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Davina Spohn
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Mittwoch, 14.10.2026, 13:16 Uhr
Stromnetz
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Netzengpässe kosten 673 Millionen Euro
Die Kosten für das Netzengpassmanagement sind im zweiten Quartal 2026 leicht gestiegen, obwohl die Eingriffe zurückgingen. Vor allem die Netzreserve wurde teurer.
Das Netzengpassmanagement in Deutschland hat im zweiten Quartal 2026 rund 673 Millionen Euro gekostet. Das waren 14 Millionen Euro mehr als im Vorjahreszeitraum, obwohl die Netzbetreiber insgesamt weniger eingreifen mussten. Dies geht aus vorläufigen Zahlen hervor, die die Bundesnetzagentur am 12. Oktober auf ihrer Strommarktplattform „SMARD“ veröffentlicht hat.

Das gesamte Maßnahmenvolumen sank gegenüber dem zweiten Quartal 2025 um rund zehn Prozent auf 5,263 Milliarden kWh. Darin enthalten sind Redispatchmaßnahmen mit konventionellen Kraftwerken und Erneuerbare-Energien-Anlagen, der Einsatz von Reservekraftwerken sowie das sogenannte Countertrading. Dabei gleichen Netzbetreiber drohende Engpässe durch gegenläufige Stromhandelsgeschäfte aus

Als wesentlichen Grund für die gestiegenen Kosten nennt die Bundesnetzagentur die höheren Ausgaben für die Vorhaltung von Reservekraftwerken. Sie stiegen gegenüber dem Vorjahresquartal um 17 Prozent auf 256 Millionen Euro. Die Einsatzkosten blieben mit 81 Millionen Euro nahezu unverändert. Insgesamt verursachte die Netzreserve damit Kosten von 337 Millionen Euro.

Zu den Gründen für die höheren Vorhaltekosten zählen laut Bundesnetzagentur die Aufnahme zusätzlicher Anlagen in die Netzreserve sowie gestiegene Personal-, Instandhaltungs- und Verwaltungskosten.

Auch die Kosten für Redispatchmaßnahmen mit konventionellen Marktkraftwerken erhöhten sich. Sie stiegen um elf Prozent auf 199 Millionen Euro. Die Behörde führt dies insbesondere auf höhere Brennstoff- und Stromgroßhandelspreise zurück.

Weniger Abregelungen bei Wind und Solar

Die Netzbetreiber mussten im zweiten Quartal weniger Strom aus erneuerbaren Energien abregeln als ein Jahr zuvor. Das entsprechende Redispatchvolumen ging um rund zehn Prozent auf 2,102 Milliarden kWh zurück.

Den größten Anteil daran hatten Photovoltaikanlagen mit 1,124 Milliarden kWh. Das waren rund vier Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Gegenüber dem zweiten Quartal 2024 hat sich die Abregelungsmenge von Solaranlagen allerdings nahezu verdoppelt.

Bei Windenergieanlagen an Land verringerte sich das Volumen von 550 auf 527 Millionen kWh. Auf See sank es deutlich stärker, nämlich um 28 Prozent auf 415 Millionen kWh. Als Ursachen nennt die Bundesnetzagentur unter anderem das geringere Windaufkommen, veränderte Stromflüsse durch die hohe Solareinspeisung und Fortschritte beim Netzausbau.

Insgesamt konnten nach Angaben der Behörde 97 Prozent der erneuerbaren Stromerzeugung ins Netz eingespeist und von den Verbrauchern genutzt werden. Drei Prozent mussten die Netzbetreiber abregeln.

Der finanzielle Ausgleich für die Betreiber abgeregelter Erneuerbare-Energien-Anlagen sank um 21 Prozent auf 126 Millionen Euro. Neben dem geringeren Abregelungsvolumen trugen dazu höhere Stromgroßhandelspreise bei. Sie verringerten die Marktprämien und damit die entsprechenden Ausgleichszahlungen.

Verteilernetze verursachen erstmals mehr Eingriffe

Eine strukturelle Veränderung stellt die Bundesnetzagentur bei den Ursachen der Redispatchmaßnahmen für erneuerbare Energien fest. Erstmals entfiel in einem Quartal der größere Anteil des betroffenen Stromvolumens auf Engpässe im Verteilernetz.

Im zweiten Quartal 2026 verursachten Verteilernetzengpässe 52 Prozent dieser Redispatchmenge. Auf das Übertragungsnetz entfielen 48 Prozent. Ein Jahr zuvor hatte das Verhältnis noch bei 49 zu 51 Prozent gelegen. Im zweiten Quartal 2024 waren lediglich 29 Prozent auf Engpässe im Verteilernetz zurückzuführen.

Die Zahlen verdeutlichen nach Angaben der Bundesnetzagentur eine zunehmende Verlagerung der Redispatch-Ursachen auf die Verteilernetze. Zugleich verändert die hohe Solareinspeisung die Stromflüsse und damit die Engpasssituation im Stromnetz. (ds)