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Enerige & Management > Gas - Gazprom ändert Strategie für Europa
Bild: Gazprom
GAS:
Gazprom ändert Strategie für Europa
Nach dem erklärten Aus für die South-Stream-Pipeline will der russische Gasversorger Gazprom Gas für europäische Kunden künftig nur noch bis an die EU-Grenzen liefern.
 
Der russische Gazprom-Konzern verändert sein Vorgehen auf dem europäischen Gasmarkt. Mit dem Beschluss zum Stopp der South Stream wechsle das Unternehmen seine Strategie grundlegend, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller in einem Fernsehinterview am 6. Dezember. Er sprach von einem „Anfang vom Ende unseres Arbeitsmodels, bei dem wir uns auf Lieferungen an Endkunden orientierten“. Bereits im Oktober hatte Miller Strategiekorrekturen angekündigt.

Die Aussage Millers ist wohl dahin gehend zu deuten, dass sich Gazprom künftig nicht mehr am Pipelinebau in der EU beteiligen will. Die Europäer müssten sich demnach selbst um die Leitungsinfrastruktur kümmern, um russisches Gas wie bisher schon vom zentralen Übergabe-Hub für Nordeuropa in Greifswald in Zukunft auch von der türkischen Westgrenze abzuholen. In der Gasbranche wird Millers Aussage auch als Anerkennung der Unbundling-Regelungen in der EU interpretiert, die einem Unternehmen parallele Aktivitäten im Gashandel und im Gastransport untersagen.

Wintershall, einer der wichtigsten Gazprom-Geschäftspartner in Deutschland, wollte den Strategiewechsel des russischen Konzerns nicht kommentieren. Die Kasseler BASF-Tochter sieht aber ihr geplantes Tauschgeschäft mit Gazprom nicht dadurch beeinträchtigt. Dabei ist vorgesehen, dass die Russen die Wintershall-Anteile der bisher gemeinsam geführten Großhandelstochter Wingas und der Speichergesellschaft Astora übernehmen und die Kasseler dafür mehr Anteile an großen Erdgasfeldern in Sibirien bekommen. Dieses bereits 2013 vereinbarte Tauschgeschäft werde noch bis Jahresende unter Dach und Fach gebracht, bestätigte am 4. Dezember noch einmal BASF-Chef Kurt Bock.

Türkei soll zum Transitland werden

Mit den neuen Plänen, South Stream statt nach Bulgarien in Richtung Türkei zu verlegen, wechsle der Übergabepunkt für russisches Gas, das für Europa bestimmt ist, an die türkisch-griechische Grenze, erläuterte Miller. Die Infrastruktur für South Stream in Russland, in die Gazprom bereits rund 3,3 Mrd. Euro investiert habe, stehe für die geplante Pipeline in die Türkei zur Verfügung. Was Bulgarien verliere, bekomme die Türkei. „Sie wird ein bedeutenden Transitland“, über dessen Territorium künftig mehr als 50 Mrd. m3 Gas für Europa transportiert werden sollen. Schon in diesem Jahr sei die Türkei auf der Rangliste der Bezieher von russischem Gas auf Platz zwei hinter Deutschland vorgerückt.

Die Ukraine wird nach Millers Aussagen als Transitland weiter an Wichtigkeit verlieren. Die Bedeutung werde nach dem Bau der South-Stream-Alternative in die Türkei gegen Null tendieren. Dazu trägt aber auch die Nord-Stream-Pipeline durch die Ostsee bei, die im kommenden Jahr stärker genutzt werden soll. Gazprom werde die Lieferungen über die Ostseepipeline um 50 % erhöhen, hieß es beim russischen Gasexporteur am 5. Dezember. Im Jahr 2013 seien lediglich 20 Mrd. m3 über Nord Stream nach Europa geliefert worden. Insgesamt können über die beiden Stränge der Ostseepipeline jährlich 55 Mrd. m3 Gas transportiert werden.
 

Josephine Bollinger-Kanne
© 2019 Energie & Management GmbH
Montag, 08.12.2014, 16:00 Uhr

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