SPD-Ministerpräsident Olaf Lies (2.v.l.) kam ebenfalls nach Lachendorf. Quelle: Avacon
Der Papierhersteller Drewsen plant eine Power-to-Heat-Anlage für Prozesswärme. Gemeinsam mit Avacon soll dafür ein flexibler Netzanschluss erprobt werden.
Hoher Besuch in Lachendorf im Landkreis Celle in Niedersachsen. Am Standort des Papierherstellers Drewsen Spezialpapiere haben im Beisein von Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) der Netzbetreiber Avacon und der Papierhersteller am 12. Oktober ein flexibles Netzanschlussmodell vorgestellt.
Damit soll es möglich werden, dass künftig ein Teil der für die Papierproduktion benötigten Prozesswärme elektrisch erzeugt wird. Dafür plant Drewsen den Bau einer Power-to-Heat-Anlage, die im Herbst 2027 in Betrieb gehen soll.
Die Anlage soll Strom aus dem öffentlichen Netz in Wärme umwandeln. Dafür benötigt Drewsen zusätzliche elektrische Leistung. Gemeinsam mit Avacon will das Unternehmen ein flexibles Netzanschlussmodell erproben, bei dem sich der zusätzliche Strombezug nach den verfügbaren Netzkapazitäten richtet.
Grundlage ist eine zeitlich befristete Vereinbarung. Steht ausreichend Netzkapazität zur Verfügung, kann Drewsen zusätzliche elektrische Leistung beziehen. Bei höherer Netzbelastung muss das Unternehmen seine Stromabnahme entsprechend reduzieren. Damit soll die elektrische Wärmeerzeugung trotz begrenzter Netzkapazitäten ermöglicht werden.
„Für Unternehmen wie Drewsen sind zehn Jahre Wartezeit auf den Netzausbau keine Option. Deshalb brauchen wir einen neuen Ansatz: erneuerbare Energien, Stromnetze, Speicher und industrielle Verbraucher müssen stärker als Gesamtsystem gedacht werden“, erklärte Avacon-Vorstandsvorsitzender Matthias Boxberger.
Erfahrungen für weitere Industrieprojekte sammeln
Für Drewsen ist die geplante Power-to-Heat-Anlage Bestandteil der Umstellung auf eine klimafreundlichere Wärmeversorgung. Das Unternehmen will dabei auch Erfahrungen sammeln, wie sich die Anforderungen der Papierproduktion mit einem zeitweise eingeschränkten Strombezug vereinbaren lassen.
„Mit dem Probebetrieb wollen wir zeigen, dass industrielle Transformation auch unter aktuell noch eingeschränkten Netzbedingungen vorankommen kann. Dabei betreten wir Neuland. Ob sich das Konzept bewährt, muss der Praxisversuch beweisen“, sagte Drewsen-Geschäftsführer Amir Mirsakarimi.
Ministerpräsident Lies verwies bei der Vorstellung auf die Bedeutung solcher Projekte für den Industriestandort Niedersachsen. „Wenn ein mittelständischer Papierhersteller seine Prozesswärme auf Strom umstellt, ist das genau die Transformation, die wir brauchen: Klimaschutz, der Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Land hält.“
Flexible Netzanschlussvereinbarungen sind bereits im Energiewirtschaftsgesetz vorgesehen. Sie ermöglichen es Netzbetreibern, die verfügbare Anschlussleistung abhängig von der Netzsituation zu begrenzen. Avacon will das Modell nun gemeinsam mit Drewsen unter den konkreten Bedingungen eines Industriebetriebs testen.
Das Konzept ist auf den Standort Lachendorf zugeschnitten. Da die Auslastung des Stromnetzes jahreszeitlichen Schwankungen unterliegt, rechnen die Projektpartner erst nach ein bis zwei Jahren Probebetrieb mit belastbaren Ergebnissen. Avacon will dabei insbesondere Erfahrungen zur flexiblen Nutzung bestehender Netzkapazitäten auf der Hoch- und Mittelspannungsebene sammeln. Die Erkenntnisse sollen zeigen, inwieweit vergleichbare Anschlussmodelle auch für andere Industrieunternehmen geeignet sind.
(sag)
Montag, 12.10.2026, 17:09 Uhr
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