Deutschland verfügt inzwischen über mehr als 200.000 öffentliche Ladepunkte. Der BDEW sieht die Infrastruktur dem Fahrzeugbestand deutlich voraus und fordert stärkere Kaufanreize.
Mit Bayern startet am 3. August auch das letzte der deutschen Bundesländer in die Sommerferien. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) nimmt das zum Anlass, ein Zwischenfazit zum Ausbau der Ladeinfrastruktur zu ziehen: Insgesamt 204.078 öffentlich zugängliche Ladepunkte gebe es mittlerweile, berichtet der Verband unter Berufung auf Zahlen der Bundesnetzagentur in einer aktuellen Mitteilung.
Gegenüber Juni 2025 entspreche das einem Zuwachs von 16 Prozent. Rund 26 Prozent der Ladepunkte sind Schnelllader, insbesondere das Angebot an Ultraschnellladern mit mindestens 150 kW sei deutlich gewachsen. Deutschland erfülle damit die Vorgaben der Europäischen Union zum Ausbau der Ladeinfrastruktur deutlich. Für Nutzer von Elektrofahrzeugen sei der nächste öffentliche Ladepunkt im Durchschnitt innerhalb von fünf Minuten Fahrzeit erreichbar.
Den Ausbau der Ladeinfrastruktur tragen vor allem Unternehmen der Energiewirtschaft. Nach BDEW-Angaben werden mehr als 80 Prozent der öffentlichen Ladepunkte von Mitgliedsunternehmen des Verbandes betrieben. Weitere Anbieter sind unter anderem Parkhaus- und Parkplatzbetreiber, Supermärkte sowie Hotels.
Auslastung noch gering
Parallel wachse der Bestand an Elektroautos. Im Jahr 2025 wurden mehr als 545.000 batterieelektrische Pkw neu zugelassen. Das entsprach 19,1 Prozent aller Neuzulassungen. Zum 1. Januar 2026 waren damit erstmals mehr als zwei Millionen Elektroautos in Deutschland zugelassen (wir berichteten). Im ersten Halbjahr 2026 entfielen nach BDEW-Angaben bereits 24,8 Prozent beziehungsweise rund 368.000 der Pkw-Neuzulassungen auf Elektrofahrzeuge.
Trotz steigender Fahrzeugzahlen sieht der Verband keine Engpässe an öffentlichen Ladepunkten. Die durchschnittliche Auslastung der Ladeinfrastruktur liege weiterhin bei rund zwölf Prozent.
„Die Energie- und Ladebranche liefert: Seit Jahren investiert sie im Vertrauen auf stabile Rahmenbedingungen in den Ausbau des Ladeangebots und hat diese deutlich über den aktuellen Bedarf ausgebaut. Die über 200.000 öffentlichen Ladepunkte hierzulande sind ein sichtbares Zeichen. Für die Reise in den Sommerurlaub muss sich also niemand Sorgen über fehlende Ladepunkte machen“, lässt sich Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, zitieren.
Mit Blick auf den weiteren Hochlauf der Elektromobilität fordert der Verband eine stärkere Ausrichtung der politischen Rahmenbedingungen auf die Nachfrageseite. Erforderlich dafür sei eine nachhaltige und dauerhafte Förderung, sagt Andreae und verweist auf entsprechende Modelle in europäischen Nachbarstaaten. Zudem fordert der BDEW eine langfristig angelegte Elektromobilitätsstrategie sowie eine faire Ausgestaltung des EU-Automobilpakets. Die geplante Aufweichung der Flottengrenzwerte sieht der Verband kritisch. (kmt)