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Windkraftreport Herbst 2026 Quelle: Wind Europe
Susanne Harmsen
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Dienstag, 01.09.2026, 09:10 Uhr
Europa
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Rekordjahr bei Windkraft erwartet
Europa hat im ersten Halbjahr 8.800 MW Windkraftleistung installiert. Der Branchenverband Wind Europe erwartet 24.000 MW bis Jahresende, sieht aber Risiken bei Genehmigungen und Netzen.
Europa hat den Ausbau der Windkraft im ersten Halbjahr 2026 deutlich beschleunigt. Nach Angaben des Branchenverbands Wind Europe wurden in den ersten sechs Monaten 8.800 MW neue Leistung installiert. Das entspricht einem Anstieg von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit steuert der Kontinent auf ein Rekordjahr beim Windkraftausbau zu.

Der Verband mit Sitz in Brüssel erwartet nach eigener Prognose, dass bis Ende 2026 insgesamt 24.000 MW neue Windkraftleistung in Europa ans Netz gehen. Die Anlagen aus dem ersten Halbjahr könnten laut Wind Europe rechnerisch rund sieben Millionen europäische Haushalte mit Strom versorgen und fossile Brennstoffimporte im Gegenwert von etwa 25 LNG-Tankern pro Jahr ersetzen.

Deutschland trug den Angaben zufolge mit 3.400 MW den größten Anteil am Zubau im ersten Halbjahr bei. Auch Dänemark, Polen, Portugal und Frankreich steigerten ihre Installationszahlen. In der Ukraine kamen trotz des anhaltenden Krieges mehr als 400 MW Windkraftleistung hinzu.

Mehr Ausschreibungen für Windparks

Auch bei den geplanten Projekten zeigt sich eine hohe Dynamik. Wind Europe zufolge investierten Unternehmen und Investoren im ersten Halbjahr 2026 rund neun Milliarden Euro in neue Windparks, die in den kommenden Jahren errichtet werden sollen. Gleichzeitig vergaben die europäischen Regierungen in Ausschreibungen Zuschläge für mehr als 17.000 MW Windkraftleistung.

Für das zweite Halbjahr planen die Staaten demnach weitere Ausschreibungen mit einem Gesamtvolumen von 26.000 MW. Laut Wind Europe wurde damit in Europa in einem Jahr noch nie zuvor eine größere Windkraftkapazität ausgeschrieben.
Der Verband rechnet inzwischen damit, dass Europa bis 2030 auf eine installierte Windkraftleistung von 436.000 MW kommt. Davon sollen 342.000 MW auf die Europäische Union (EU) entfallen. Diese Kapazität könnte nach der Prognose 27 Prozent des EU-Strombedarfs im Jahr 2030 decken.

Genehmigungen bleiben Engpass

Ob die Dynamik anhält, hängt nach Einschätzung von Wind Europe allerdings wesentlich von politischen Entscheidungen ab. Ein zentrales Problem sieht der Verband weiterhin bei den Genehmigungsverfahren. Deutschland habe gezeigt, welches Ausbauvolumen möglich sei, wenn die europäischen Vorgaben für Genehmigungen konsequent umgesetzt würden.

Deutschland genehmigte laut Wind Europe im ersten Halbjahr 2026 mehr als 9.000 MW neue Onshore-Windkraftleistung. Damit befinde sich das Land auf Kurs für ein weiteres Rekordjahr bei den Genehmigungen. In mehreren anderen wichtigen Märkten entwickelte sich die Lage dagegen anders. In Spanien, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Italien und Irland gingen die Genehmigungsvolumina zurück.

„2026 könnte durchaus ein Rekordjahr für die Windkraft werden. Doch wir dürfen diese Dynamik nicht als selbstverständlich betrachten“, sagte Tinne Van der Straeten, CEO von Wind Europe. Gerade mit Blick auf die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit Europas seien Genehmigungen, Ausschreibungen, Netze und Elektrifizierung entscheidend. Die Entscheidungen der Regierungen in den kommenden Monaten würden darüber bestimmen, ob die aktuelle Entwicklung anhalte.

Forderungen der Windbranche

Wind Europe fordert deshalb unter anderem eine endgültige Verabschiedung und Umsetzung der EU-Genehmigungsregeln. Zudem müsse die EU das geplante Netzpaket abschließen, den Ausbau der Stromnetze beschleunigen und die Wartelisten für Netzanschlüsse abbauen.

Weitere Forderungen betreffen die Verwendung von Einnahmen aus dem Emissionshandel für die industrielle Elektrifizierung sowie ein verbindliches EU-Ziel für erneuerbare Energien für 2040. Dadurch sollen Regierungen Ausbauvolumina planen und Unternehmen ihre Lieferketten darauf ausrichten können.

Beim Design von Ausschreibungen plädiert Wind Europe für zweiseitige Differenzverträge (Contracts for Difference, CfD). Diese könnten laut Verband Investitionen in größere Windkraftprojekte erleichtern, weil sie die Kapitalkosten senkten und damit die Finanzierung absicherten. (sh)