Die Stadtwerke Halle sehen bis 2034 einen zusätzlichen Investitionsbedarf von rund 1,2 Milliarden Euro.
Trotz eines Rückgangs des Konzernjahresüberschusses von 21,0 Millionen auf 13,9 Millionen Euro bewertet die Geschäftsführung der Stadtwerke Halle das Ergebnis positiv. Es habe die eigene Planung von 5 Millionen Euro deutlich übertroffen. Als Gründe nennt der Lagebericht insbesondere „Ergebnis- und Effizienzsteigerungsmaßnahmen“ sowie das „konsequente Nutzen sich bietender Chancen“.
Die Stadtwerke Halle (SWH) stellen sich auf umfangreiche Investitionen in die Energie-, Wärme- und Mobilitätswende ein. Nach Angaben des Unternehmens entsteht bis 2034 ein zusätzlicher Investitionsbedarf von rund 1,2 Milliarden Euro. Den größten Anteil daran haben Energie- und Mobilitätsprojekte mit 666 Millionen Euro, gefolgt von Investitionen in die Wasser- und Abwasserinfrastruktur sowie in die IT.
Der hohe Investitionsbedarf spiegelt sich bereits in der Bilanz wider. Das Anlagevermögen des Konzerns erhöhte sich zum Jahresende 2025 auf 1,456 Milliarden Euro nach 1,412 Milliarden Euro im Vorjahr. Den größten Anteil daran haben Sachanlagen im Wert von 1,311 Milliarden Euro. Rund 990 Millionen Euro entfallen auf technische Anlagen und Maschinen. Hierzu zählen insbesondere die Strom-, Gas- und Fernwärmenetze sowie weitere Anlagen der Ver- und Entsorgungsinfrastruktur.
Zur Finanzierung der Investitionen setzt die Unternehmensgruppe auf mehrere Instrumente. Neben Gewinnthesaurierungen, Fördermitteln und klassischen Kreditaufnahmen bildet ein eigenkapitalersetzendes Darlehen der Stadt Halle über insgesamt 104 Millionen Euro einen zentralen Baustein. Darüber hinaus wurden 2025 Schuldscheindarlehen und Namensschuldverschreibungen im Umfang von 85 Millionen Euro erfolgreich am Kapitalmarkt platziert. Nach Unternehmensangaben beteiligten sich daran neben deutschen auch internationale Investoren.
Programm zur Integration von Langzeitarbeitslosen fortgeführt
Ein Schwerpunkt der Investitionen liegt auf dem Aus- und Umbau der Energienetze. Das Fernwärmenetz wird vor allem in der Südstadt erweitert und verdichtet. Mit dem Bau der Transporttrasse „Riebecklink“ wurde zudem ein weiterer Schritt zur Erschließung neuer Versorgungsgebiete eingeleitet. Gleichzeitig rechnet der Versorger bis 2045 mit mindestens einer Verdopplung des Leistungsbedarfs in der Stadt.
Ausschlaggebend seien unter anderem der zunehmende Einsatz von Wärmepumpen, der Ausbau der Elektromobilität sowie die steigende Einspeisung aus Photovoltaikanlagen. Deshalb werde das Stromnetz weiter digitalisiert und ausgebaut. Zur Erhöhung der Versorgungssicherheit seien 2025 zusätzliche Mittel- und Niederspannungskabel verlegt worden. Gleichzeitig will das Unternehmen Optionen für die schrittweise Dekarbonisierung des Gasnetzes bewerten.
Die kommunale Wärmeplanung wurde vom Stadtrat im Frühjahr 2026 beschlossen. Sie sieht einen weiteren Ausbau der Fernwärme, die Erschließung klimaneutraler Wärmequellen sowie individuelle Lösungen dort vor, wo Fernwärme wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. Nach Angaben der Stadtwerke entstand der Wärmeplan gemeinsam mit 33 Partnern der Energie-Initiative Halle.
Demografischer Wandel
Auch der demografische Wandel prägt die Unternehmensstrategie. Rund 30 Prozent der derzeit etwa 3.300 Beschäftigten werden nach Angaben der Stadtwerke innerhalb der kommenden zehn Jahre altersbedingt ausscheiden. Deshalb werden Recruiting und Ausbildung ausgebaut. Die Zahl der Bewerbungen für Ausbildungsplätze und duale Studiengänge stieg von 502 im Jahr 2022 auf 2.559 im Jahr 2025. Ergänzend setzt das Unternehmen sein Programm zur Integration Langzeitarbeitsloser fort, aus dem in fünf Projektrunden mit 158 Personen seit 2018 insgesamt 22 dauerhafte Beschäftigungsverhältnisse hervorgegangen sind.
Die Gewinn- und Verlustrechnung weist für das Geschäftsjahr 2025 Umsatzerlöse von 953,1 Millionen Euro aus, nach 896,8 Millionen Euro im Vorjahr. Das Ergebnis nach Steuern beträgt 15,35 Millionen Euro (2024: 22,48 Millionen Euro). Nach Abzug der sonstigen Steuern verbleibt ein Konzernjahresüberschuss von 13,86 Millionen Euro, nach 21,04 Millionen Euro im Vorjahr. (fw)