Eine VKU-Umfrage unter 225 Stadtwerken zeigt: Für die kommende Heizperiode gehen viele Versorger von höheren Preisen für Gas, Fernwärme und Strom aus.
Preisanstieg zum Start der Heizperiode am 1. Oktober: Nach einer Umfrage des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) rechnen 65 Prozent der Stadtwerke, die an der Erhebung teilgenommen haben, mit höheren Erdgaspreisen. Bei der Fernwärme erwarten 54 Prozent steigende Preise, beim Strom sind es 49 Prozent.
Als Gründe nennen die Versorger vor allem steigende Investitionen in Netze und Anlagen sowie höhere Großhandelspreise. „Die Preise stehen auch unter dem Einfluss internationaler Krisen und des Umbaus unseres Energiesystems. Stadtwerke investieren heute in Netze und Anlagen, damit die Energieversorgung morgen sicher, klimaneutral und bezahlbar ist“, kommentiert VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing den Befund.
Beim Strom sehen 82 Prozent der befragten Unternehmen steigende Netzentgelte infolge des wachsenden Investitionsbedarfs als Grund für mögliche Preiserhöhungen. 70 Prozent nennen gestiegene oder steigende Großhandelspreise. Ein weiterer Faktor seien unter anderem zusätzliche bürokratische Vorgaben.
Was Erdgas angeht, nennen 67 Prozent der Unternehmen gestiegene oder steigende Großhandelspreise als Grund für mögliche Preiserhöhungen. 48 Prozent verweisen auf vorgezogene Abschreibungen der Gasnetze wegen absehbarer Stilllegungen. Weitere 36 Prozent sehen steigende Netzentgelte infolge notwendiger Stilllegungen oder Umrüstungen als Faktor.
Bei der Fernwärme stehen Investitionen in Netze und Erzeugungsanlagen im Fokus. 68 Prozent der Befragten nennen steigende Investitionen als Grund für mögliche Preisanpassungen. Weitere 43 Prozent verweisen auf zeitverzögerte Auswirkungen früherer krisenbedingter Preissteigerungen bei Strom, Gas und Kohle.
Knackpunkt: kosteneffiziente Ausgestaltung Wärmewende
Trotz der erwarteten Preissteigerungen sei die Skepsis der Unternehmen gegenüber der langfristigen Bezahlbarkeit der Wärmeversorgung zurückgegangen, teilt der VKU mit. 31 Prozent halten laut Umfrage eine langfristig bezahlbare Wärmeversorgung in Deutschland für gesichert, 35 Prozent sehen dies nicht so. Im Vorjahr hatten noch 51 Prozent die langfristige Bezahlbarkeit verneint. Weitere 34 Prozent können die Entwicklung derzeit nicht einschätzen, heißt es.
Gleichzeitig mahnen Unternehmen politischen Handlungsbedarf an, um die Bezahlbarkeit der Wärmeversorgung zu sichern. 44 Prozent nennen eine kosteneffiziente Ausgestaltung der Wärmewende als zentrale Maßnahme. Jeweils 41 Prozent sprechen sich für eine Reform der Strom- und Gasnetzentgelte, eine Senkung der Stromsteuer auf das europarechtliche Minimum sowie eine Verlängerung und Reform des KWKG aus. 39 Prozent nennen zusätzliche Fördermittel, unter anderem für Fernwärme, Wärmepumpen und die energetische Verbesserung von Gebäuden.
VKU-Chef Liebing sieht vor allem verlässliche Rahmenbedingungen als Voraussetzung für weitere Investitionen: „Wir können die Wärmewende nur dann erfolgreich umsetzen, wenn Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit zusammengedacht werden.“
Die Umfrage fand nach Angaben des VKU zwischen dem 3. August und dem 1. September 2026 statt. Insgesamt seien 757 Stadtwerke und kommunale Energieversorger angeschrieben worden, 225 Unternehmen beteiligten sich. (mf)