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Energie & Management > Veranstaltung - Mehr Schutz für kritische Netze in Arbeit
Podium auf dem KRITIS-Gipfel (v.li.): Frederik Giessing (450 Connect), Sylvia Borcherding (50 Hertz), Erik Landeck (Stromnetz Berlin) und Klaus Müller (Bundesnetzagentur). Quelle: Susanne Harmsen
Veranstaltung

Mehr Schutz für kritische Netze in Arbeit

Vertreter von Netzbetreibern und Behörden diskutierten in Berlin auf einer KRITIS-Konferenz über Konsequenzen von Stromausfällen. Anlass waren die Anschläge auf das Berliner Netz.

Laut den Teilnehmern der KRITIS-Konferenz von BDEW und VKU in Berlin haben die Brandanschläge auf Energieanlagen im September 2025 und Januar 2026 gezeigt, wie verletztlich kritische Infrastrukturen sind und wie stark Stromversorgung, Kommunikation und andere Systeme voneinander abhängen. Frederik Giessing, Geschäftsführer von 450 Connect, war vor diesem Hintergrund für das 450-MHz-Netz, welches in Berlin noch nicht ausgerollt war.


Erik Landeck, Geschäftsführer der Stromnetz Berlin GmbH, erklärte, dass bei den Ausfällen nicht nur die Stromversorgung betroffen gewesen sei. Auch Heizung, Mobilität und Telekommunikation hätten in den betroffenen Stadtteilen eingeschränkt funktioniert. Nach Angaben Landecks habe sich insbesondere die Zusammenarbeit im Krisenstab mit Feuerwehr und Polizei bewährt. Dieser sei nach dem Anschlag im September 2025 eingerichtet worden.

Zeitweise 46 Netzersatzanlagen im Einsatz

Die Feuerwehr habe Prioritätslisten erstellt, etwa für Krankenhäuser und Pflegeheime, die zuerst mit Strom versorgt werden mussten. Landeck zufolge waren zeitweise 46 Netzersatzanlagen im Einsatz. „Rund zwei Drittel davon haben benachbarte Netzbetreiber bereitgestellt“, sagte Landeck dankbar. Diese Zusammenarbeit funktioniere nur, wenn Einsatz und Bedienung der Anlagen regelmäßig geübt würden.

Nach Einschätzung von Stromnetz Berlin muss speziell die Hoch- und Höchstspannungsinfrastruktur stärker geschützt werden. Dazu gehörten etwa eigene Krisenstäbe, Alarmierungssysteme und geschulte Fachkräfte. Auch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wie Kameras an Umspannwerken oder höhere Zäune seien geplant. Die Umsetzung sei jedoch kostenintensiv. Landeck verwies darauf, dass solche Investitionen im aktuellen Regulierungsrahmen nur begrenzt berücksichtigt würden. Für bestimmte Aufgaben brauche es auch zentrale Finanzierungsmodelle.

Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, verwies auf die Verantwortung seiner Behörde für die Höhe der Netzentgelte. Müller sagte, seine Behörde müsse steigende Netzentgelte gegenüber Wirtschaft und Politik erklären. Deshalb werde sie weiterhin auf Effizienz bei Netzbetreibern achten. Gleichzeitig betonte Müller die Bedeutung einer besseren Vorsorge. Bereits die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal habe dies gezeigt. Er wünscht sich von den Unternehmen möglichst einheitlich erstellte Sicherheitsanalysen.

Mit der europäischen Richtlinie zur Netz- und Informationssicherheit (NIS 2) sowie der geplanten KRITIS-Regulierung gebe es bereits umfangreiche Vorgaben. Entscheidend sei nun deren Umsetzung. Müller regte an, gemeinsam mit der Branche ein regional abgestimmtes Notfallkonzept zu entwickeln. Dieses müsse über einzelne Netzgebiete hinausgehen und möglichst alle rund 700 Netzbetreiber in Deutschland einbeziehen. 

Übertragungsnetze Sache der Bundespolizei?

