Panel auf dem HB-Gaskongress (v.li.): Julia Bläsius (Agora), Christian Essers (Wacker Chemie), Sylwia Bialek-Gregory (EWI) und Moderator Heiko Lohmann Quelle: Susanne Harmsen
Susanne Harmsen
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Mittwoch, 30.09.2026, 17:45 Uhr
Die EU-Kommission will Teile der Methanverordnung für Energieimporte um ein Jahr verschieben. Die Gasbranche plädiert weiter für eine Verschiebung um drei Jahre.
Die EU-Kommission will Teile der Methanverordnung für Energieimporte um ein Jahr verschieben. Energiekommissar Dan Jorgensen sagte am 29. September am Rande eines Treffens der EU-Energieminister in Dublin, er schlage vor, die Regelungen zu Energieimporten aus der Verordnung herauszunehmen und das Inkrafttreten um ein Jahr zu verschieben. Das Thema wurde am 30. September auf der Handelsblatt-Gaskonferenz in Berlin diskutiert.
Kirsten Westphal, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), begrüßte den angekündigten Aufschub. Bei der Umsetzung seien noch wesentliche administrative Fragen offen. Die nationale Gesetzgebung sei noch nicht abgeschlossen, zudem stünden Zertifizierungsbehörden, die Methanemissionen weltweit messen könnten, bisher nicht bereit.
„Eigentlich wäre ein Aufschieben um drei Jahre besser, auch um rechtssichere Langfristverträge abschließen zu können“, sagte Westphal auf der Konferenz. Ein längerer Zeitraum würde nach ihrer Einschätzung auch den Lieferländern mehr Zeit geben, technische Maßnahmen zur Verringerung des Methanschlupfs umzusetzen und die Anforderungen der Verordnung besser zu erfüllen.
Die Methanverordnung der Europäischen Union soll die Methanemissionen entlang der Lieferketten fossiler Energieträger verringern. Für Importeure gelten dabei Anforderungen an die Erfassung, Berichterstattung und Verringerung von Methanemissionen bei der Förderung und Verarbeitung fossiler Energieträger in Drittstaaten.
Umstrittene CO2-Zertifikate für Industrie
Auf der Gaskonferenz ging es außerdem um die künftige Belastung der Industrie durch steigende CO2-Preise. Die EU plant, die kostenlose Zuteilung von Emissionszertifikaten für Industrieunternehmen schrittweise zurückzuführen und stärker an Investitionen in die Dekarbonisierung zu koppeln.
Christian Essers, Vice President Global Energy Procurement der Wacker Chemie AG, wandte sich gegen eine vollständige Abschaffung der kostenlosen Zertifikate. Die Chemieindustrie stehe weiterhin in erheblichem Umfang im globalen Wettbewerb. Unternehmen außerhalb der EU hätten teilweise keine vergleichbaren CO2-Kosten. Zudem gebe es nicht für alle industriellen Prozesse bereits wirtschaftlich umsetzbare technische Möglichkeiten, die Emissionen zu reduzieren.
Essers verwies zugleich auf den Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM), mit dem die EU CO2-Kosten für bestimmte importierte Waren berücksichtigen will. Solange kein wirkungsvoller Mechanismus gegen Importe aus Ländern ohne vergleichbare CO2-Bepreisung etabliert sei, belaste der europäische Emissionshandel die Chemieunternehmen nach seiner Einschätzung übermäßig.
Sylwia Bialek-Gregory, wissenschaftliche Geschäftsführerin des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI), bewertete die geplante Änderung der kostenlosen Zuteilung anders. Auch Julia Bläsius, Direktorin Deutschland bei Agora Energiewende, sprach sich auf dem Podium für eine stärkere Kopplung der Zertifikatszuteilung an die Dekarbonisierung aus.
Bläsius argumentierte, die Klimaschutzpolitik der EU könne nur glaubwürdig bleiben, wenn Unternehmen für die kostenlose Zuteilung Gegenleistungen erbringen. Solange energieintensive Unternehmen Zertifikate ohne entsprechende Verpflichtungen erhielten und deren Menge nicht sinke, werde die Dekarbonisierung aus ihrer Sicht nicht ausreichend vorankommen.
Wärmeversorgung braucht weiter Erdgas
Auch die künftige Rolle von Erdgas in der Wärmeversorgung war Thema der Konferenz. Georg Friedrichs, Vorstandsvorsitzender der Gasag, Energieversorger für Gas, Wärme und Strom, erwartet auch in den kommenden Jahren einen relevanten Erdgasbedarf. Der Umbau der Wärmeversorgung verlaufe langsam, sagte er. Neben dem Gebäudebestand begrenze insbesondere der Ausbau der Strom- und Wärmenetze die Geschwindigkeit der Umstellung.
Friedrichs verwies auf die Situation in Berlin. „Für rund eine Million Einwohner gibt es bislang keine Lösung für eine vollständig dekarbonisierte Wärmeversorgung“, sagte er. Ein Anschluss an das Fernwärmenetz sei nicht überall möglich. In Gebäuden mit ungünstigem baulichem Zustand seien Wärmepumpen nach seiner Darstellung teilweise wirtschaftlich nicht darstellbar. Gleichzeitig könne das Stromnetz die zusätzliche Nachfrage kurzfristig nicht überall aufnehmen.
Die Gasag plane deshalb auch die Beschaffung von Wasserstoff und Biogas. Die benötigten Mengen seien nach seiner Einschätzung jedoch auf absehbare Zeit nicht verfügbar. Das Unternehmen stehe dennoch zum Ziel Berlins, bis 2045 klimaneutral zu werden. Erdgas werde bis zum Übergang zu anderen Energieträgern allerdings weiterhin benötigt, sagte Friedrichs. (sh)