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Fritz Wilhelm
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Mittwoch, 22.07.2026, 11:15 Uhr
Stromspeicher
E&M News
Neue Anschlussvereinbarung von Westnetz für Speicher
Westnetz erweitert seine flexiblen Anschlussvereinbarungen auf Graustromspeicher an Standorten mit Wind- oder Solaranlagen.
Westnetz will den Anschluss von Batteriespeichern im Verteilnetz weiter beschleunigen. Der Verteilnetzbetreiber aus dem Eon-Konzern bietet dafür ab sofort eine flexible Anschlussvereinbarung für Graustromspeicher an, die gemeinsam mit einer Wind- oder Photovoltaikanlage an einem Standort betrieben werden. Mit einem solchen „Co-Located“-Konzept können vorhandene Netzkapazitäten besser genutzt und die Anschlüsse zusätzlicher Speicher ermöglicht werden.

Hintergrund der neuen Anschlussvereinbarung ist der unterschiedliche Betrieb von Batteriespeichern. Reine Grünstromspeicher an einem Wind- oder Solarpark werden ausschließlich mit dem dort erzeugten Strom geladen und verschieben dessen Einspeisung zeitlich. Graustromspeicher können dagegen zusätzlich Strom aus dem öffentlichen Netz aufnehmen. Dadurch entstehen weitere Lastfälle, die bei der Auslegung des Netzanschlusses berücksichtigt werden müssen.

Mit der neuen Vereinbarung ermöglicht Westnetz nun auch für solche Speicher einen gemeinsamen Netzanschluss mit einer Erneuerbare-Energien-Anlage. So könnten diese Graustromspeicher schneller als herkömmliche Graustromspeicher angeschlossen werden. Der Verteilnetzbetreiber knüpft damit an bereits eingeführte flexible Anschlussmodelle an.

Voraussetzung sind technische Vorgaben, die unter anderem die maximale Einspeiseleistung am Netzanschlusspunkt begrenzen und die Fahrweise des Speichers an die jeweilige Netzsituation anpassen. Dadurch sollen vorhandene Netzkapazitäten besser genutzt werden, ohne zusätzliche Engpässe zu verursachen. Demnach wird der Netzanschluss dauerhaft auf eine maximale Einspeiseleistung begrenzt. Die Summe der Einspeisung von Speicher und Erzeugungsanlage darf diesen Wert nicht überschreiten. Die Einhaltung soll ein Regler überwachen.

Anschlussanfragen über 116 GW bei Westnetz

Hinzu kommen Vorgaben für den Speicherbetrieb bei hoher Auslastung des Netzes. An Tagen mit einer hohen regionalen Wind- und Solarstromerzeugung wird die Einspeiseleistung des Batteriespeichers ab einem festgelegten Schwellenwert schrittweise reduziert. Grundlage hierfür sind Erzeugungsprognosen für Wind- und Photovoltaikanlagen in der jeweiligen Region. Nach Angaben von Westnetz sollen so regionale Netzengpässe vermieden und Redispatch-Maßnahmen verringert werden.

Innerhalb dieser technischen Rahmenbedingungen entscheiden die Anlagenbetreiber weiterhin selbst über die Fahrweise ihrer Anlagen. Sie legen unter anderem fest, wann Strom aus der Erzeugungsanlage eingespeist, wann Energie aus dem Batteriespeicher abgegeben und ob der Speicher mit lokal erzeugtem oder mit Netzstrom geladen wird.

Hintergrund der neuen Anschlussvereinbarung ist die stark gestiegene Nachfrage nach Netzanschlüssen für Batteriespeicher. Im Netzgebiet von Westnetz liegen nach Unternehmensangaben inzwischen Anschlussanfragen für Batteriespeicher mit einer Leistung von rund 116.000 MW vor. Dies entspricht fast dem Zehnfachen der im Jahr 2024 gemessenen Höchstlast des Netzes von rund 12.000 MW. Nach Angaben des Unternehmens wurden bereits Speicherprojekte mit einer Gesamtleistung positiv bewertet oder umgesetzt, die rechnerisch etwa der doppelten Spitzenlast Berlins entsprechen.

Rechtliche Grundlage für Co-Location-Ansätze sind die im vergangenen Jahr geschaffenen Möglichkeiten, Netzanschlüsse flexibler auszugestalten. Dabei muss die volle beantragte Anschlussleistung nicht dauerhaft bereitgestellt werden. Stattdessen wird standortbezogen ermittelt, welche Leistung unter Berücksichtigung der jeweiligen Betriebsweise der Anlagen tatsächlich zur Verfügung gestellt werden kann. Nach Darstellung von Westnetz sollen sich dadurch nicht nur bestehende Netzkapazitäten effizienter nutzen, sondern auch Netzausbaumaßnahmen teilweise vermeiden lassen. (fw)