Sylvia Borcherding, Geschäftsführerin Corporate Services beim Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz, sieht ebenfalls Anpassungsbedarf. Laut Borcherding reichen Vorsorgemaßnahmen aus normalen Betriebszeiten nicht mehr aus, wenn gezielte Angriffen erfolgen. „Die Gesellschaft muss entscheiden, wie viel Resilienz sie sich leisten will“, sagte Borcherding. Für die Bevölkerung sei eine klare Kommunikation wichtig. Informationen über individuelle Vorsorgemaßnahmen könnten das Sicherheitsgefühl verbessern, ohne unnötige Panik auszulösen, erklärte Borcherding.

Dazu müsse auch der regulatorische Rahmen weiterentwickelt werden. Als Beispiele nannte sie Reservetransformatoren oder technische Überwachungssysteme für Offshore-Anlagen. Wichtig seien außerdem aktuelle Lagebilder und eine funktionierende Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Nur so könnten etwa gelagerte Notstromaggregate schnell eingesetzt werden.

Neben technischen Maßnahmen sieht Borcherding auch organisatorischen Handlungsbedarf. Unternehmen müssten analysieren, wie sie ihren Betrieb im Krisenfall absichern können. Dazu gehörten Verträge mit Dienstleistern, Bereitschaftssysteme für Mitarbeiter und regelmäßige Krisenmanagementübungen. Diese Übungen sollten auch mit externen Partnern erfolgen und über Ländergrenzen hinweg organisiert werden. Es sei zu überlegen, ob für Höchstspannungsnetze nicht die Bundespolizei zuständig sein könnte, analog zur Deutschen Bahn, sagte sie.

Müller betonte abschließend, dass Sicherheit ihren Preis habe. Es sei jedoch sinnvoll, präventiv in Schutzmaßnahmen zu investieren. Gleichzeitig arbeite die Bundesnetzagentur daran, Transparenzregeln für Netzinformationen zu überprüfen, um mögliche Angriffsflächen zu reduzieren. Dennoch müssten beispielsweise Bauunternehmen weiterhin wissen, wo Leitungen verlaufen. Neben der Energieversorgung müsse daher auch die Kommunikationsinfrastruktur besser abgesichert werden.

Dienstag, 10.03.2026, 14:42 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Veranstaltung - Mehr Schutz für kritische Netze in Arbeit
Podium auf dem KRITIS-Gipfel (v.li.): Frederik Giessing (450 Connect), Sylvia Borcherding (50 Hertz), Erik Landeck (Stromnetz Berlin) und Klaus Müller (Bundesnetzagentur). Quelle: Susanne Harmsen
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Mehr Schutz für kritische Netze in Arbeit
Vertreter von Netzbetreibern und Behörden diskutierten in Berlin auf einer KRITIS-Konferenz über Konsequenzen von Stromausfällen. Anlass waren die Anschläge auf das Berliner Netz.

Laut den Teilnehmern der KRITIS-Konferenz von BDEW und VKU in Berlin haben die Brandanschläge auf Energieanlagen im September 2025 und Januar 2026 gezeigt, wie verletztlich kritische Infrastrukturen sind und wie stark Stromversorgung, Kommunikation und andere Systeme voneinander abhängen. Frederik Giessing, Geschäftsführer von 450 Connect, war vor diesem Hintergrund für das 450-MHz-Netz, welches in Berlin noch nicht ausgerollt war.


Erik Landeck, Geschäftsführer der Stromnetz Berlin GmbH, erklärte, dass bei den Ausfällen nicht nur die Stromversorgung betroffen gewesen sei. Auch Heizung, Mobilität und Telekommunikation hätten in den betroffenen Stadtteilen eingeschränkt funktioniert. Nach Angaben Landecks habe sich insbesondere die Zusammenarbeit im Krisenstab mit Feuerwehr und Polizei bewährt. Dieser sei nach dem Anschlag im September 2025 eingerichtet worden.

Zeitweise 46 Netzersatzanlagen im Einsatz

Die Feuerwehr habe Prioritätslisten erstellt, etwa für Krankenhäuser und Pflegeheime, die zuerst mit Strom versorgt werden mussten. Landeck zufolge waren zeitweise 46 Netzersatzanlagen im Einsatz. „Rund zwei Drittel davon haben benachbarte Netzbetreiber bereitgestellt“, sagte Landeck dankbar. Diese Zusammenarbeit funktioniere nur, wenn Einsatz und Bedienung der Anlagen regelmäßig geübt würden.

