Die Stadtwerke München erweitern das Isarwerk 1 um eine Kaplan-Turbine. Sie soll die Stromerzeugung um 10 Prozent erhöhen und die historische Anlage entlasten.
Die Stadtwerke München (SWM) wollen das Wasserkraftwerk Isarwerk 1 um eine vierte Turbine erweitern. Geplant ist eine doppelt regulierte Kaplan-Turbine mit einer Leistung von rund 1 MW. Sie soll jährlich zusätzlich rund 1,8 Millionen kWh Strom aus Wasserkraft erzeugen. Die SWM erwarten dadurch eine um mehr als 10 Prozent höhere Energieausbeute der Gesamtanlage.
Das Isarwerk 1 liegt rund 1,8 km unterhalb der Wehranlage Großhesselohe und gehört zu den historischen Wasserkraftwerken der SWM. Drei Doppelzwillings-Francis-Turbinen aus den Jahren 1907 und 1915 erzeugen dort bislang im Durchschnitt rund 15 Millionen kWh Strom pro Jahr. Damit deckt das Kraftwerk rechnerisch den Jahresbedarf von etwa 6.000 Haushalten.
Die neue Kaplan-Turbine soll im bislang ungenutzten Leerschuss des Kraftwerks entstehen. Nach Angaben der SWM erreicht sie insbesondere bei Teillast einen höheren Wirkungsgrad als die bestehenden Francis-Turbinen. Sie soll künftig einen größeren Teil der Regelarbeit übernehmen. Dadurch können die historischen Maschinen häufiger in einem für sie günstigeren Betriebsbereich laufen.
Mehr Strom und Ersatz für Reparaturen
„Durch die zusätzliche vierte Turbine kann das Isarwerk 1 mehr Wasser zur Stromerzeugung nutzen und so das vorhandene Potenzial besser ausschöpfen“, sagt Helge-Uve Braun, Technischer Geschäftsführer der SWM. Gleichzeitig entlaste die neue Maschine die historischen Turbinen speziell bei Teillast. Das erhöhe die Energieausbeute, die Betriebs- und Versorgungssicherheit und reduziere den Verschleiß, so Braun.
Die zusätzliche Erzeugung entspricht laut SWM dem Jahresverbrauch von etwa 700 Münchner Haushalten. Zugleich soll die vierte Turbine Erzeugungsausfälle während längerer Revisionen der bestehenden Maschinen und bei anderen Instandhaltungsarbeiten verringern. Das Unternehmen will zunehmend Strom erneuerbar produzieren. Da Möglichkeiten für neue Anlagen im Stadtgebiet begrenzt sind, wolle das Unternehmen bestehende Anlagen effizienter nutzen.
Denkmalschutz bleibt gewahrt
Die SWM wollen die neue Technik so in den Bestand integrieren, dass die historische Bausubstanz und die denkmalgeschützten Anlagen möglichst geschont werden. Die Anlagentechnik, darunter die Schaltschränke, soll in einem Neubau über dem bisherigen Leerschuss untergebracht werden. Dieser soll sich nach Angaben der SWM in das bestehende Gebäudeensemble einfügen.
Das Maschinenhaus entstand zwischen 1906 und 1908 nach einem Entwurf des Architekten August Blößner. Der dreigeschossige Bau mit Walmdach und abgerundeten Ecken steht für die frühe Nutzung der Wasserkraft an der Isar. Die drei bestehenden Turbinen erzeugen dort seit ihrem Bau 1907 und 1915 weitgehend ohne Unterbrechung Strom.
Neue Fischpassage geplant
Mit der Modernisierung verbinden die SWM die technische Optimierung mit Maßnahmen für den Gewässerschutz. So soll der Abstand der Stäbe an den Turbineneinlaufrechen verringert werden. Dadurch wollen die SWM den Fischschutz verbessern. Zusätzlich soll eine Ableitung von Fischen zu einer Fischpassage ins Unterwasser entstehen.
Nach Angaben der SWM stärkt dies auch das Sekundärhabitat im Werkkanal. Dabei handelt es sich um einen Rückzugsraum für Wasserlebewesen, der insbesondere bei niedrigen Wasserständen und Trockenperioden Bedeutung hat.
Umbau ab 2027 geplant
Für das Vorhaben liegen laut SWM inzwischen alle erforderlichen Genehmigungen vor. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben während der Planung eng mit den zuständigen Behörden zusammengearbeitet, darunter der Unteren Denkmalschutzbehörde.
Der konkrete Baubeginn hängt unter anderem vom Verlauf der Vergabeverfahren, den Lieferzeiten wichtiger Komponenten sowie betrieblichen und naturschutzfachlichen Bedingungen ab. Die SWM planen die Umsetzung für 2027 oder spätestens 2028. Die Umbauarbeiten sollen voraussichtlich rund eineinhalb Jahre dauern. (sh)