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Gebäude des Mieterstromprojektes in Rathenow Quelle: Ossler Solar Solutions GmbH
Heidi Roider
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Montag, 26.10.2026, 11:42 Uhr
Vertrieb
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Private Investoren finanzieren Mieterstrom in Rathenow
In Rathenow entsteht einer der größten zusammenhängenden Mieterstromverbünde Brandenburgs. Das Mess- und Abrechnungskonzept übernimmt Metergrid. 
Die Rathenower Wohnungsbaugenossenschaft eG (RWG) setzt bei der Versorgung von 220 Wohnungen mit Mieterstrom − verteilt auf 22 Mehrfamilienhäuser in drei Gebäudegruppen − auf ein Investorenmodell. Vier private Kapitalgeber finanzieren Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 416 kW und mehreren Batteriespeichern mit einer Gesamtkapazität von 216 kWh. Die Genossenschaft stellt dafür die Dachflächen von 22 Mehrfamilienhäusern in Rathenow im Havelland zur Verfügung, ohne selbst Kapital in die Anlagen zu investieren. 

„Uns war wichtig, unseren Mitgliedern günstigeren Strom anbieten zu können, ohne dafür Genossenschaftskapital zu binden“, erklärte Jens Hubald, Vorstand der Rathenower Wohnungsbaugenossenschaft, die Ausgangslage. Betreiber der Anlagen sind künftig vier private Investoren, die nicht namentlich genannt werden. 

​Unterschiedliche Anlagenkonzepte für drei Gebäudegruppen

Die Ossler Solar Solutions GmbH aus Stuttgart entwickelt das Projekt. Das ebenfalls in Stuttgart ansässige Unternehmen Metergrid übernimmt Messkonzept und Zählerlogik für alle Gebäude, Gateway- und Messdatenprozesse, Kundenverwaltung im Betreiberportal sowie die Abrechnung.

Die Anlagen entstehen in drei Gebäudegruppen und befinden sich derzeit in unterschiedlichen Bauphasen. Die Inbetriebnahme hängt laut Ossler Solar Solutions unter anderem von der Freigabe der Messkonzepte und der Zählersetzung durch den zuständigen Netzbetreiber Edis ab. 

Gebäudegruppe 1 mit zehn Häusern ist als Anlagenverbund aus zwei Blöcken mit je rund 99 kWp ausgelegt. Die Gruppen 2 und 3 mit je sechs Häusern bestehen dagegen aus insgesamt zwölf gebäudebezogenen Einzelsystemen mit je 18 kWh Batteriespeicher, um die Eigenverbrauchsquote zu erhöhen. 

Die erwartete Einsparung liegt nach Auskunft von Ossler Solar bei rund 30 bis 40 Prozent der bisherigen Stromkosten – abhängig von Verbrauch, bisherigem Tarif und Solarstromanteil. Ein großer Teil der angesprochenen Haushalte ist laut den Projketpartner zuvor in der Grundversorgung gewesen. Für die Kundenakquise setzt Ossler Solar neben der digitalen Vertragsstrecke von Metergrid auf persönliche Beratung. Das Unternehmen organisiere Informationsveranstaltungen, betreibe Informationsstände an den Wohngebäuden und führe Gespräche mit den Bewohnern.

Metergrid übernimmt energiewirtschaftliche Prozesse

Die Projektpartner haben die Aufgaben zwischen Entwicklung, Anlagenbetrieb und Stromlieferung aufgeteilt. Ossler Solar verantwortet die Projektorganisation einschließlich Wirtschaftlichkeitsprüfung, Investorengewinnung, Vertragsgestaltung und Koordination der technischen Umsetzung. Auch die Kommunikation mit der Mieterschaft liegt bei dem Unternehmen.

Metergrid stellt hingegen über sein Dienstleistungsmodell „metergrid Plus“ die Systeme für Messdatenverarbeitung, Kundenverwaltung, Abschlagszahlungen und Abrechnung bereit. Dazu gehört die Abwicklung der Vollversorgung einschließlich des zusätzlich benötigten Netzstroms.

Zuletzte hatte Metergrid im Früjahr dieses Jahres für den Ausbau seines Mieterstrom-Geschäftsmodells frisches Kapital eingesammelt (wir berichteten). Laut einer Mitteilung des Unternehmens sind in einer Series-A-Finanzierungsrunde über 10 Millionen Euro zusammengekommen. Es handle sich um die bislang größte Wachstumsfinanzierung im deutschen Mieterstrom-Markt. 

Nach eigenen Angaben betreibt Metergrid, das 2021 gegründet wurde, derzeit mehrere tausend Mieterstromprojekte in Deutschland. Die Zahl der versorgten Bewohnerinnen und Bewohner sei innerhalb eines Jahres von rund 10.000 auf über 53.000 gestiegen. Das Unternehmen wirbt damit, dass sich Mieterstrom damit von einem Nischenprodukt zu einem skalierbaren Baustein der urbanen Energieversorgung entwickle. (hr)