Der chinesische Anbieter Sungrow will seine europäische Plattform „iSolarCloud“ von einem Monitoringtool zu einem Steuerungstool ausbauen.
„Viele Kunden gucken am ersten Tag 35 Mal drauf und nach einer Woche gar nicht mehr, weil sie dann einfach wissen, wie es funktioniert.“ Das ist die oftmals gemachte Beobachtung von Sebastian Fassbender, Technical Sales Manager beim Solarhersteller Sungrow Europe. Denn viele Cloud-Plattformen visualisieren oftmals nur Erzeugung und Speicherbetrieb und den Verbraucher, steuern ihn aber nicht.
Auf der Messe Smarter E in München erläuterte Fassbender, wie Sungrow die eigene Plattform „iSolarCloud“ in Richtung automatische Steuerung entwickeln will. Eine Rolle spielen dabei künstliche Intelligenz, dynamische Stromtarife und die Vernetzung verschiedener Energieverbraucher.
Bislang dient die „iSolarCloud“ vor allem der Inbetriebnahme der Anlagen durch Installateure sowie dem Monitoring der Betreiber. Angezeigt werden letzteren unter anderem PV-Ertrag, Stromverbrauch, Netzeinspeisung und Batteriestatus. Nun sei die Plattform deutlich erweitert worden.
Nutzer könnten heute zahlreiche Parameter selbst konfigurieren, beispielsweise Reservekapazitäten des Batteriespeichers für Notstromanwendungen oder die Ansteuerung einzelner Verbraucher. „Der Endkunde hat da tatsächlich mittlerweile recht viele Einstellungen“, sagte Fassbender.
Der nächste Entwicklungsschritt besteht nach Angaben Fassbenders darin, aus einer reinen Informationsplattform ein Energiemanagementsystem zu machen. Ziel sei eine weitgehend automatisierte Optimierung des Eigenverbrauchs und der Energiekosten. Ein Schwerpunkt liegt deshalb auf der Einbindung steuerbarer Verbraucher. Bereits heute lassen sich Wärmepumpen, Heizstäbe, Wallboxen und weitere elektrische Verbraucher integrieren.
Perspektivisch soll die Zahl der unterstützten Geräte weiter steigen. Grundlage dafür sind unter anderem der Kommunikationsstandard „EEBus“ und die Anforderungen aus Paragraph 14a Energiewirtschaftsgesetz, der die netzdienliche Steuerung steuerbarer Verbrauchseinrichtungen regelt.
Besondere Bedeutung misst Sungrow dynamischen Stromtarifen bei. Nach Angaben Fassbenders kann „iSolarCloud“ Börsenstrompreise berücksichtigen und diese mit Wetterprognosen kombinieren. Auf dieser Basis entscheidet ein KI-gestützter Betriebsmodus beispielsweise, ob Batteriespeicher in Zeiten niedriger oder sogar negativer Strompreise aus dem Netz geladen werden.
„KI-Modus aktuell in der Beta-Phase“
„Der KI-Modus befindet sich aktuell in der Beta-Phase“, erläuterte Fassbender. Die Software berücksichtigt dabei sowohl die erwartete PV-Erzeugung als auch den Strompreis der kommenden Stunden.
Ein weiteres Thema ist die Datensicherheit. Fassbender betont, dass europäische Kundendaten ausschließlich auf Servern in Frankfurt (Main) gespeichert werden. Die europäische und die chinesische Cloud-Infrastruktur seien vollständig voneinander getrennt. „Wenn ich mich in China aufhalte, dann kann ich noch nicht mal auf den europäischen Server draufgucken – und andersherum genauso.“
Bereits bei der Inbetriebnahme einer Anlage werde festgelegt, auf welchem Server die Daten gespeichert werden. Als Infrastruktur nutzt Sungrow nach eigenen Angaben den Cloud-Dienst Amazon Web Services (AWS).
Doch hat die „iSolarCloud“ auch ihre Grenzen. Die Plattform deckt zwar grundsätzlich Anwendungen vom Einfamilienhaus bis zu größeren Gewerbeanlagen ab. Deshalb sei die wichtigste Zielgruppe auch derzeit Installationsbetriebe und private Anlagenbetreiber. Mit zunehmender Anlagengröße übernehmen jedoch häufig Direktvermarkter oder spezialisierte Energiemanagementsysteme die zentrale Steuerung. Die „iSolarCloud“ werde dann vor allem für Wartung, Diagnose und Software-Updates genutzt.
Eine direkte Zusammenarbeit mit Netzbetreibern oder Stadtwerken gibt es nach Angaben Fassbenders bislang nicht. Allerdings beobachtet Sungrow deren Anforderungen genau. Gerade mit Blick auf netzdienliche Steuerung und die Integration dezentraler Flexibilitäten könnten sich künftig neue Anwendungsfelder ergeben.
Der Hersteller arbeitet nach eigenen Angaben deshalb intensiv an der weiteren Umsetzung des EEBus-Standards und an zusätzlichen Schnittstellen zu anderen Geräten. Die Nutzung könnte durchaus auch für diese Gruppe interessant sein. Für die „iSolarCloud“ fallen derzeit keine laufenden Gebühren an. Die Plattform gehört zum Lieferumfang der Sungrow-Komponenten.