Deutlich gestiegen ist der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Stromverbrauch in den ersten neun Monaten dieses Jahres. Nach vorläufigen Berechnungen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) lag er bei 60,7
Prozent. Das waren vier Prozentpunkte mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig nahm der Bruttostromverbrauch um 1,6
Prozent zu.
Von Januar bis September erzeugten Anlagen auf Basis erneuerbarer Energien insgesamt 237,5
Milliarden kWh Strom, wie die Verbände in einer Mitteilung vom 1.
Oktober bekannt geben. Gegenüber den ersten drei Quartalen 2025 entspricht das einem Plus von 8,7
Prozent.
Besonders stark stieg die Stromproduktion aus Windenergie auf See mit einem Zuwachs von 19,8
Prozent. Photovoltaikanlagen erzeugten 13,9
Prozent mehr Strom, Windenergieanlagen an Land 9,1
Prozent mehr. In der gemeinsamen Auswertung führen der BDEW und der ZSW diese Entwicklulng auf den weiteren Ausbau der Windkraft und auf günstigere Windverhältnisse zurück.
Gegenläufig entwickelte sich die Wasserkraft: Aufgrund geringer Niederschlagsmengen sank ihre Stromerzeugung um 14,3
Prozent. Bei Biomasse verringerte sich die Produktion um 2,1
Prozent. Die höheren Erträge aus Wind- und Solarenergie glichen diese Rückgänge jedoch mehr als aus.
Photovoltaikzubau steigt auf 11.800 MWAuch beim Ausbau der Erzeugungsleistung verzeichnen die beiden Verbände Zuwächse. So waren im Marktstammdatenregister für die ersten neun Monate Photovoltaikanlagen mit insgesamt 11.800
MW neuer Leistung registriert. Im Vorjahreszeitraum waren es 11.000
MW. Bei der Windenergie an Land stieg die neu in Betrieb genommene Leistung auf 3.500
MW − von 3.100
MW in den ersten neun Monaten 2025.
Deutlich höher lag auch der Zubau auf See. Im laufenden Jahr gingen bislang Offshore-Windenergieanlagen mit 1.300
MW Leistung neu ans Netz. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 waren es 500
MW.
 |
Photovoltaik lieferte mit 24,2 Prozent den größten Einzelbeitrag zum Bruttostromverbrauch, gefolgt von Windenergie an Land mit 19,5 Prozent (zum Vergrößern bitte auf das PDF klicken) Quelle: BDEW, ZSW und Destatis |
BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae führt den gestiegenen Erneuerbaren-Anteil sowohl auf den Ausbau der Anlagen als auch auf deren Einbindung in das Stromsystem durch die Netzbetreiber zurück. Sie fordert zugleich Entscheidungen zur Weiterentwicklung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) sowie schnellere Verfahren beim Ausbau der Verteilnetze. Nach Angaben des Verbands sind 99,96
Prozent der Erneuerbaren-Anlagen an das Verteilnetz angeschlossen. Dort konkurrieren sie zunehmend mit Industrie, Gewerbe, Batteriespeichern und Wärmepumpen um Netzanschlusskapazitäten.
Solarstrom stellt größten AnteilInsgesamt erzeugten Kraftwerke und erneuerbaren-Anlagen in Deutschland von Januar bis September 393,6
Milliarden kWh Strom. Das waren 6,3
Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Photovoltaik steuerte mit 94,7
Milliarden kWh den größten Anteil bei. Es folgten Windenergie an Land (76,2
Milliarden kWh), Biomasse (31,3
Milliarden kWh), Offshore-Windenergie (20,8
Milliarden kWh) und Wasserkraft (10,3
Milliarden kWh). Aus fossilen Energieträgern stammten 156,1
Milliarden kWh.
Dem gegenüber stand ein Bruttostromverbrauch von 391,6
Milliarden kWh. Ein Jahr zuvor waren es laut BDEW und ZSW 385,5
Milliarden kWh. Damit deckten die Erneuerbaren in den ersten drei Quartalen 60,7
Prozent des Bruttostromverbrauchs. Bezogen auf die gesamte Bruttostromerzeugung lag ihr Anteil bei 60,4
Prozent. Für die energiepolitischen Ausbauziele wird nach Angaben der beiden Verbände die Quote am Bruttostromverbrauch herangezogen. Diese Berechnung folgt europäischen Vorgaben und den Zieldefinitionen der Bundesregierung.
(ds)