie synthetischen Brenn- und Kraftstoffen eingesetzt wird. 

Importausgaben sinken im Net-Zero-Szenario 

Deutliche Unterschiede ergeben sich bei den Ausgaben für fossile Energieimporte. Im BAU-Szenario liegen sie laut Studie bei rund 240 Milliarden Euro jährlich. Im Net-Zero-Szenario sinken sie auf etwa 26 Milliarden Euro. Die Differenz entspricht allerdings keiner Einsparung in gleicher Höhe, da gleichzeitig Investitionen in europäische Erzeugungsanlagen und Infrastruktur erforderlich werden. 

Auch die Folgen steigender Öl- und Gaspreise unterscheiden sich. Bei einem gleichzeitigen Preisanstieg um 50 Prozent erhöhen sich die jährlichen Systemkosten im BAU-Szenario nach den Berechnungen um rund 38 Prozent. Im Net-Zero-Szenario beträgt der Anstieg weniger als 4 Prozent. 
 
Verletzlichkeit durch Abhängigkeit von fossilen Energieträgern.
(Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)
Quelle: Forschungszentrum Jülich

Allerdings steigen mit dem Umbau des Energiesystems andere Importabhängigkeiten. Stahl, Zement und Kupfer werden ebenso benötigt wie Lithium, Silizium und Metalle der seltenen Erden. Die Jülicher Forschenden betonen daher die Bedeutung von diversifizierten Lieferketten, Recycling, Materialeffizienz und europäischen Verarbeitungskapazitäten. 

Netze werden zum europäischen Infrastrukturthema 

Eine wichtige Rolle weist die Studie dem grenzüberschreitenden Energieaustausch zu. Für eine modellierte dreiwöchige Dunkelflaute zeigen die Berechnungen, dass weniger betroffene Regionen über das europäische Stromnetz andere Gebiete versorgen können. Speicher und regelbare Erzeugung ergänzen den Austausch. Bei europaweiten Mangellagen bleiben laut Studie zusätzlich gesicherte Leistung, Speicher und flexible Umwandlungstechnologien erforderlich. 

Damit rückt der Ausbau der Netzinfrastruktur in den Mittelpunkt. Die EU-Kommission beziffert den Investitionsbedarf in die europäischen Stromnetze bis 2030 auf 584 Milliarden Euro. Zugleich soll sich die grenzüberschreitende Übertragungskapazität bis 2030 verdoppeln. Rund 40 Prozent der Verteilnetze in Europa sind nach Angaben der Kommission älter als 40 Jahre. 

Bei Wasserstoff und daraus hergestellten Energieträgern legt sich die Jülicher Studie nicht auf Eigenproduktion oder Importe fest. Welche Kombination wirtschaftlich ist, hänge demnach insbesondere von den Finanzierungskosten europäischer Projekte sowie den künftigen Importpreisen ab. Eine feste Importquote oder vollständige Selbstversorgung empfiehlt die Studie nicht. 

Spätere Transformation verlängert Belastungsphase 
Auch die volkswirtschaftlichen Folgen unterscheiden sich zwischen den Szenarien. In allen drei Modellpfaden wächst nach Angaben des Forschungszentrums die europäische Wirtschaft. Im Net-Zero-Szenario fällt das Bruttoinlandsprodukt während der Transformation zeitweise niedriger aus als im hypothetischen BAU-Pfad. Der größte Abstand ergibt sich Mitte der 2030er-Jahre und nimmt danach wieder ab. 
 
Wirtschaftliche Auswirkungen einer verzögerten Transformation.
Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.
Quelle: Forschungszentrum Jülich

Im Szenario mit Treibhausgasneutralität erst 2070 hält diese Belastung länger an und reicht über 2050 hinaus. Die tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen hängen laut Studie unter anderem von politischen Maßnahmen, der Verwendung staatlicher Einnahmen sowie der Anpassungsfähigkeit von Unternehmen und Arbeitsmärkten ab.

Die vollständige Studie „Breaking Free From Dependencies? Energy, Materials and Economy in Europe’s Net-Zero Transition“ ist auf den Internetseiten des Forschungsinstituts Jülich abrufbar. (kmt)



 

Donnerstag, 1.10.2026, 15:30 Uhr
Katia Meyer-Tien
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Titel der Studie "Breaking Free from Dependencies?". Quelle: Forschungszentrum Jülich
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Eine Studie des Forschungszentrums Jülich zeigt: Ein treibhausgasneutrales Europa könnte fossile Importkosten und Preisrisiken senken, benötigt aber Netze, Speicher und Rohstoffe. 
Europa kann nach Berechnungen des Forschungszentrums Jülich bis 2050 treibhausgasneutral werden und seine Abhängigkeit von fossilen Energieimporten verringern, muss dafür aber Erneuerbare, Netze, Speicher und Elektrolyseure deutlich ausbauen. Das ist ein Ergebnis der Studie „Breaking Free From Dependencies? Energy, Materials and Economy in Europe’s Net-Zero Transition“, die das Forschungszentrum am 1. Oktober in Brüssel vorgestellt hat. 

