Es ist die Zeit der Bilanzpressekonferenzen. Dies war im Juni vor 20 Jahren nicht anders. Und schon damals waren die Investitionen in die Netze ein wesentliches Thema, auch bei Eon.
Die Bundesnetzagentur war 2006 noch eine junge Behörde. Nach anfänglichen Vorbehalten wuchs ihre Akzeptanz. Professionelle Anerkennung kam von Seiten des damaligen Eon-Chefs Johannes Teyssen und das Versprechen, eng und vertrauensvoll zu kooperieren, wie der ehemalige stellvertretende E&M-Chefredakteur Jan Mühlstein anlässlich eines Termins mit Journalisten erfuhr.
Johannes Teyssen, Vorstandsvorsitzender der Eon Energie AG, erwartet „deutliche Absenkungen“ der Stromnetzentgelte der Regionalgesellschaften, erklärte er am 28. Juni bei der Jahrespressekonferenz seines Unternehmens in München. Weitergehende Spekulationen zu der anstehenden Entscheidung der Bundesnetzagentur lehnte Teyssen ab. Zu den Inhalten und möglichen Reaktionen würden sich die Eon Energie und ihre Tochtergesellschaften erst dann äußern können, wenn sie die noch ausstehenden Bescheide erhalten haben. Die sieben zum Konzern gehörenden Verteilnetz-Gesellschaften hätten im Durchschnitt aller Nutzergruppen geringere Netzentgelte beantragt, als sie bisher den Kunden in Rechnung gestellt wurden. Für das Eon-Transportnetz sehe der eingereichte Antrag eine leichte Erhöhung vor, die durch eine Kostenverschiebung aufgrund der neu geregelten Vergütung vermiedener Netznutzungsentgelte der dezentralen Einspeisung begründet sei.
Der Bundesnetzagentur bescheinigte Teyssen, sie arbeite hoch professionell und analysiere die Anträge der Energieunternehmen sehr detailliert. Bei den meisten Streit- und Diskussionspunkten gehe es um „spezifische Sachverhalte“ der einzelnen Netzgesellschaften. Es gäbe aber auch „eine Handvoll“ genereller Rechtsfragen, die von der Stromwirtschaft und der Netzbehörde unterschiedlich beurteilt würden. Bei einigen Fragen würden Gerichte entscheiden müssen, wie der Wille des Gesetzgebers in der Praxis angewendet werden solle. Man werde aber nicht jede Streitfrage durch alle Instanzen verfolgen, denn jahrelange Gerichtsauseinandersetzungen seien weder im Sinne der Netzkunden noch der Netzbetreiber. Eon Energie werde den öffentlich angekündigten Weg einer engen und vertrauensvollen Kooperation mit dem Regulierer nicht verlassen, unterstrich Teyssen.
Teilweise absurde Behauptungen
Die notwendige staatliche Aufsicht über den Monopolbereich der Netze dürfe aber nicht dazu führen, dass Investitionen unrentabel werden, warnte der Eon Energie-Chef. Diese hänge weniger von der anstehenden Erstgenehmigung der Entgelte ab, die auf die Bewertung der „alten“ Netze aufbaut, sondern mehr von der Ausgestaltung der künftigen Anreizregulierung ab. Dafür habe das Unternehmen konstruktive Vorschläge gemacht und werde sich im Interesse der Kunden, der nachhaltigen Versorgungsqualität, der Investitionen und Arbeitsplätze in Deutschland intensiv am öffentlichen Diskurs beteiligen.