Nach Einschätzung von Stromnetz Berlin muss speziell die Hoch- und Höchstspannungsinfrastruktur stärker geschützt werden. Dazu gehörten etwa eigene Krisenstäbe, Alarmierungssysteme und geschulte Fachkräfte. Auch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wie Kameras an Umspannwerken oder höhere Zäune seien geplant. Die Umsetzung sei jedoch kostenintensiv. Landeck verwies darauf, dass solche Investitionen im aktuellen Regulierungsrahmen nur begrenzt berücksichtigt würden. Für bestimmte Aufgaben brauche es auch zentrale Finanzierungsmodelle.

Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, verwies auf die Verantwortung seiner Behörde für die Höhe der Netzentgelte. Müller sagte, seine Behörde müsse steigende Netzentgelte gegenüber Wirtschaft und Politik erklären. Deshalb werde sie weiterhin auf Effizienz bei Netzbetreibern achten. Gleichzeitig betonte Müller die Bedeutung einer besseren Vorsorge. Bereits die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal habe dies gezeigt. Er wünscht sich von den Unternehmen möglichst einheitlich erstellte Sicherheitsanalysen.

Mit der europäischen Richtlinie zur Netz- und Informationssicherheit (NIS 2) sowie der geplanten KRITIS-Regulierung gebe es bereits umfangreiche Vorgaben. Entscheidend sei nun deren Umsetzung. Müller regte an, gemeinsam mit der Branche ein regional abgestimmtes Notfallkonzept zu entwickeln. Dieses müsse über einzelne Netzgebiete hinausgehen und möglichst alle rund 700 Netzbetreiber in Deutschland einbeziehen. 

Übertragungsnetze Sache der Bundespolizei?

Sylvia Borcherding, Geschäftsführerin Corporate Services beim Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz, sieht ebenfalls Anpassungsbedarf. Laut Borcherding reichen Vorsorgemaßnahmen aus normalen Betriebszeiten nicht mehr aus, wenn gezielte Angriffen erfolgen. „Die Gesellschaft muss entscheiden, wie viel Resilienz sie sich leisten will“, sagte Borcherding. Für die Bevölkerung sei eine klare Kommunikation wichtig. Informationen über individuelle Vorsorgemaßnahmen könnten das Sicherheitsgefühl verbessern, ohne unnötige Panik auszulösen, erklärte Borcherding.

Dazu müsse auch der regulatorische Rahmen weiterentwickelt werden. Als Beispiele nannte sie Reservetransformatoren oder technische Überwachungssysteme für Offshore-Anlagen. Wichtig seien außerdem aktuelle Lagebilder und eine funktionierende Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Nur so könnten etwa gelagerte Notstromaggregate schnell eingesetzt werden.

Neben technischen Maßnahmen sieht Borcherding auch organisatorischen Handlungsbedarf. Unternehmen müssten analysieren, wie sie ihren Betrieb im Krisenfall absichern können. Dazu gehörten Verträge mit Dienstleistern, Bereitschaftssysteme für Mitarbeiter und regelmäßige Krisenmanagementübungen. Diese Übungen sollten auch mit externen Partnern erfolgen und über Ländergrenzen hinweg organisiert werden. Es sei zu überlegen, ob für Höchstspannungsnetze nicht die Bundespolizei zuständig sein könnte, analog zur Deutschen Bahn, sagte sie.

Müller betonte abschließend, dass Sicherheit ihren Preis habe. Es sei jedoch sinnvoll, präventiv in Schutzmaßnahmen zu investieren. Gleichzeitig arbeite die Bundesnetzagentur daran, Transparenzregeln für Netzinformationen zu überprüfen, um mögliche Angriffsflächen zu reduzieren. Dennoch müssten beispielsweise Bauunternehmen weiterhin wissen, wo Leitungen verlaufen. Neben der Energieversorgung müsse daher auch die Kommunikationsinfrastruktur besser abgesichert werden.

Dienstag, 10.03.2026, 14:42 Uhr
Susanne Harmsen

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