Quelle: Nordic Link Building Oy
Der Wandel im Energiesystem trifft die Verteilnetze mit voller Wucht:
Insbesondere durch die schnelle Zunahme dezentraler Erzeugungsanlagen wie PV-Systemen sowie den starken Ausbau von Wärmepumpen und E-Mobilität sind die Niederspannungsnetze heute deutlich stärker belastet als noch vor wenigen Jahren.
Neue Herausforderungen im NiederspannungsnetzWährend früher stabile und vorhersehbare Lastprofile dominierten, bestimmen heute volatile Einspeisung, variable Lasten und zahlreiche neue Akteure den Alltag im Netzbetrieb.
Diese Entwicklung stellt Netzbetreiber vor massive Herausforderungen: Die Zahl der Anschlussanfragen für neue Verbraucher und Erzeuger steigt exponentiell, während personelle und finanzielle Ressourcen begrenzt sind. Gleichzeitig verschärfen regulatorische Vorgaben – etwa die Umsetzung von
§14a EnWG oder die Verpflichtung zum digitalen Netzanschlussportal ab 2025 – den Handlungsdruck.
Vom Flickenteppich zur durchgängigen TransparenzKlassische manuelle Prozesse, bei denen Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammengetragen und ausgewertet werden, stoßen an ihre Grenzen. Es fehlt häufig an einer durchgängigen, hochaufgelösten Datenbasis, um den Zustand der Netze zuverlässig in Echtzeit beurteilen und steuern zu können. Dies birgt Risiken für die Netzstabilität, etwa durch Überlastungen oder verzögerte Reaktionszeiten bei Störungen.
Nicht zuletzt steigen auch die Erwartungen der Kund:innen – sie erwarten schnelle, transparente und digitale Prozesse rund um Netzanschluss und -betrieb. Die zentrale Frage lautet also: Wie gelingt es, die Verteilnetze flexibel, transparent und resilient für die Anforderungen der Energiewende aufzustellen?
Das PlanOps-Prinzip – Integration von Planung und BetriebHier setzt das von envelio entwickelte
PlanOps-Prinzip an. Inspiriert von DevOps aus der IT-Welt, überträgt PlanOps das Konzept der kontinuierlichen, engen Zusammenarbeit auf die Netzplanung und den Netzbetrieb. Anstatt dass diese Bereiche in Silos arbeiten und mit statischen und teilweise unterschiedlichen Netzmodellen agieren, rückt die abteilungsübergreifende Nutzung eines digitalen Zwillings in den Mittelpunkt.
Im Zentrum steht der digitale Zwilling – ein laufend aktualisiertes, digitales Abbild der tatsächlichen Netzstruktur, in dem sämtliche notwendigen Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammengeführt werden. Durch diese gemeinsame Datenbasis werden Planungs- und Betriebsprozesse eng verzahnt – vom Monitoring und dem Engpassmanagement bis hin zur Anschlussprüfung und
strategischen Netzplanung.
Das Ergebnis: Entscheidungen können datenbasiert, schneller und fundierter getroffen werden. Netzengpässe werden frühzeitig erkannt, Maßnahmen gezielt priorisiert und Doppelarbeiten vermieden. Für Netzbetreiber bedeutet das nicht nur einen Effizienzgewinn, sondern auch die Möglichkeit, flexibler und agiler auf die Anforderungen der Energiewende und des Marktes zu reagieren.
Eine neue Generation von NiederspannungsleitsystemenUm diese Herausforderungen zu meistern, braucht es speziell auf die Niederspannung ausgelegte Leitsysteme, die mit den neuen technischen Anforderungen Schritt halten.
Während klassische Leitsysteme traditionell vor allem in der Mittel- und Hochspannung eingesetzt werden und vorwiegend mit überschaubaren Datenmengen arbeiten, müssen moderne Niederspannungsleitsysteme massendatenfähig und hochgradig automatisiert sein.
Im Mittelpunkt steht dabei die Integration von Daten aus intelligenten Messsystemen (IMSys), die nicht nur Verbrauchsdaten liefern, sondern auch detaillierte Einblicke in Netzbelastungen, Zustände und Lastflüsse in kurzen Zeitintervallen ermöglichen. Diese Systeme sammeln Millionen von Datenpunkten, die in einer skalierbaren IT-Architektur effizient verarbeitet und analysiert werden müssen. Nur so können Netzbetreiber Echtzeit-Transparenz über ihre Netze herstellen und auf Veränderungen flexibel reagieren.
Zudem ermöglichen neue Leitsysteme die Automatisierung vieler bisher manueller Aufgaben, etwa bei der Fehlererkennung, beim Flexibilitätsmanagement oder bei der Überwachung von Engpässen. Damit sind sie ein zentrales Werkzeug, um die Netzstabilität in einer zunehmend dynamischen, dezentralen Energiewelt zu sichern und gleichzeitig regulatorische Anforderungen wie
§14a EnWG effizient umzusetzen.
Die Verbindung von PlanOps und Niederspannungsleitsystem – Synergien und NutzenDer eigentliche Durchbruch entsteht jedoch erst durch die konsequente Verbindung von PlanOps-Prinzipien und modernen Niederspannungsleitsystemen. Beide Ansätze ergänzen sich ideal: Während das Leitsystem die notwendige Datenbasis und Automatisierung bereitstellt, sorgt PlanOps für die durchgängige Verzahnung von Planung und Betrieb.
So werden durchgängige, digitale Workflows möglich – von der Anschlussprüfung über die Kapazitätsbewertung bis zur strategischen Netzplanung und dem täglichen Netzbetrieb. Echtzeitdaten aus dem Leitsystem fließen direkt in den
digitalen Zwilling ein und ermöglichen es, Planungsentscheidungen kontinuierlich an den tatsächlichen Netzbetrieb anzupassen. Engpässe und Bedarfe werden frühzeitig erkannt, Maßnahmen können zielgerichtet priorisiert und umgesetzt werden.
Das Resultat sind schnellere, datenbasierte Entscheidungen, eine spürbar höhere Prozess-Effizienz und ein insgesamt agilerer Netzbetrieb.
Fazit & AusblickMit der Integration von PlanOps und fortschrittlichen Niederspannungsleitsystemen eröffnen sich für Netzbetreiber völlig neue Möglichkeiten, die Netze leistungsfähig, agil und zukunftsfest aufzustellen. Die Synergie aus durchgängigen, digitalen Prozessen und einer hochaufgelösten, gemeinsamen Datenbasis ermöglicht es, den steigenden Anforderungen der Energiewende erfolgreich zu begegnen.
Jetzt ist die Zeit, auf Integration und Digitalisierung zu setzen – nicht nur, um regulatorische Vorgaben zu erfüllen, sondern um als aktiver Gestalter der Energiezukunft aufzutreten. Die nächsten Entwicklungsschritte werden noch mehr Automatisierung, KI-gestützte Prognosen und eine stärkere Vernetzung der Systeme bringen. Wer frühzeitig auf diese Verbindung setzt, legt den Grundstein für einen resilienten und zukunftsorientierten Netzbetrieb.
Dienstag, 10.02.2026, 09:14 Uhr
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