Der französische Konzern will sich nach mehr als 20 Jahren aus Braunschweig zurückziehen und empfiehlt die Kommune und Thüga als Käufer der Anteile.
Der französische Energie- und Wasserkonzern Veolia plant, seine Mehrheitsbeteiligung am Braunschweiger Energieversorger BS Energy abzugeben. Das geht aus einer Pressemitteilung der Stadt Braunschweig hervor. Veolia hält 50,1 Prozent der Anteile. Ein Verkaufspreis oder Zeitplan wurde nicht genannt.
„Eine Veräußerung der Beteiligung an BS Energy an die Stadt und die Thüga AG wird von Veolia als bevorzugter Weg genannt“, heißt es in dem Statement der Stadtverwaltung weiter. Die Kommune hält 25,1 Prozent an BS Energy, die Stadtwerke-Holding Thüga 24,8 Prozent. Beide verbleibenden Partner könnte die Anteil übernehmen, denkbar wäre auch, dass nur einer den Anteil übernimmt. Allerdings: Veolia bereitet sich laut Mitteilung ebenso auf „andere Konstellationen“ vor.
Die Stadt will zeitnah mit Veolia verhandeln. Braunschweigs Oberbürgermeister Thorsten Kornblum bedauert den Rückzug. Die Zusammenarbeit sei partnerschaftlich und erfolgreich gewesen, etwa bei der Umstellung der Erzeugungsanlagen im Heizkraftwerk Mitte. Zugleich sagte er: „Aber wir müssen auch akzeptieren, wenn sich ein langjähriger Partner strategisch neu aufstellt.“ Die Gespräche dürften einige Zeit in Anspruch nehmen. Über Zwischenstände werde die Stadt die Öffentlichkeit wegen der Vertraulichkeit der Angelegenheit nicht informieren.
Konkrete Gründe für den Ausstieg werden nicht genannt. Veolia betont aber, dass „diese Entscheidung ausschließlich auf einer Weiterentwicklung der strategischen Ausrichtung des Konzerns beruhe“, heißt es in der Mitteilung. Veolia hatte vor Monaten ein Verkaufsprogramm angekündigt.
Ende 2025 hieß es aus Paris, das Unternehmen wolle Geschäftsaktivitäten im Umfang von rund zwei Milliarden Euro veräußern. Mit dem Strategieprogramm „GreenUp“ richtet der Konzern sein Portfolio stärker auf internationale und technologieorientierte Geschäfte aus, darunter Wassertechnologien. Ob die Braunschweiger BS Energy zu dem Verkaufsprogramm gehört, ist allerdings nicht bekannt.
Für die künftigen Eigentümer stehen erhebliche Aufgaben an: BS Energy will sein Fernwärmenetz ausbauen und die Wärmeerzeugung bis 2040 dekarbonisieren. Der im Mai 2026 veröffentlichte Transformationsplan sieht vor, den Fernwärmeanteil in Braunschweig von derzeit mehr als 30 Prozent weiter zu erhöhen. Rund 60.000 Haushalte, Einrichtungen und Unternehmen beziehen bereits Fernwärme. Das Netz ist mehr als 280 Kilometer lang. Allein der Kohleausstieg und der Umbau des Heizkraftwerks Mitte kosteten rund 250 Millionen Euro.
Die heutige Gesellschafterstruktur geht auf die Privatisierung des kommunalen Versorgers im Jahr 2002 zurück. Damals verkaufte die Stadt 74,9 Prozent an den US-Energieversorger TXU. Dieser zog sich kurz darauf aus Europa zurück. Anfang 2005 übernahm Veolia das Anteilspaket. Das Engagement umfasste Strom-, Gas-, Wärme- und Wasserversorgung; Ende 2005 kam ein Auftrag in der Abwasserwirtschaft hinzu.
2018 gab es erneut eine Änderung in der Beteiligungsstruktur. Mit der Neuvergabe der Konzessionen hatte die Stadt eine stärkere kommunale Beteiligung angestrebt. Veolia erklärte sich bereit, Anteile abzugeben, wollte die operative Führung aber behalten. Die Thüga erhielt nach Zustimmung des Stadtrats 24,8 Prozent, Veolia behielt mit 50,1 Prozent die Mehrheit. (sag)