Die HHL Leipzig Graduate School of Management sieht Europas Batterierecycling wirtschaftlich unter Druck. Vor allem Transport und Demontage sind teuer.
Die Rückgewinnung von Rohstoffen aus ausgedienten Elektrofahrzeugbatterien ist technisch ausgereift, für Recyclingunternehmen aber häufig noch nicht wirtschaftlich. Zu diesem Ergebnis kommt ein Zwischenbericht der HHL Leipzig Graduate School of Management. Die private universitäre Wirtschaftshochschule mit Sitz in Leipzig untersucht im EU-Forschungsprojekt „SAFELOOP“ die wirtschaftlichen Bedingungen einer Batterie-Kreislaufwirtschaft.
Nach Berechnungen des Forschungsteams entsteht einem Recyclingbetrieb derzeit ein Verlust von rund 1,90 Euro je Kilogramm Batteriepack, wenn er die zurückgewonnenen Rohstoffe zu Marktpreisen verkauft. Ein wesentlicher Grund dafür sind laut HHL die Transportkosten: Ausgebaute Lithium-Ionen-Batterien gelten als Gefahrgut. Ihr Transport kostet im Durchschnitt das 16-Fache einer normalen Fracht. Zudem wirtschaften reine Batterierecycler der Untersuchung zufolge schlechter als breiter aufgestellte Unternehmen.
Die Kosten könnten künftig stärker ins Gewicht fallen, erklären die Forschenden. Nach der EU-Batterieverordnung müssen ab August 2031 bestimmte Mindestanteile der in neuen Fahrzeug-, Industrie- und Starterbatterien eingesetzten Rohstoffe aus Recycling stammen. Die HHL hat modellhaft berechnet, welche Folgen das haben könnte. Bei einem angenommenen Recyclinganteil von 20 Prozent und einer vollständigen Weitergabe der heutigen Recyclingverluste würde sich ein Batteriepack demnach um rund 6 Prozent verteuern.
Zweites Leben erhöht den Batteriewert
Wirtschaftliches Potenzial sieht das Forschungsteam in der Weiternutzung ausgedienter Fahrzeugbatterien. Wird etwa der Akku eines Elektrobusses anschließend als stationärer Stromspeicher eingesetzt, steigt sein wirtschaftlicher Gesamtwert über die Nutzungsdauer laut Untersuchung um 64 Prozent. Von diesem zusätzlichen Wert profitieren jedoch vor allem Fahrzeug- und Speicherbetreiber. Hersteller, die höhere Kosten für die Kreislaufführung tragen, erhalten dagegen nicht automatisch einen entsprechenden Anteil.
Auch Second-Life-Batterien stoßen auf Hürden. Acht Expertengespräche verweisen laut HHL unter anderem auf Kosten, Sicherheitsbedenken und die Risikoeinschätzung von Investoren. Zudem müssen unter anderem verlässliche Daten zum Batteriezustand und langfristige Garantien vorliegen.
Forscher sehen deutliches Einsparpotenzial
Der Zwischenbericht nennt mehrere Ansätze, um das Recycling wirtschaftlicher zu machen. Dazu gehören sicherere Batteriedesigns, kürzere Transportwege, eine stärker automatisierte Demontage, spezialisierte Recyclingbetriebe und verbindliche Transportstandards. Zusammen könnten diese Maßnahmen die Recyclingkosten nach Berechnungen der HHL um rund 34 Prozent senken. Aus dem heutigen Verlust von 1,90 Euro je Kilogramm Batteriepack könnte damit ein Gewinn von 13 Cent werden.
Das Forschungsteam sieht darüber hinaus ein Verteilungsproblem zwischen Herstellern, Betreibern und Recyclingunternehmen. Es schlägt deshalb neue Koordinationsakteure vor, die Batteriepacks über mehrere Lebensphasen hinweg verwalten und Kosten sowie Erlöse zwischen den Beteiligten verteilen.
Studienleiter Dima Smirnov, Postdoktorand am Lehrstuhl für Innovationsmanagement und Entrepreneurship der HHL, hält daher neben besseren technischen Prozessen auch neue Geschäftsmodelle für nötig. Sie sollen nach seiner Einschätzung dazu beitragen, die Kreislaufwirtschaft für die beteiligten Unternehmen wirtschaftlich tragfähig zu machen.
„SAFELOOP“ wird von der Europäischen Union gefördert. An dem 2024 gestarteten, auf 36 Monate angelegten Projekt beteiligen sich 15 Institutionen aus elf Ländern. Das Budget liegt laut HHL bei rund 4,7 Millionen Euro. (ds)