In Leipzig ist bei strahlendem Sonnenschein am 17.
Juni Deutschlands größte Solarthermieanlage offiziell in Betrieb gegangen. Die Anlage mit rund 13.000 ebenerdig installierten Solarkollektoren wird künftig Wärme in das Fernwärmenetz der Stadt einspeisen. Nach Angaben der Projektbeteiligten zählt das Vorhaben zugleich zu den größten Solarthermieprojekten weltweit.
Realisiert haben das Projekt die Stadtwerke Leipzig, der kommunale Energieversorger der sächsischen Großstadt, gemeinsam mit dem Technologieunternehmen Ritter XL Solar aus Dettenhausen in Baden-Württemberg. Mit dem neuen solaren Heizkraftwerk wollen die Stadtwerke den Anteil erneuerbarer Energien an der Fernwärmeversorgung erhöhen und den Ausstoß von Treibhausgasen senken.
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) wertete die Anlage als wichtigen Schritt für die Transformation der Wärmeversorgung. Anlässlich der Eröffnung erklärte der SPD-Politiker, das Projekt verbinde Versorgungssicherheit und Klimaschutz. Leipzig setze mit dem Ausbau der Fernwärme, der Nutzung industrieller Abwärme und dem Einsatz von Solarthermie Akzente, die bundesweit Beachtung fänden.
Fossile Brennstoffe einsparenDie Anlage im Stadtteil Lausen-Grünau ist Teil des städtischen Fernwärme-Transformationsplans. Dank optimaler Rahmenbedingungen für Netzanschlüsse an der Fernwärmetransportleitung und der unmittelbaren Nähe zum Umspannwerk sowie dem Gelände des BHKW Leipzig West, war die Errichtung der Anlage auf dem etwa 14
Hektar großen Feld besonders geeignet.
Karsten Rogall, Geschäftsführer der Leipziger Stadtwerke, betonte: „Nachhaltigkeit heißt für uns, Versorgungssicherheit und Klimaschutz zusammenzudenken und voranzutreiben.“ Die Solarthermieanlage werde ganzjährig etwa zwei Prozent des Gesamtwärmeverbrauchs von Leipzig erzeugen. Im Sommer sei der Anteil der solaren Wärme an der Fernwärme deutlich größer und beträgt rund 20 Prozent des Gesamtwärmebedarfs pro Tag.
Dies ermögliche, den Einsatz fossiler Rohstoffe bei der Fernwärmeversorgung zu reduzieren und so die Emission von Treibhausgasen zu minimieren. „Solarthermie ist eine der effizientesten erneuerbaren Wärmequellen. Pro Hektar kann so dreimal mehr Energie genutzt werden als bei Photovoltaik und sogar 30 bis 45
Mal mehr als bei Biomasse“, erläuterte der Projektleiter Erzeugungsanlagen der SWL, Erik Jelinek.
Mehr Potenzial in ganz DeutschlandNach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) zeigt das Leipziger Vorhaben, dass Solarthermie inzwischen auch im großen Maßstab zur Versorgung von Städten eingesetzt werden kann. „Die Inbetriebnahme der größten Solarthermieanlage Deutschlands ist ein starkes Signal für die Wärmewende“, erklärte BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Das Projekt verdeutliche, dass erneuerbare Wärme bereits heute im Kraftwerksmaßstab zur Verfügung stehe.
Der BSW-Solar sieht in dem Leipziger Projekt zugleich ein Beispiel für andere Städte und Gemeinden. Nach Angaben des Verbands sind derzeit rund 60 Solarthermie-Freiflächenanlagen in Deutschland in Betrieb. Angesichts von rund 3.800 Wärmenetzen bundesweit bestehe jedoch weiterhin erhebliches Ausbaupotenzial.
Laut Berechnungen des Beratungsunternehmens Prognos AG könnte netzgebundene Solarthermie in Deutschland künftig jährlich rund 4,5
Milliarden kWh erneuerbare Wärme bereitstellen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Technologie nach Einschätzung der Branche für die Dekarbonisierung kommunaler Wärmenetze zunehmend an Bedeutung.
Die Inbetriebnahme der Leipziger Anlage erfolgt in einer Phase, in der viele Kommunen ihre Wärmeversorgung neu ausrichten. Im Zuge der kommunalen Wärmeplanung prüfen Städte und Gemeinden verstärkt, welche erneuerbaren Energiequellen sich für ihre Wärmenetze eignen. Neben Großwärmepumpen, Geothermie und der Nutzung von Abwärme zählt dazu auch die Solarthermie.