160 Wissenschaftler und Umweltexperten fordern, neue Öl- und Gasförderung in der britischen Nordsee an verbindliche Vorgaben zur CO2-Speicherung zu knüpfen.
Ein offener Brief von 160 Wissenschaftlern, Vertretern der Zivilgesellschaft und Umweltexperten fordert die britische Regierung auf, die Genehmigungen für die Öl- und Gasfelder Rosebank und Jackdaw in der Nordsee an verbindliche Vorgaben zur geologischen CO2-Speicherung zu knüpfen. Initiiert wurde das Schreiben von Wissenschaftlern der University of Oxford, des Imperial College London und des University College London. Die Unterzeichner befürworten die Projekte nicht grundsätzlich, sondern formulieren Bedingungen, unter denen die weitere Förderung mit dem gesetzlichen britischen Ziel der Klimaneutralität bis 2050 vereinbar wäre.
Kern des Vorschlags ist eine verpflichtende CO2-Speicherung für Öl- und Gasproduzenten: Für jede geförderte Menge fossiler Brennstoffe müsste eine entsprechende Menge CO2 abgeschieden, aus der Atmosphäre entfernt und dauerhaft in geologischen Formationen gespeichert werden. Die Autoren argumentieren, dass trotz des notwendigen schnellen Rückgangs der fossilen Energienachfrage Öl und Gas in schwer vermeidbaren Anwendungsbereichen noch Jahrzehnte benötigt werden könnten. Um zusätzliche Klimaemissionen zu verhindern, müsse deshalb die dauerhafte geologische Speicherung zum Bestandteil jeder Fördergenehmigung werden.
Eine schrittweise steigende Speicherpflicht könnte nach Ansicht der Unterzeichner zudem private Investitionen in CO2-Abscheidung, -Transport und -Speicherung (CCS) sowie CO2-Entnahme (CDR) mobilisieren. Indem die Kosten für die CO2-Entsorgung den Produzenten auferlegt würden, ließen sich staatliche Subventionen für CCS-Infrastruktur reduzieren. Frei werdende Mittel könnten etwa in Gebäudesanierung und erneuerbare Energien fließen.
Die britische Nordsee verfügt laut den Autoren über deutlich mehr geologische CO2-Speicherkapazität als für die heimischen Emissionen erforderlich wäre. Daraus könnte langfristig ein Geschäftsmodell für die Speicherung von CO2 aus Kontinentaleuropa entstehen. Eine verpflichtende Speicherquote könnte damit zu einem internationalen Modell für den Umgang mit verbleibender fossiler Förderung auf dem Weg zur Klimaneutralität werden. (sir)