Übergabe mit Ungewissheiten: Die Stadtwerke Gütersloh haben 2025 noch ein kleines Plus erwirtschaftet. Davon kann der bald antretende Geschäftsführer jedoch nicht unbedingt ausgehen.
Die Stadtwerke Gütersloh haben im vergangenen Jahr schlechtere Geschäfte gemacht. Weil auch der Rückkauf von Unternehmensanteilen, die die Stadtwerke Bielefeld zuletzt hielten, Auswirkungen auf die Bilanz hatte, blieben den Ostwestfalen 700.000 Euro in der Kasse. Das ist gegenüber 2024 (2,63 Millionen Euro) ein Minus von rund 72 Prozent. Der Umsatz ging von gut 210 Millionen Euro auf 193 Millionen Euro zurück (minus 8 Prozent).
Auch die Aussichten für das laufende Jahr sind nicht gerade rosig: Der Jahresüberschuss werde „deutlich“ unter dem Niveau von 2025 liegen, heißt es im nun veröffentlichten Geschäftsfbericht. Damit lastet eine Hypothek auf dem bevorstehenden Amtsantritt von Dirk Thole, der am 1. Juli den Interims-Geschäftsführer Dietmar Spohn ablösen wird (wir berichteten).
Hauptgrund für den weiteren Ergebnisrückgang dürfte das Gasgeschäft sein. Denn hier gehen die Stadtwerke laut Bericht von einem Einbruch von 832,2 Millionen kWh (2025) auf nur noch 540 Millionen kWh aus. Das ist ein Minus von fast 30 Prozent. Als Grund nennt Gütersloh den Verlust eines „großen Sondervertragskunden“. Der Rückgang um 4,8 Prozent von 2024 (874,3 Millionen kWh) auf 2025 hatte bereits beim Gas Umsatzverluste von 1,2 Millionen Euro mit sich gebracht. Das Millionendefizit dürfte hier weiter anwachsen.
Im Geschäftsfeld Strom rechnen die Stadtwerke im laufenden Jahr mit einem stabilen Ergebnis und einem Absatz von wiederum 225 Millionen kWh wie 2025. Aber auch das ist gegenüber 2024 (rund 300 Millionen kWh) mit Einbußen verbunden, die Kai Breiter, Prokurist und Leiter Kaufmännische Dienste, auf 18,3 Millionen Euro beziffert. Der geringere Absatz von Strom ist auch im Verlust eines Großkunden begründet. Strom bleibt mit 91,3 Millionen Euro Umsatz dennoch die stärkste Säule der Gütersloher.
Die Stadtwerke selbst haben zwar 2025 keinen finanziellen Beitrag zum Rückkauf der von Bielefeld gehaltenen Anteile leisten müssen. Dennoch belasten Ausgaben in diesem Zusammenhang die Bilanz. 2,4 Millionen Euro fielen zusätzlich an Grunderwerbssteuer an, zudem gab Gütersloh 600.000 Euro für Beratungskosten aus. Das sind in Summe also 3 Millionen Euro, die fehlen.
Die Stadtwerke betonen, ein „zuverlässiger Versorger in herausfordernden Zeiten“ zu sein. Dafür seien auch die Investitionen ein Zeichen. Sie fielen mit 28,2 Millionen Euro etwas niedriger aus als 2024 (30,5 Millionen Euro) und gingen vornehmlich in die Bereiche Verkehr (9,5 Millionen Euro), Breitband (7,8 Millionen Euro) und Strom (5,6 Millionen Euro). Die Anzahl der Beschäftigten lag mit 539 nahezu stabil (2024: 538).
Perspektivisch sieht Dietmar Spohn eine Kompensation für das darbende Gasgeschäft. Mehr Wärmepumpen als Ersatz für Gasheizungen sowie der Ausbau der Elektromobilität würden zu mehr Stromabsatz führen. Spohn sagt mit Blick auf seine anderthalb Jahre als Geschäftsführer, dass es „bereits in einigen Bereichen gelungen“ sei, die Unternehmensgruppe für die Zukunft zu positionieren. Sein Nachfolger Dirk Thole werde diesen andauernden Weg „mit großem Engagement und höchster Expertise“ fortsetzen.