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Susanne Harmsen
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Dienstag, 25.08.2026, 12:05 Uhr
Klimaschutz
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CO2-Zertifikate setzen Stadtwerke unter Druck
Laut einem Partner der Agentur Simon-Kucher benachteiligt das Auktionsdesign des nationalen CO2-Handels kommunale Energieversorger. Die BEHG-Novelle löse die Beschaffungsrisiken nicht.
Millionenkredite, hohe Sicherheitsleistungen und ein schwieriger Zugang zu CO2-Zertifikaten setzen kommunale Energieversorger nach Einschätzung der Strategieberatung Simon-Kucher unter Druck. Senior Partner Thomas Haller bei Simon-Kucher in Wien, sieht die Ursache vor allem im Marktdesign des nationalen Emissionshandelssystems (nEHS).

Haller kritisiert, dass Stadtwerke trotz ihrer Verpflichtung zur Abgabe von Zertifikaten nicht ausreichend am Primärmarkt zum Zuge kämen. Sie müssten deshalb einen Teil ihres Bedarfs über den Sekundärmarkt decken. Dort konkurrierten sie mit finanzstarken Akteuren, die Zertifikate auch aus Gründen der Marktpositionierung oder für Handelsgeschäfte erwerben könnten.

Sicherheitsleistungen binden Liquidität

Nach Darstellung Hallers verschärfen hohe Sicherheitsleistungen und die damit verbundene Liquiditätsbindung die Situation. Kommunale Energieversorger müssten erhebliche Mittel vorhalten, könnten damit aber nicht automatisch die benötigten Zertifikatsmengen sichern. Die Beschaffung auf dem Sekundärmarkt erhöhe zudem das Risiko, Zertifikate zu höheren Preisen als ursprünglich kalkuliert einkaufen zu müssen.

Haller vergleicht die Situation mit dem Weiterverkauf stark nachgefragter Konzerttickets. Finanzinvestoren und andere Marktakteure könnten Zertifikate erwerben und später weiterverkaufen. Für Stadtwerke entstehe dadurch ein zusätzlicher Beschaffungs- und Liquiditätsdruck.

Auch die geplante Novelle des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) ändere daran nach Einschätzung des Energieexperten wenig. Der vom Bundeskabinett beschlossene Gesetzentwurf sieht für 2027 einen CO2-Preis innerhalb eines Korridors von 55 bis 65 Euro vor. Damit werde zwar der Preisrahmen stabilisiert, nicht aber der Zugang zu den benötigten Zertifikaten sichergestellt.

„Nicht der CO2-Preis ist das Problem, sondern ein Marktdesign, das Preisstabilität verspricht, aber Beschaffungsrisiken in die Stadtwerke verlagert“, argumentiert Haller. Ein wirksames CO2-Preissignal bleibe aus seiner Sicht wichtig. Ein Preiskorridor allein reiche jedoch nicht aus, um kommunalen Energieversorgern Planungssicherheit zu geben.

Auktionsdesign ändern

Haller fordert deshalb Anpassungen beim Auktionsdesign. Unternehmen mit einer tatsächlichen Liefer- und Abgabeverpflichtung sollten gegenüber finanzstarken Marktteilnehmern nicht benachteiligt werden. Dafür müssten insbesondere die Regeln für Sicherheitsleistungen und Besicherung überprüft werden. Zudem sollten Zugangshürden für verpflichtete Marktteilnehmer sinken und die Risiken auf dem Sekundärmarkt begrenzt werden.

Ziel müsse sein, dass Stadtwerke die für die Erfüllung ihrer gesetzlichen Verpflichtungen benötigten Zertifikate rechtzeitig, vollständig und mit möglichst geringer Liquiditätsbelastung beschaffen können. Andernfalls entwickele sich der CO2-Aufschlag aus Sicht Hallers von einer administrativ geprägten Kostenposition zu einem stärker marktabhängigen Risiko.

Neben der Politik sieht der Energieexperte auch die Stadtwerke selbst in der Verantwortung. CO2 entwickele sich vom reinen Compliance-Thema zu einer aktiven Portfolio- und Risikoposition. Energieversorger sollten CO2 deshalb ähnlich wie andere Commodity-Positionen steuern. Dazu gehörten eine definierte Beschaffungsstrategie, Pricing-Regeln, vertragliche Absicherung und eine angemessene Risikoprämie.

CO2-Kosten werden zur Geschäftsführungsaufgabe

Auch die Kundenkommunikation müsse sich verändern. Ein pauschaler Verweis auf gesetzlich bedingte Kosten reiche künftig nicht mehr aus. Stattdessen sollten Stadtwerke die CO2-Risiken mit konkreten Angeboten verbinden. Haller nennt unter anderem Maßnahmen zur Energieeffizienz, Wärmelösungen, Ladeinfrastruktur, Grünstrom und Power Purchase Agreements (PPA), Speicher sowie Energiemanagement.

Den größten wirtschaftlichen Hebel sieht Haller damit nicht allein in der Weitergabe steigender CO2-Kosten. Entscheidend sei vielmehr, CO2-Risiken in konkrete Kundenlösungen und belastbare Vertragsmodelle zu übersetzen. Damit könnten Stadtwerke ihre Kunden bei der Reduzierung des Energieverbrauchs und der damit verbundenen CO2-Kosten unterstützen.

Die Steuerung dürfe zudem nicht bei einzelnen Fachabteilungen liegen. Haller sieht CO2 inzwischen als Aufgabe der Geschäftsführung. Geschäftsführungen sollten festlegen, welche CO2-Risiken sie selbst übernehmen, welche sie absichern und welche sie transparent an Kunden weitergeben. Damit werde die CO2-Beschaffung zu einem Bestandteil der übergreifenden Unternehmens- und Risikosteuerung. (sh)