Der BDEW fordert schnellere Genehmigungen und bessere Investitionsbedingungen für die Netze. Amprion stellte aus Anlass des Netzekongresses KI für Planung und Systemführung vor.
Beim Ausbau der Stromnetze steigen die Anforderungen an Netzbetreiber deutlich. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) fordert deshalb weniger Bürokratie, verlässliche Investitionsbedingungen und neue Verfahren für die Vergabe knapper Netzkapazitäten. Auf dem Fachkongress „Treffpunkt Netze 2026“ in Berlin am 30. September verwies der Verband zugleich auf Fortschritte beim Smart-Meter-Rollout und die wachsende Bedeutung digitaler Anwendungen.
„Die Anforderungen an unsere Netze verändern sich in einem enormen Tempo“, sagte Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Netzanschlusspaket, Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), Gaspaket und weitere regulatorische Vorgaben müssten aus Sicht des Verbands besser aufeinander abgestimmt sein und in der Praxis funktionieren.
Festlegung BRÜCKEN kommentiert
Die am selben Tag veröffentlichte Festlegung BRÜCKEN der Bundesnetzagentur begrüßte die BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae. Diese schaffe erstmals einen Rahmen, wie die im Zuge der Gasnetztransformation entstehenden Rückstellungsaufwendungen der Gasnetzbetreiber für Stilllegungen und unvermeidbaren Rückbau regulatorisch berücksichtigt werden können.
„Mit der jetzt getroffenen Festlegung werden ab 2025 Zuführungen zu und Auflösungen von Rückstellungen als Kostenanteile, die nicht dem Effizienzvergleich unterliegen, deklariert und mit Beginn der 5. Regulierungsperiode regulatorisch abgebildet“, sagte Andreae. Dies verhindere, dass die Gasnetztransformation und deren regional sehr unterschiedliche Auswirkungen zu Verzerrungen im Effizienzvergleich führen.
„Es gibt keinen sachlichen Grund, zwischen der Bildung von Rückstellungen und den bereits laufenden Aufwänden zu unterscheiden“, kritisierte Andreae zugleich. Beide Kostenarten seien durch dieselben externen Faktoren geprägt und entzögen sich weitgehend dem Einfluss der Netzbetreiber. Die Behörde müsse auch die Kapitalverzinsung noch deutlich anheben, forderte sie abschließend.
Stromnetzanschluss braucht neue Regeln
Nach Angaben des BDEW haben Netzbetreiber im Stromnetz allein 2025 rund 1,5 Millionen Photovoltaik- und Windkraftanlagen, Ladesäulen und Batteriespeicher neu angeschlossen. Die zusätzliche Anschlussleistung lag demnach bei rund 28.000 MW. Für neue Anschlüsse fordert der Verband faire, transparente und rechtssichere Verfahren für die Zuteilung knapper Netzkapazitäten.
Die Bundesnetzagentur beziffert den Investitionsbedarf der größeren Verteilnetzbetreiber bis 2045 auf rund 207 Milliarden Euro. Hinzu kommen laut BDEW rund 30 Milliarden Euro für Ersatzinvestitionen und Rückbau. Für 2027 erwartet der BDEW zusammen rund 40 Milliarden Euro Investitionen in Verteil- und Übertragungsnetze. Der Verband sieht auch die Regulierung in der Pflicht, per Anreizregulierung notwendige Investitionen finanzierbar zu machen und zugleich privates Kapital für den Netzausbau zu mobilisieren.
Beim Smart-Meter-Rollout sieht der BDEW Fortschritte. Nach jüngsten Zahlen der Bundesnetzagentur waren zum 30. Juni 2026 bundesweit rund 3,17 Millionen intelligente Messsysteme installiert. Bei den verpflichtenden Einbaufällen für Verbraucher lag die Ausstattungsquote bei 26,1 Prozent. Das angekündigte Verteilnetzbeschleunigungsgesetz soll laut BDEW noch 2026 verabschiedet werden.
Amprion gründet KI-Tochter
Parallel dazu stellte der Übertragungsnetzbetreiber Amprion die Gründung von „alphaGrid“ vor. Die eigenständige Tochtergesellschaft mit Sitz in Berlin soll Anwendungen auf Basis künstlicher Intelligenz für Stromnetze entwickeln. Amprion will dafür in den kommenden zehn Jahren einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investieren. „Die Energiewende braucht neben neuen Leitungen auch neue digitale Werkzeuge“, begründete Amprion-CEO Christoph Müller den Schritt.
Alphagrid konzentriere sich zunächst auf Netzplanung, Systemführung und Energiemarktdesign. KI-Anwendungen sollen unter anderem bei der Modellierung von Netzen, der Bewertung von Ausbauoptionen und der Erkennung kritischer Netzsituationen unterstützen. Im Energiemarkt sollen KI-basierte Prognosen Entwicklungen und Wechselwirkungen analysieren. KI könne dabei helfen, das Energiesystem sicher und effizient weiterzuentwickeln.
Zunächst soll Alphagrid vor allem Anwendungen für Amprion entwickeln. Geschäftsführer Thomas Dederichs sieht einen Vorteil des neuen Unternehmens in der Verbindung von KI mit Daten aus dem Echtzeitbetrieb des Übertragungsnetzes. Sein Mitgeschäftsführer Benjamin Schwarzer verwies auf das Technologie- und Forschungsumfeld in Berlin. Von dort aus wolle Alphagrid Kooperationen mit Technologieunternehmen, Energiewirtschaft und Wissenschaft aufbauen. (sh)