Ausführlich ging Teyssen auf die öffentliche Preisdiskussion ein, bei der es manchmal „gravierende Missverständnisse hinsichtlich der Preisbildung im Strom- und Gasmarkt“ gäbe und „mit teilweise absurd anmutenden Behauptungen“ populistisch Preissenkungen verlangt würden. Die „turbulente Achterbahnfahrt“ der Preise an den Strombörsen und insbesondere das Auf und Ab der CO2-Preise sowie der „manchmal fahrlässige Umgang“ von EU-Staaten mit Informationen hätten Marktteilnehmer verunsichert. Den Anfang Mai erfolgten Preissturz – das Jahresband 2007 habe sich um fast 13 Euro/MWh beziehungsweise rund 21 Prozent verbilligt – habe Eon Sales & Trading zu einer Verkaufsoffensive genutzt. Allein im Mai habe man der Industrie, den Weiterverteilern und Händlern 6 500 GWh Strom für die kommenden Lieferjahre verkauft, was ein Vielfaches im Vergleich zum Vorjahresmonat sei.
Haushaltskunden würden nicht unmittelbar von dem Preistief profitieren, da sie auch nicht durch Spitzenpreise belastet wurden. Für sie gelten die mit staatlichen Aufsichtsbehörden abgestimmten Tarife, die aus rollierenden durchschnittlichen Preisen im Terminmarkt innerhalb eines Zeitraums von gut einem Jahr bestimmt werden, erklärte Teyssen. „Dem Vertrauensverlust in die Preisbildung begegnen wir mit einer breiten Transparenzkampagne“, so der Eon-Manager. Zurückhaltung kündigte er auch beim Gasgeschäft. Trotz steigender Großhandelspreise habe man die Lieferpreise konstant gehalten, was auch durch die hohen Absatzmengen im kalten Winter ermöglicht wurde. Kurz vor Beginn des vierten Quartals werde man die Preise für den kommenden Winter festlegen können, so Teyssen.
Die angestrebte Übernahme der Endesa durch den Eon-Konzern werde die Wachstumsstrategie und den Innovationskurs der Eon Energie nicht bremsen, versicherte Teyssen. Das Wachstum werde nicht nur durch weitere Übernahmen in Mittel- und Osteuropa realisiert, sondern auch durch fortgesetzte Investitionen in Kraftwerke und Netze. Bei vier konventionellen Kraftwerken – einem 1 000-MW-Steinkohleblock in Datteln, zwei GuD-Kraftwerke in Irsching bei Ingolstadt mit einer Gesamtleistung von 1 300 MW, einem 800-MW-GuD-Kraftwerk in Livorno Ferraris in Norditalien – seien die Genehmigungsverfahren eingeleitet und viele Bestellungen bereits ausgelöst. Außerdem seien seit 2005 acht große Müllverbrennungsanlagen in Betrieb gegangen oder in Bau, weitere vier befänden sich in Planung.
Darüber hinaus kündigte Teyssen weitere Investitionsvorhaben: Weitere Steinkohleblöcke wolle sein Unternehmen in Rotterdam und im Kraftwerk Staudinger bei Frankfurt am Main bauen, in Norddeutschland, Ungarn und der Slowakei seien Gaskraftwerke geplant. In Rumänien habe Eon Energie mit einem Letter of Intent das Interesse bekundet, sich als strategischer Investor am Neubau eines Kernkraftwerks am Standort Cernavoda zu beteiligen.
CO2-Zertifikate trotz geringerem Kohleverbrauch knapp
Die Eon Energie habe für ihre Kraftwerke für 2005 rund 6 Prozent weniger CO2-Zertifikate zugeteilt bekommen, als nach ursprünglicher Planung benötigt worden wären, erläuterte Kraftwerksvorstand Bernhard Fischer. Durch verringerten Kohleverbrauch sei die Lücke verringert worden, doch sei man „short“ geblieben. In der Hochpreisphase habe man auf den Zukauf von Zertifikaten verzichtet und erst nach dem Preissturz gekauft, doch nicht genügend Zertifikate erhalten, so Fischer. Die Industrie, deren CO2-Emissionen unter den zugeteilten Zertifikatemengen geblieben seien, würden ihre Überschüsse nicht verkaufen, sondern „wie eine alte Oma ihr Erspartes unterm Kopfkissen horten“, kritisierte Teyssen.