Die Bundesnetzagentur hat am 1.
September die Entwürfe für die Szenariorahmen Strom sowie Gas und Wasserstoff zur öffentlichen Konsultation gestellt. Beide Entwürfe betrachten die Entwicklung des deutschen Energiesystems bis zum Zieljahr 2045 und sind inhaltlich aufeinander abgestimmt. Zugleich bleiben die beiden Szenariorahmen eigenständige Planungsverfahren.
„Die Netzbetreiber beider Sektoren haben ihre Annahmen bereits im Entwurf zusammengeführt. Das verzahnt die Planungsprozesse von Anfang an“, erklärte Behörden-Präsident Klaus Müller. Die Agentur erwartet nun Stellungnahmen von Zivilgesellschaft, Verbänden, Unternehmen und Behörden.
Der Szenariorahmen Strom bildet die Grundlage für den nächsten Netzentwicklungsplan Strom 2040/2045 (2027). Die vier Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz, Amprion, Tennet Germany und Transnet BW haben darin jeweils drei Entwicklungspfade für 2040 und 2045 entwickelt. Alle Szenarien orientieren sich am Ziel eines klimaneutralen Energiesystems im Jahr 2045. Für die europäische Entwicklung greifen die Netzbetreiber erneut auf das Szenario National Trends+ des europäischen Netzentwicklungsplans TYNDP zurück.
Stromverbrauch steigt weiterEine zentrale Veränderung gegenüber dem vergangenen Szenariorahmen betrifft den erwarteten Ausbau von Rechenzentren und Großbatteriespeichern. Die Übertragungsnetzbetreiber gehen davon aus, dass deren Ausbau weiter deutlich zunimmt. Dadurch steigen in allen Szenarien sowohl die angenommenen Leistungen als auch der Stromverbrauch.
Für 2045 erwarten die Netzbetreiber je nach Szenario einen Bruttostromverbrauch zwischen 992 und 1.208
Milliarden kWh pro Jahr. Photovoltaik bleibt in allen Entwicklungspfaden die Technologie mit der höchsten installierten Leistung. Bei der Stromerzeugung liegt Windenergie an Land vorn, gefolgt von Windenergie auf See.
Durch die vertiefte Zusammenarbeit mit den Verteilnetzbetreibern in den einzelnen Planungsregionen konnten auch die Prognosen für den Ausbau erneuerbarer Energien besser mit der Netzplanung verzahnt werden. Gleichzeitig fallen die Annahmen zum Ausbau von Elektrolyseuren niedriger aus als im vorherigen Szenariorahmen. In allen Szenarien gehen die Netzbetreiber deshalb von einer deutlichen Abhängigkeit Deutschlands von Wasserstoffimporten aus.
Auch methodisch haben die Netzbetreiber den Szenariorahmen verändert. Erstmals fließen Wetter- und Klimaprojektionen aus Klimamodellen statt eines historischen Wetterjahres in die Berechnungen ein. Damit sollen mögliche künftige klimatische Bedingungen und deren Auswirkungen auf Erzeugung, Verbrauch und Netzauslastung berücksichtigt werden.
Gemeinsames Szenario für Methan und H2Erstmals entwickelten die Übertragungsnetzbetreiber gemeinsam mit den Fernleitungsnetzbetreibern Gas und den Wasserstofftransportnetzbetreibern ein gemeinsames Szenario. Grundlage waren unter anderem eine gemeinsame Marktabfrage sowie eine Abfrage bei Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern zu künftigen Bedarfen.
Im Szenariorahmen Gas und Wasserstoff bleiben die Wasserstoffausspeisekapazitäten in den Szenarien 1 und 2 auf einem ähnlichen Niveau wie im vorherigen Szenariorahmen. Im dritten Szenario verändern sich die Annahmen stärker. Für 2040 und 2045 setzen die Netzbetreiber höhere Erdgas- und niedrigere Wasserstoffkapazitäten an als im Szenariorahmen 2025.
Für 2035 schlagen die Netzbetreiber erstmals neben einer Modellierungsvariante für Erdgas auch eine Variante für Wasserstoff vor. Diese orientiert sich laut Bundesnetzagentur stark an den gemeldeten Bedarfen. Zudem erhält Biomethan in der aktuellen Szenarienbildung eine größere Bedeutung als im vorherigen Szenariorahmen.
Die gemeinsame Betrachtung soll die Planung der unterschiedlichen Infrastrukturen stärker aufeinander abstimmen. Nach Angaben der Behörde bleibt es dennoch bei zwei selbstständigen Planungsverfahren.
Konsultation läuft bis 28. SeptemberDie Agentur berücksichtigt die Entwürfe der Netzbetreiber, die Ergebnisse der Konsultation und ihre eigene Bewertung bei der Genehmigung der Szenariorahmen. Der genehmigte Szenariorahmen bildet anschließend die verbindliche Grundlage für die Markt- und Netzberechnungen im Netzentwicklungsplan Strom 2040/2045 (2027).
Interessierte können bis zum 28. September 2026 Stellungnahmen zu den Entwürfen einreichen. Am 10. September 2026 findet zudem eine Online-Informationsveranstaltung statt.
Informationen zu den Netzentwicklungsplänen stehen im Internet bereit.
(sh)