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Umpsannwerk. Quelle: Katia Meyer-Tien
Susanne Harmsen
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Mittwoch, 02.09.2026, 13:54 Uhr
Stromnetz
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Angriff auf Strominfrastruktur alarmiert Verbände
Nach Sabotageanschlägen auf das Stromsystem in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen fordern Energieverbände mehr Schutz und Prävention für die kritische Infrastruktur.
Nach mehreren Anschlägen auf Strominfrastruktur in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen wächst der Druck auf Politik und Sicherheitsbehörden. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) fordern einen stärkeren Schutz kritischer Infrastrukturen (KRITIS).

Im brandenburgischen Turnow-Preilack hatten Unbekannte am 1. September versucht, an einem Umspannwerk nahe dem Kraftwerk Jänschwalde Kurzschlüsse in Höchstspannungsleitungen auszulösen. Nach Angaben von Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) gelang dies in zwei Fällen. Die Ermittler fanden zudem eine zweistellige Zahl weiterer Vorrichtungen. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Versorgung blieb stabil

Laut dem zuständigen Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz führte der Vorfall zu keinem Stromausfall. Das Unternehmen sprach von selbstgebauten Flugkörpern, mit denen leitfähiges Material in die Leitungen eingebracht worden sei. Das Landeskriminalamt Brandenburg ermittelt, Motiv und die Identität der Täter seien bislang offen.

Auch im Rheinischen Revier kam es am gleichen Abend zu einem Vorfall an einem Umspannwerk. Gegen 20 Uhr trat im Umfeld der Amprion-Umspannanlage Rommerskirchen eine Störung auf. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei Essen wurde sie vorsätzlich verursacht. Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion bestätigte den Vorfall und erklärte, die Ursache werde derzeit von der Polizei untersucht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sei von Fremdeinwirkung auszugehen.

Die Störung hatte Auswirkungen auf Kraftwerkszuleitungen. Nach Angaben von RWE Power AG gingen fünf Braunkohlekraftwerksblöcke im Rheinischen Revier mit einer Gesamtkapazität von rund 4.200 MW vom Netz. Zum Zeitpunkt des Vorfalls speisten die Anlagen rund 3.000 MW Leistung ein. Betroffen waren die Blöcke Neurath G und F sowie Niederaußem H, G und K. RWE zufolge sollten mehrere Anlagen bereits im Laufe des 2. September wieder ans Netz gehen. Die beiden verbleibenden Blöcke Niederaußem G und K mit zusammen rund 1.600 MW sollten voraussichtlich zum Wochenende folgen. Die allgemeine Stromversorgung blieb durchgehend gewährleistet. Amprion konnte fehlende Einspeisung aus anderen Bereichen des Netzes ausgleichen.

Besserer Schutz gefordert

Die BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae sieht in den Vorfällen einen weiteren Hinweis auf die Bedrohung der Energieinfrastruktur. Prävention und eine schnelle Gefahrenabwehr hätten deshalb eine Schlüsselrolle beim Schutz kritischer Infrastrukturen.

Der BDEW begrüßt, dass Transparenz- und Offenlegungspflichten für kritische Infrastruktur derzeit überprüft werden. Detaillierte Informationen und Pläne zu entsprechenden Anlagen dürften potenziellen Angreifern nicht frei zugänglich sein, sagt Andreae. Zudem müsse geprüft werden, wie Datenschutzvorgaben angepasst werden können, damit auch angrenzende öffentliche Bereiche rechtssicher per Kamera überwacht werden können.

Für einen zukunftsfesten KRITIS-Schutz seien nach Ansicht des BDEW außerdem klare Zuständigkeiten, vereinfachte Nachweise und weniger Bürokratie erforderlich. Andreae fordert zudem eine praxistaugliche Umsetzung des KRITIS-Dachgesetzes mit engem Informationsaustausch zwischen Sicherheitsbehörden und KRITIS-Betreibern, um ein möglichst genaues Lagebild zu erhalten.

Auch der VKU bewertet die jüngsten Vorfälle als Zeichen einer sich verschärfenden Bedrohungslage. Der Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing betont, Stadtwerke und kommunale Ver- und Entsorger setzten alles in ihrer Macht Stehende daran, ihre Infrastruktur zu schützen. Unternehmen könnten jedoch keine vollständige Sicherheit gewährleisten und seien keine Sicherheitsbehörden.

Bund und Länder sollen kooperieren

Die aktive Abwehr von Anschlägen sei Aufgabe von Polizei und Nachrichtendiensten, erklärte Liebing. Bund und Länder müssten deshalb gemeinsam mit den Betreibern schnell wirksame Schutzkonzepte entwickeln und deren Finanzierung sicherstellen. Der Staat dürfe seine Verantwortung für die öffentliche Sicherheit nicht auf die Unternehmen verlagern.

Nach Angaben der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber gibt es rund 300 große Umspannwerke auf Höchstspannungsebene sowie bundesweit Tausende weitere Umspannwerke und Trafostationen. Ein vollständiger physischer Schutz aller Anlagen ist nach Einschätzung von Netzbetreibern angesichts der großen Zahl und der weit verzweigten Netze nicht möglich.

Die jüngsten Ereignisse reihen sich in mehrere Angriffe und Sabotageversuche auf die Strominfrastruktur ein. Im September 2025 und Januar 2026 führten Brandanschläge auf Starkstromleitungen im Südwesten Berlins zu einem mehrtägigen Stromausfall. Im März 2024 hatte ein Brandanschlag auf einen Strommast bei Grünheide den Betrieb der dortigen Tesla-Fabrik für mehrere Tage unterbrochen. (sh)