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Der Aktionsplan der Initiative Energien Speichern. Quelle: INES
Katia Meyer-Tien
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Donnerstag, 03.09.2026, 15:19 Uhr
Gas
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Ines legt Aktionsplan für Gasspeicherbefüllung vor
Versorgungssicherheit dürfe kein „marktwirtschaftliches Zufallsprodukt“ sein, heißt es vom Gasspeicherverband Ines, der jetzt einen „Aktionsplan Speichermarkt“ vorlegt. 
Einen knappen Monat vor Beginn der Heizperiode sind Deutschlands Gasspeicher mit etwa 54 Prozent ungewöhnlich gering befüllt. Dies zu ändern sei Aufgabe des Marktes, hieß es zuletzt dazu immer wieder aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Doch dafür stimmen die Rahmenbedingungen nicht, antwortet der Branchenverband Initiative Energien Speichern (INES) und legt dazu in einem „Aktionsplan Speichermarkt“ jetzt eine Rechnung sowie Lösungsvorschläge vor.

Demnach ergebe sich für die Speichernutzer – also Gashändler und -lieferanten, die Kapazitäten in den deutschen Speichern nutzen, um Gas zwischen Ankauf und Verkauf zu lagern – aktuell bei der Nutzung von Monatskontrakten ein Spread (Preisdifferenz) am Terminmarkt von Minus 0,01 EUR pro MWh. Für die Berechnung nutzt Ines Daten der EEX vom 2. September 2026. Würden ausschließlich variable Kosten der Speichernutzung beachtet, entstünden darüber hinaus Kosten von 3,13 EUR pro MWh, sodass Speichernutzer mit einem Verlust von 3,14 Euro/MWh rechnen müssten. „Das bedeutet, dass für die Speicherbefüllung auf Basis aktueller Marktpreissignale selbst bei bestehender Buchung kein wirtschaftlicher Anreiz besteht“, heißt es in dem Papier der Ines.

Für die Speicherbetreiber – die den Händlern und Lieferanten die Kapazitäten und Infrastrukturen zur Verfügung stellen, ohne selbst Gas zur Versorgung ein- oder verkaufen zu dürfen – sei der wirtschaftliche Rahmen derzeit dementsprechend ebenfalls ungünstig: „Die Zahlungsbereitschaft der Speichernutzer muss sowohl die variablen Speicherkosten als auch die fixen Betriebskosten mittel- bis langfristig decken, damit ein Gasspeicher von ihnen wirtschaftlich betrieben werden kann“, schreibt Ines. Nur wenn die Speichernutzung auch die fixen Betriebskosten decke, könnten die Betreiber entsprechend reinvestieren. „Da unter aktuellen Marktpreisen bereits die variablen Kosten der Speichernutzung nicht gedeckt werden (negativer Marktwert), können erst recht nicht die fixen Betriebskosten des Gasspeicherbetriebs aus der Nutzung refinanziert werden.“

Kosten senken, Anreize schaffen

Als kurzfristige Entlastungsmaßnahme fordert der Verband daher die Abschaffung der Konvertierungsumlage und der Netzentgelte an Speicheranschlusspunkten. Hinzu kommen könnten vergünstigte staatliche Kredite, beispielsweise über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), um die Finanzierungskosten des eingelagerten Gases zu reduzieren. So ließen sich die Kosten um 1,16 Euro/MWh senken.

Ergänzend schlägt Ines weitere Ausschreibungen von Long-Term-Options (LTO) im September vor. Über LTO fragt der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe (THE) im Auftrag der Fernleitungsnetzbetreiber garantierte Ausspeicherleistungen an bestimmten Netzpunkten nach. Nach Angaben des Verbands konnten Speichernutzer bei früheren regulären Ausschreibungen zusätzliche Umsätze von umgerechnet 3,5 Euro je MWh und bei Sonderausschreibungen von rund 9,7 Euro je MWh erzielen.

Die Wirkung des Instruments auf die gesamte Speicherbefüllung sei allerdings begrenzt. Nach Schätzung von Ines wurde mit den regulären und außerordentlichen LTO-Ausschreibungen 2026 bislang lediglich ein Speicherfüllstand von 8 bis 9 Prozent abgesichert. LTO dienten daher vor allem der Absicherung von Ausspeicherleistungen an Netzengpasspunkten und könnten nur Teil eines größeren Maßnahmenpakets sein.

Neuer Marktrahmen notwendig

Daher sieht der Verband über diese kurzfristigen Maßnahmen hinaus auch strukturellen Handlungsbedarf. Deutschland müsse zunächst festlegen, welches Niveau der Versorgungssicherheit erreicht werden soll, und darauf aufbauend einen Marktrahmen für Gasspeicher entwickeln. „Für eine verlässliche Gasversorgung in Deutschland brauchen wir im Winter gut gefüllte Gasspeicher. Deshalb müssen jetzt vermeidbare Kosten gesenkt und gezielt Anreize für zusätzliche Befüllung geschaffen werden“, lässt sich Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann zitieren: „Der Speichermarkt braucht Rahmenbedingungen, die verhindern, dass Versorgungssicherheit ein marktwirtschaftliches Zufallsprodukt ist.“

Als mögliche Modelle nennt der Verband einen finanziellen Ausgleich zwischen Marktwert und Kosten des Speicherbetriebs sowie Verpflichtungen für Marktakteure zur Speichernutzung. Ines verweist dabei auf Regelungen in anderen EU-Staaten. In den Niederlanden würden beispielsweise Boni für die Befüllung eingesetzt, Österreich setze auf Verpflichtungen. Frankreich und Italien kombinierten Elemente beider Ansätze.

Der „Aktionsplan Speichermarkt“ ist auf den Internetseiten der Ines abrufbar. (kmt)