Der Ausbau der Photovoltaik hat den Großhandelsstrompreis in Deutschland im vergangenen Jahr nach Berechnungen von Enervis erheblich gedrückt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Kurzstudie des Beratungsunternehmens im Auftrag des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar). Im Modell für 2025 liegt der durchschnittliche Großhandelsstrompreis mit der tatsächlich installierten Photovoltaikleistung von rund 118 GW bei 89,3 Euro/MWh. Ohne Solarstrom hätte er 112,8 Euro/MWh erreicht. Die Differenz von 23,5 Euro entspricht einer Preissenkung um 20,8 Prozent.
Besonders ausgeprägt ist der Effekt in den Mittagsstunden und in den Sommermonaten. Nach den Berechnungen senkt Photovoltaik die Großhandelspreise in allen Monaten des Jahres. Ohne Solarstrom müssten häufiger konventionelle Kraftwerke mit höheren variablen Kosten zum Einsatz kommen – mit entsprechendem Einfluss auf die Merit Order.
Den eigentlichen Großhandelswert der PV-Erzeugung beziffert Enervis für 2025 auf 13,1 Milliarden Euro. Grundlage sind eine Gesamtnachfrage von 561 TWh und die mittlere Preisdifferenz von 23,5 Euro je MWh. Hinzu kommen nach Darstellung der Studie 2,6 Milliarden Euro aus zusätzlichen Stromexporten. Ohne Photovoltaik wären die Exporte im Modell um etwa 23 TWh niedriger ausgefallen. Demnach ergibt sich ein Gesamtwert der Photovoltaik von 15,7 Milliarden Euro, dem die Autoren die erwarteten EEG-Förderkosten von 10,9
Milliarden Euro gegenüberstellen. Diesen Wert übersteigt der Gesamtwert aus Stromexporten und Strompreisdifferenz um 44
Prozent.
Fehlende Photovoltaik würde durch fossile Kraftwerke kompensiertFür einen Haushalt mit einem angenommenen Jahresverbrauch von 4.000
kWh ergibt sich aus der Differenz der Großhandelspreise eine rechnerische Entlastung von 94 Euro im Jahr. Ein Industriebetrieb mit 10.000 MWh Verbrauch sparte dem Modell zufolge rund 235.000 Euro. Netzentgelte und andere Kostenbestandteile des Strompreises berücksichtigt diese Rechnung allerdings nicht.
Deutlich verändert sich in dem Szenario ohne Photovoltaik auch die Erzeugungsstruktur. Rund 50 TWh fehlender Solarstrom würden laut Enervis durch zusätzliche fossile Stromerzeugung in Deutschland ersetzt, weitere rund 50 TWh durch zusätzliche Importe. Dafür wären 2025 rechnerisch knapp vier Milliarden Kubikmeter zusätzliches Gas und rund elf Millionen Tonnen Kohle erforderlich gewesen. Der modellierte Grünstromanteil würde von 63 auf 45 Prozent sinken, also um 18 Prozentpunkte.
Die Studie verweist zugleich auf eine Kehrseite hoher Solarproduktion: Ohne Photovoltaik träten im Modell rund 90 Prozent weniger negative Strompreise auf. Der BSW-Solar leitet daraus die Forderung ab, neben dem weiteren PV-Ausbau auch Speicher und andere Flexibilitätsoptionen stärker auszubauen.
Angesichts der Studienergebnisse warnt der Verband dennoch vor Einschnitten bei der anstehenden EEG-Novelle und dem geplanten Netzpaket, die den Solarzubau ab 2027 bremsen könnten. Aus seiner Sicht würden damit nicht nur Ausbauziele gefährdet, sondern auch ein preisdämpfender Faktor im Strommarkt geschwächt.
Die Ergebnisse sind als statischer Modellvergleich zu verstehen. Enervis hält den übrigen Kraftwerkspark in beiden Szenarien unverändert. Reaktionen auf dauerhaft höhere Preise, etwa Investitionen in andere Erzeugungstechnologien, werden nicht abgebildet. Solche Anpassungen wären nach Einschätzung der Studienautoren zu erwarten und könnten den errechneten Preiseffekt dämpfen. Netzbedingte und andere Abregelungen sowie weitere volkswirtschaftliche Effekte werden ebenfalls nicht berücksichtigt.
Die
Studie kann über die Internetseite von Enervis kostenlos angefordert werden.
(fw)