Die Jülicher Systemanalyse untersucht dafür drei Szenarien. „Business as usual“ (BAU) dient als hypothetischer Vergleichspfad ohne klimapolitisch angestoßene Veränderungen. „Net Zero 2070“ unterstellt Treibhausgasneutralität im Jahr 2070, während das Szenario „Net Zero“ dieses Ziel bereits für 2050 vorsieht. Die Forschenden verstehen die Szenarien ausdrücklich nicht als Prognosen. 

Im Net-Zero-Szenario steigt die Bedeutung von Strom im Energiesystem. Wind- und Solarenergie übernehmen einen größeren Anteil der Stromerzeugung. Zugleich wächst der Strombedarf, da Elektrizität neben der direkten Versorgung von Haushalten, Industrie und Verkehr auch zur Herstellung von Wasserstoff sowie synthetischen Brenn- und Kraftstoffen eingesetzt wird. 

Importausgaben sinken im Net-Zero-Szenario 

Deutliche Unterschiede ergeben sich bei den Ausgaben für fossile Energieimporte. Im BAU-Szenario liegen sie laut Studie bei rund 240 Milliarden Euro jährlich. Im Net-Zero-Szenario sinken sie auf etwa 26 Milliarden Euro. Die Differenz entspricht allerdings keiner Einsparung in gleicher Höhe, da gleichzeitig Investitionen in europäische Erzeugungsanlagen und Infrastruktur erforderlich werden. 

Auch die Folgen steigender Öl- und Gaspreise unterscheiden sich. Bei einem gleichzeitigen Preisanstieg um 50 Prozent erhöhen sich die jährlichen Systemkosten im BAU-Szenario nach den Berechnungen um rund 38 Prozent. Im Net-Zero-Szenario beträgt der Anstieg weniger als 4 Prozent. 
 
Verletzlichkeit durch Abhängigkeit von fossilen Energieträgern.
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Quelle: Forschungszentrum Jülich

Allerdings steigen mit dem Umbau des Energiesystems andere Importabhängigkeiten. Stahl, Zement und Kupfer werden ebenso benötigt wie Lithium, Silizium und Metalle der seltenen Erden. Die Jülicher Forschenden betonen daher die Bedeutung von diversifizierten Lieferketten, Recycling, Materialeffizienz und europäischen Verarbeitungskapazitäten. 

Netze werden zum europäischen Infrastrukturthema 

Eine wichtige Rolle weist die Studie dem grenzüberschreitenden Energieaustausch zu. Für eine modellierte dreiwöchige Dunkelflaute zeigen die Berechnungen, dass weniger betroffene Regionen über das europäische Stromnetz andere Gebiete versorgen können. Speicher und regelbare Erzeugung ergänzen den Austausch. Bei europaweiten Mangellagen bleiben laut Studie zusätzlich gesicherte Leistung, Speicher und flexible Umwandlungstechnologien erforderlich. 

Damit rückt der Ausbau der Netzinfrastruktur in den Mittelpunkt. Die EU-Kommission beziffert den Investitionsbedarf in die europäischen Stromnetze bis 2030 auf 584 Milliarden Euro. Zugleich soll sich die grenzüberschreitende Übertragungskapazität bis 2030 verdoppeln. Rund 40 Prozent der Verteilnetze in Europa sind nach Angaben der Kommission älter als 40 Jahre. 

Bei Wasserstoff und daraus hergestellten Energieträgern legt sich die Jülicher Studie nicht auf Eigenproduktion oder Importe fest. Welche Kombination wirtschaftlich ist, hänge demnach insbesondere von den Finanzierungskosten europäischer Projekte sowie den künftigen Importpreisen ab. Eine feste Importquote oder vollständige Selbstversorgung empfiehlt die Studie nicht. 

Spätere Transformation verlängert Belastungsphase 
Auch die volkswirtschaftlichen Folgen unterscheiden sich zwischen den Szenarien. In allen drei Modellpfaden wächst nach Angaben des Forschungszentrums die europäische Wirtschaft. Im Net-Zero-Szenario fällt das Bruttoinlandsprodukt während der Transformation zeitweise niedriger aus als im hypothetischen BAU-Pfad. Der größte Abstand ergibt sich Mitte der 2030er-Jahre und nimmt danach wieder ab. 
 
Wirtschaftliche Auswirkungen einer verzögerten Transformation.
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Quelle: Forschungszentrum Jülich

Im Szenario mit Treibhausgasneutralität erst 2070 hält diese Belastung länger an und reicht über 2050 hinaus. Die tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen hängen laut Studie unter anderem von politischen Maßnahmen, der Verwendung staatlicher Einnahmen sowie der Anpassungsfähigkeit von Unternehmen und Arbeitsmärkten ab.

Die vollständige Studie „Breaking Free From Dependencies? Energy, Materials and Economy in Europe’s Net-Zero Transition“ ist auf den Internetseiten des Forschungsinstituts Jülich abrufbar. (kmt)



 

Donnerstag, 1.10.2026, 15:30 Uhr
Katia Meyer-Tien

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