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Quelle: RWE
Ralf Köpke
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Sonntag, 26.07.2026, 04:25 Uhr
E&M Vor 20 Jahren
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Milliarden für konventionelle Kraftwerke
Vor 20 Jahren klammerte sich RWE an die Kernenergie und ging damit auf Konfrontationskurs zu Bundesumweltminister Sigmar Gabriel.
Der Essener Energiekonzern forderte im Sommer 2006 mit seinem Festhalten am Atomkraftwerk Biblis den Bundesumweltminister heraus. Gleichzeitig stellte RWE seine Strompreisgestaltung und seine weiteren Investitionen für den Netzausbau unter Vorbehalt der Genehmigungsbescheide der Bundesnetzagentur. Der ehemalige E&M-Chefreporter Ralf Köpke berichtet damals über die Halbjahreszahlen aus Essen.

Bei Vorstellung der Halbjahresbilanz kündigte Vorstandschef Harry Roels an, noch „in diesem Sommer“ einen Antrag für die Laufzeitverlängerung des Atomkraftwerkes Biblis A zu stellen. Dafür will der Essener Energiekonzern die Strommengen von einem anderen, allerdings nicht genannten Nuklearmeiler übertragen. „Wir werden den Antrag stellen, weil wir für Biblis kämpfen möchten“, so Roels, der wortreich für die weitere Nutzung der Atomtechnik warb.

Gleichzeitig erklärte der Niederländer, RWE habe begonnen, Projekte für neue Atomkraftwerke im Ausland zu prüfen. „Das ist zwar Zukunftsmusik“, sagte Roels, „wir tun dies auch, um international nicht den Anschluss bei dieser Technologie zu verlieren.“

Das Vorgehen von RWE ist keine Überraschung. Einen Antrag für die Laufzeitverlängerung von Deutschlands ältestem Reaktor hatte das RWE-Management bereits auf der diesjährigen Bilanzpressekonferenz Ende Februar angekündigt.

Dass die Essener damit bei Bundesumweltminister Sigmar Gabriel auf Widerstand stoßen, ist absehbar. Anfang August hatte der SPD-Politiker nach einer Kabinettssitzung, auf der die Sicherheit der deutschen Atomkraftwerke nach dem jüngsten Störfall im schwedischen Meiler Forsmark auf der Tagesordnung stand, den heimischen Kraftwerksbetreibern eindringlich empfohlen, ältere Atomkraftwerke möglichst früh abzuschalten und stattdessen im Rahmen des Atomausstiegskompromisses eher die Laufzeiten neuerer Anlagen zu verlängern. „Das würde einen Beitrag zur Sicherheit von Atomkraftwerken leisten“, so der Umweltminister.

„RWE ist der größte private Einzelinvestor“

Allein schon, um sein politisches Standing nicht zu gefährden, dürfte Gabriel auch künftig auf dem unter Rot-Grün vereinbarten Atomausstieg beharren. Dass es in der Union, Partner der Sozialdemokraten in der großen Koalition, und vor allem bei Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) durchaus Sympathien für eine Laufzeitverlängerung gibt, ist bekannt. Beobachter sind deshalb auf die Reaktionen des Bundeskanzleramtes nach Eintreffen des RWE-Antrages gespannt.

Der Blick in die Bilanzzahlen zeigt, dass der bundesweit größte deutsche Stromerzeuger vor allem dank guter Geschäfte im Energiebereich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gut verdient hat. So legte RWE beim betrieblichen Ergebnis kräftig um 19 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro zu. Das Nettoergebnis erhöhte sich um 16 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro, während der Umsatz mit rund 24 Milliarden Euro um 17 Prozent über dem Vorjahreswert lag. Weiter abbauen konnte der RWE-Konzern seine Schulden, die nunmehr bei 9,5 Milliarden Euro liegen.

Während Vorstandschef Roels beim betrieblichen Ergebnis für das Gesamtjahr ein Plus in der Größenordnung von fünf bis zehn Prozent ankündigte, tat er sich schwer beim Nettoergebnis: „Diese Prognose steht unter dem Vorbehalt, wie sich die möglichen Kürzungen für die Netznutzungsgebühren auswirken.“ Derzeit rechne der RWE-Vorstand mit einem Ergebnisanstieg „am unteren Rand des Korridors von zehn bis zwanzig Prozent“.

Noch schmallippiger zeigte sich die gesamte RWE-Führungscrew bei der Frage, wieweit der Versorger die Strompreise für das kommende Jahr erhöhen will. Um die gesetzlich vorgeschriebene Frist für Tarifkunden zu wahren, wird RWE einen entsprechenden Antrag kommende Woche bei der Preisaufsichtsbehörde im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium einreichen. Konzernvorstand Berthold Bonekamp: „Da wir noch nicht wissen, wie die weiteren Bescheide der Bundesnetznetzagentur ausfallen, können wir über die Höhe der Preissteigerung noch nichts sagen.“ Mit Verweis auf ausstehende Entscheidungen der Bonner Behörde machte der RWE-Vorstand auch keine Angaben zu Gaspreissteigerungen.

Unter dem Vorbehalt, welche Einschnitte bei den Netznutzungsgebühren Matthias Kurth und seine Mannen dem RWE abverlangen, stehen beim Essener Energiekonzern die künftigen Investitionen in die Netze. Vorerst sind bis zum Jahr 2012 rund 5,8 Milliarden Euro vorgesehen. Daneben sind im gleichen Zeitraum 4,2 Milliarden Euro Investitionen für konventionelle Kraftwerke sowie 1 Milliarde Euro für den Aufschluss neuer Braunkohletagebaugebiete einkalkuliert. „Mit der Gesamtsumme von elf Milliarden Euro sind wir bundesweit der größte private Einzelinvestor“, so Harry Roels.

Für die geplanten neuen Kraftwerke machte das zuständige Vorstandsmitglied Jan Zilius zwei Ankündigungen: Am 23. August wird Bundeskanzlerin Angela Merkel den Grundstein für das neue 2.100-MW-Braunkohlekraftwerk in Grevenbroich-Neurath legen. Im kommenden Jahr will RWE Power die Genehmigung für den 1.500-MW-Steinkohle-Doppelblock im westfälischen Hamm beantragen. Mit der Inbetriebnahme rechnet Zilius im Jahr 2011.