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Contracting Award von Vedec und E&M. Quelle: Susanne Harmsen
Susanne Harmsen
© 2026 Energie & Management GmbH
Dienstag, 23.06.2026, 12:16 Uhr
Veranstaltung
E&M News
Contracting Award geht an Berliner Dockyard-Projekt
Der Contracting Award 2026 ist an die Empact GmbH in Berlin gegangen. Die Jury lobte ihr Energieprojekt „Dockyard“ als Beitrag zur klimaneutralen Energieversorgung im urbanen Raum.
Die Empact GmbH aus Berlin hat den Contracting Award 2026 gewonnen. Die Auszeichnung wird alle zwei Jahre von der Fachzeitschrift Energie & Management sowie dem Vedec – Verband für Energiedienstleistungen, Effizienz und Contracting – vergeben. Am 22. Juni fand die festliche Preisverleihung während der Jahreskonferenz des Verbands in Berlin statt.

Nach Angaben der Veranstalter überzeugte Empact die Jury mit dem Projekt „Dockyard – Integriertes Energie- und Wärmeliefer-Contracting“ in Berlin. Das Vorhaben zeige beispielhaft, wie sich Contracting im städtischen Umfeld zu einem integrierten und klimaneutralen Energiesystem weiterentwickeln lasse. Die Jury hob insbesondere die Verbindung von Energieversorgung, Klimaschutz und stadtverträglicher Umsetzung hervor. Der Contracting Award wird seit 1997 vergeben. 

Neuer Bewerberrekord

In diesem Jahr gingen 19 Bewerbungen ein. Damit verzeichnete der Wettbewerb die bislang höchste Teilnehmerzahl. Die eingereichten Projekte deckten ein breites Spektrum ab – von Geothermie- und Eisspeicherlösungen bis hin zu kommunalen und industriellen Energieprojekten. „Die Vielfalt der eingereichten Projekte hat uns wirklich begeistert“, erklärte der Vedec-Vorstandsvorsitzender Tobias Dworschak.

Die Bewerbungen hätten gezeigt, wie unterschiedlich die Herausforderungen der Energiewende seien und welche individuellen Lösungen Contracting dafür bieten könne, sagte Juror Oliver Bornkamm, Referatsleiter im BMWE. Contracting sei für Bürogebäude, Gewerbestandorte, Industrieunternehmen und kommunale Liegenschaften gleichermaßen ein wichtiger Baustein für mehr Energieeffizienz und Klimaschutz.
 


Zweiter und dritter Platz

Den zweiten Platz belegte die EnBW Contracting GmbH mit dem Projekt „Masterplan CO2-Reduktion – Neue Energieversorgung am Chemiestandort Seelze“. Die Jury würdigte damit ein Vorhaben, das nach ihren Angaben zeigt, wie Contracting auch unter den anspruchsvollen Bedingungen der chemischen Industrie eingesetzt werden kann.

Kern des Projekts ist ein integriertes Energiekonzept mit Wärmepumpen, industrieller Abwärmenutzung, einem Biomasse- beziehungsweise Altholzheizwerk sowie neuen Heiz- und Kühlwassernetzen.

Eine digital gesteuerte Betriebsführung verknüpft die einzelnen Komponenten. Die bisherige erdgasbasierte Dampferzeugung wurde durch eine neue Energiezentrale ersetzt. Laut den Bewerbungsunterlagen sinken die CO2-Emissionen dadurch um rund 16.000 Tonnen pro Jahr. Das entspricht einer Reduktion von etwa 80 Prozent gegenüber der bisherigen Energieversorgung.
 
Stephanie von Ahlefedt (BMWE) und Alaa Alhamwi (MdB Grüne) bei der Podiumsdiskussion.
Quelle: Thomas Rosenthal

Der dritte Platz ging an die E1 Energiemanagement GmbH für ein Energieeinspar-Contracting-Projekt in der baden-württembergischen Gemeinde Edingen-Neckarhausen. Das Projekt umfasst sieben kommunale Liegenschaften, darunter Schulen, Sporthallen, Verwaltungsgebäude, ein Museum und ein Freizeitbad.

Nach Angaben der Bewerber erzielt das Vorhaben jährliche Energiekosteneinsparungen von rund 408.000 Euro netto. Dies entspricht 45,5 Prozent der bisherigen Energiekosten. Die CO2-Emissionen sollen um 778 Tonnen pro Jahr beziehungsweise 64,4 Prozent sinken.

Politische Podiumsdiskussion

Im Rahmen der Preisverleihung diskutierten Vertreter aus Politik und Energiewirtschaft zudem über die weitere Ausgestaltung der Wärmewende. Stephanie von Ahlefeldt, Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium (BMWE), bezeichnete Contracting als wichtigen Weg zur Umsetzung der Wärmewende, da es neben der technischen Umsetzung auch Finanzierungslösungen ermögliche.

Nach ihren Angaben sollen noch vor der Sommerpause mehrere Gesetzesvorhaben des Ministeriums den Bundestag erreichen, darunter das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), das das Gebäudeenergiegesetz (GEG) der Vorgängerregierung ablösen soll.
 


Von Ahlefeldt kündigte zudem an, für die Fernwärmeregulierung Eckpunkte gemeinsam mit den beteiligten Akteuren zu entwickeln. Ziel sei ein Gesetzentwurf im Herbst. Zudem sprach sie sich für mehr Transparenz bei Fernwärmepreisen aus. Eine entsprechende Plattform solle nach ihren Angaben zur Nachvollziehbarkeit der Kosten beitragen.

Kritik an den geplanten Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen im Gebäudegesetz kam von Alaa Alhamwi, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen. Er sieht weiterhin erhebliche Lücken bei der Erreichung der Klimaschutzziele und warnte vor fehlender Planungssicherheit beim Austausch fossiler Heizsysteme. Auch schloss er sich der Forderung seiner Vorrednerin nach mehr Transparenz und Verbraucherschutz im Fernwärmemarkt an.

Eine Fotogalerie der Preisverleihung finden Sie hier.