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Energie & Management > Stromnetz - Berater schlagen Reform des Strommarkts vor
Quelle: Katia Meyer-Tien
Stromnetz

Berater schlagen Reform des Strommarkts vor

BET Consulting hat ein Konzept für ein neues Strommarktdesign vorgestellt. Es soll den Ausbau erneuerbarer Energien und der Netze besser verzahnen und Systemkosten senken.
Die Beratungsgesellschaft BET Consulting aus Aachen hat einen Vorschlag für ein neues Strommarktdesign vorgelegt. Ziel sei es, den Ausbau erneuerbarer Energien stärker mit dem Netzausbau zu synchronisieren und gleichzeitig die Systemkosten zu reduzieren. Der Vorschlag wurde in Berlin vorgestellt.

Hintergrund ist die anstehende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Der Gesetzgeber muss bis Ende 2026 zentrale Regeln für den zukünftigen Strommarkt sowie die Finanzierung erneuerbarer Energien neu festlegen. BET knüpft mit seinem Konzept an Erkenntnisse aus dem Energiewende-Monitoring an, welches das Unternehmen im Sommer 2025 für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) in Teilen durchgeführt hat.

Ganzheitliches Design entworfen

Laut BET-Geschäftsführer Alexander Kox verfolgt der Ansatz mehrere Ziele gleichzeitig: „Unser Konzept für ein ganzheitliches Strommarktdesign zur kosteneffizienten Erreichung der Klimaziele ermöglicht es, Marktwerte der erneuerbaren Energien zu erhöhen, Förderkosten zu reduzieren, Netzausbaukosten erheblich zu senken, Versorgungssicherheit zu stärken und gleichzeitig den Pfad hin zur Klimaneutralität nicht zu verlassen.“

Nach Einschätzung von BET lassen sich durch den Ansatz volkswirtschaftliche Einsparungen von mehr als 120 Milliarden Euro erreichen. Voraussetzung sei jedoch, dass der Ausbau erneuerbarer Energien und der Netzausbau weiterhin zügig voranschreiten. Gleichzeitig müsse das Energiesystem stärker auf Kosteneffizienz und die Integration von Flexibilitäten ausgerichtet werden, erklärte Kox.

Systemdienliche Anschlussleistung im Fokus

Das vorgeschlagene Marktdesign basiert auf zwei zentralen Säulen. Die erste Säule zielt auf eine systemdienliche Integration neuer Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Die zweite Säule sei eine Flexibilisierung von Stromerzeugung und -verbrauch.

Für die erste Säule steht die sogenannte systemdienliche Anschlussleistung (SAL) im Mittelpunkt. Diese Größe legt fest, bis zu welcher Leistung eine Anlage garantiert Strom in das Netz einspeisen kann oder im Fall von Abregelungen kompensiert wird. In der Regel liegt die SAL unterhalb der installierten Leistung einer Anlage. Dadurch sollen zusätzliche Netzkapazitäten entstehen und der Bedarf für Netzausbau sinken.

Für neue Anlagen mit Förderung nach dem EEG würde die SAL laut BET den garantierten Netzzugang definieren. Strommengen unterhalb dieser Grenze wären planbar, weil Anlagenbetreiber bei netzbedingten Eingriffen wie Redispatch eine Kompensation erhalten. Mengen oberhalb der SAL sollen dagegen Anreize für eine flexiblere Nutzung schaffen. Betreiber könnten den Strom etwa speichern, vor Ort verbrauchen oder über individuelle Vereinbarungen flexibel einspeisen.

Optionenmodell als Ergänzung

Ralph Kremp, Partner für Energiepolitik bei BET Consulting, sieht darin vor allem einen Effekt für den Netzausbau. „Wenn die SAL zur Bemessungsgrundlage für den Netzausbau wird, kann dieser deutlich reduziert werden. Es muss nicht mehr für das letzte Kilowatt ausgebaut werden, für das der Ausbau teurer ist als der Wert des eingespeisten Stromes“, erklärte er laut Unternehmen. Dadurch könnten Netzausbaukosten von rund 80 Milliarden Euro vermieden werden.

Für Netzabschnitte mit begrenzten Anschlusskapazitäten schlägt BET zusätzlich ein Optionenmodell vor. Es soll eine bessere Abstimmung zwischen Netz- und Anlagenbetreibern ermöglichen. Als dritte Möglichkeit sieht das Modell eine sogenannte Fallback-Option vor. In diesem Fall wird die Anlage zwar zum gewünschten Zeitpunkt angeschlossen. Der Betreiber übernimmt jedoch einen Teil der anfallenden Redispatchkosten. Auch der Netzbetreiber müsste einen Teil dieser Kosten tragen, ohne sie über die regulierte Erlösobergrenze weiterzugeben.

Flexibilität anregen

Die zweite Säule des Konzepts betrifft stärkere Anreize für Flexibilität im Stromsystem. Dazu zählen unter anderem dynamische Strompreise und zeitvariable Netzentgelte. Ergänzend schlägt BET weitere Instrumente vor, etwa stärkere Anreize für Stromspeicher, Lastverschiebungen oder eine stärkere Einbindung von Flexibilität in einen möglichen zukünftigen Kapazitätsmarkt.

Auch Maßnahmen zur Förderung der Sektorkopplung gehören laut der Studie dazu. Eine flexiblere Stromnachfrage könne dazu beitragen, die Integration erneuerbarer Energien zu verbessern, Marktwerte zu stabilisieren und Förderkosten zu senken.

Dienstag, 10.03.2026, 17:05 Uhr
Susanne Harmsen
Energie & Management > Stromnetz - Berater schlagen Reform des Strommarkts vor
Quelle: Katia Meyer-Tien
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Berater schlagen Reform des Strommarkts vor
BET Consulting hat ein Konzept für ein neues Strommarktdesign vorgestellt. Es soll den Ausbau erneuerbarer Energien und der Netze besser verzahnen und Systemkosten senken.
Die Beratungsgesellschaft BET Consulting aus Aachen hat einen Vorschlag für ein neues Strommarktdesign vorgelegt. Ziel sei es, den Ausbau erneuerbarer Energien stärker mit dem Netzausbau zu synchronisieren und gleichzeitig die Systemkosten zu reduzieren. Der Vorschlag wurde in Berlin vorgestellt.

Hintergrund ist die anstehende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Der Gesetzgeber muss bis Ende 2026 zentrale Regeln für den zukünftigen Strommarkt sowie die Finanzierung erneuerbarer Energien neu festlegen. BET knüpft mit seinem Konzept an Erkenntnisse aus dem Energiewende-Monitoring an, welches das Unternehmen im Sommer 2025 für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) in Teilen durchgeführt hat.

Ganzheitliches Design entworfen

Laut BET-Geschäftsführer Alexander Kox verfolgt der Ansatz mehrere Ziele gleichzeitig: „Unser Konzept für ein ganzheitliches Strommarktdesign zur kosteneffizienten Erreichung der Klimaziele ermöglicht es, Marktwerte der erneuerbaren Energien zu erhöhen, Förderkosten zu reduzieren, Netzausbaukosten erheblich zu senken, Versorgungssicherheit zu stärken und gleichzeitig den Pfad hin zur Klimaneutralität nicht zu verlassen.“

Nach Einschätzung von BET lassen sich durch den Ansatz volkswirtschaftliche Einsparungen von mehr als 120 Milliarden Euro erreichen. Voraussetzung sei jedoch, dass der Ausbau erneuerbarer Energien und der Netzausbau weiterhin zügig voranschreiten. Gleichzeitig müsse das Energiesystem stärker auf Kosteneffizienz und die Integration von Flexibilitäten ausgerichtet werden, erklärte Kox.

Systemdienliche Anschlussleistung im Fokus

Das vorgeschlagene Marktdesign basiert auf zwei zentralen Säulen. Die erste Säule zielt auf eine systemdienliche Integration neuer Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Die zweite Säule sei eine Flexibilisierung von Stromerzeugung und -verbrauch.

Für die erste Säule steht die sogenannte systemdienliche Anschlussleistung (SAL) im Mittelpunkt. Diese Größe legt fest, bis zu welcher Leistung eine Anlage garantiert Strom in das Netz einspeisen kann oder im Fall von Abregelungen kompensiert wird. In der Regel liegt die SAL unterhalb der installierten Leistung einer Anlage. Dadurch sollen zusätzliche Netzkapazitäten entstehen und der Bedarf für Netzausbau sinken.

Für neue Anlagen mit Förderung nach dem EEG würde die SAL laut BET den garantierten Netzzugang definieren. Strommengen unterhalb dieser Grenze wären planbar, weil Anlagenbetreiber bei netzbedingten Eingriffen wie Redispatch eine Kompensation erhalten. Mengen oberhalb der SAL sollen dagegen Anreize für eine flexiblere Nutzung schaffen. Betreiber könnten den Strom etwa speichern, vor Ort verbrauchen oder über individuelle Vereinbarungen flexibel einspeisen.

Optionenmodell als Ergänzung

Ralph Kremp, Partner für Energiepolitik bei BET Consulting, sieht darin vor allem einen Effekt für den Netzausbau. „Wenn die SAL zur Bemessungsgrundlage für den Netzausbau wird, kann dieser deutlich reduziert werden. Es muss nicht mehr für das letzte Kilowatt ausgebaut werden, für das der Ausbau teurer ist als der Wert des eingespeisten Stromes“, erklärte er laut Unternehmen. Dadurch könnten Netzausbaukosten von rund 80 Milliarden Euro vermieden werden.

Für Netzabschnitte mit begrenzten Anschlusskapazitäten schlägt BET zusätzlich ein Optionenmodell vor. Es soll eine bessere Abstimmung zwischen Netz- und Anlagenbetreibern ermöglichen. Als dritte Möglichkeit sieht das Modell eine sogenannte Fallback-Option vor. In diesem Fall wird die Anlage zwar zum gewünschten Zeitpunkt angeschlossen. Der Betreiber übernimmt jedoch einen Teil der anfallenden Redispatchkosten. Auch der Netzbetreiber müsste einen Teil dieser Kosten tragen, ohne sie über die regulierte Erlösobergrenze weiterzugeben.

Flexibilität anregen

Die zweite Säule des Konzepts betrifft stärkere Anreize für Flexibilität im Stromsystem. Dazu zählen unter anderem dynamische Strompreise und zeitvariable Netzentgelte. Ergänzend schlägt BET weitere Instrumente vor, etwa stärkere Anreize für Stromspeicher, Lastverschiebungen oder eine stärkere Einbindung von Flexibilität in einen möglichen zukünftigen Kapazitätsmarkt.

Auch Maßnahmen zur Förderung der Sektorkopplung gehören laut der Studie dazu. Eine flexiblere Stromnachfrage könne dazu beitragen, die Integration erneuerbarer Energien zu verbessern, Marktwerte zu stabilisieren und Förderkosten zu senken.

Dienstag, 10.03.2026, 17:05 Uhr
Susanne Harmsen

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