Die großen deutschen Verteilnetzbetreiber erzielen nach Angaben des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (BNE) seit Jahren hohe Gewinne, während sich Netzanschlüsse für Erneuerbare-Energien-Anlagen, Batteriespeicher, Industrieprojekte und Rechenzentren vielerorts verzögern. Das geht aus einer Analyse des Verbands hervor, die am 16. Juni in Berlin vorgestellt wurde.
Untersucht wurden die 18 größten Verteilnetzbetreiber Deutschlands. Laut BNE erreichten diese im Jahr 2024 eine marktanteilsgewichtete handelsrechtliche Eigenkapitalrendite von durchschnittlich 30,1 Prozent. Im Jahr zuvor habe der Wert bei 16,6 Prozent gelegen. Die Unternehmen versorgten zusammen rund die Hälfte aller Haushalte und Unternehmen in Deutschland mit Strom.
Besonders hohe Eigenkapitalrenditen verzeichneten laut Analyse EWE Netz mit 61 Prozent, Westnetz mit 45 Prozent, die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mit 43 Prozent sowie Bayernwerk Netz mit 38 Prozent.
Nach Angaben des BNE handelt es sich dabei nicht um einmalige Ausschläge. Die großen Verteilnetzbetreiber würden seit Jahren deutlich höhere Erträge erwirtschaften, als die kalkulatorischen Eigenkapitalverzinsungen vermuten ließen. Der Verband verweist dabei auf die Studie „Kostensenkungspotentiale im Verteilnetz“ des Ökonomen Tim Meyer. Demnach könnten Netzkunden langfristig um bis zu 3
Milliarden Euro pro Jahr entlastet werden, wenn die tatsächlichen Renditen auf ein niedrigeres Niveau sinken würden.
Der Verband kritisiert zugleich Überlegungen, die kalkulatorischen Renditen für Netzbetreiber im Rahmen des sogenannten NEST-Prozesses der Bundesnetzagentur anzuheben. Aus Sicht des BNE würden steigende Renditen die Belastungen durch Netzentgelte weiter erhöhen. Diese Kosten müssten insbesondere Industrie- und Gewerbekunden tragen, die im internationalen Wettbewerb stünden.
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Durchschnittliche Eigenkapitalrenditen der sechs größten deutschen Verteilnetzbetreiber (für Vollbild bitte auf die Grafik klicken) Quelle: BNE |
BNE-Geschäftsführer Robert Busch sieht die Ursachen der aktuellen Probleme nicht in einer mangelnden Kapitalausstattung der Netzbetreiber. „Wir haben keine Energiekrise, wir haben eine Netzkrise, genauer eine Netzanschlusskrise“, erklärte Busch. Unstrittig sei, dass die Netzbetreiber in den vergangenen Jahren zu wenig in den Ausbau der Netze, deren Digitalisierung sowie in effizientere Strukturen investiert hätten.
Stadtwerke weisen Kritik zurückDer Verband verweist darauf, dass die Netzentgelte für Verbraucher und Unternehmen seit Jahren steigen. Gleichzeitig komme Deutschland bei Netzanschlüssen, der Digitalisierung der Netze, der Standardisierung von Anschlussverfahren und beim Rollout intelligenter Messsysteme nur langsam voran. Projektentwickler berichteten regelmäßig über lange Bearbeitungszeiten und mangelnde Transparenz bei Anschlussanfragen.
Laut BNE sollte die Regulierung künftig stärker auf die tatsächlichen Gewinne der Netzbetreiber und deren Leistungen ausgerichtet werden. Der Verband fordert mehr Transparenz bei Kosten und Erträgen, eine konsequentere Kostenkontrolle sowie bundesweit einheitliche und schnellere Netzanschlussverfahren. Darüber hinaus seien stärkere Anreize für die Digitalisierung und eine intelligentere Nutzung der Netzinfrastruktur erforderlich.
Busch betonte, dass hohe Renditen in einem regulierten Monopolmarkt mit entsprechenden Leistungen einhergehen müssten. Beim Netzausbau, der Digitalisierung und dem Kundenservice bestehe jedoch erheblicher Nachholbedarf.
Im Namen des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU) kritisierte ein Sprecher die Darstellung des BNE: „Die genannten Zahlen erwecken den Eindruck, Verteilnetzbetreiber erzielten in einem risikolosen Monopol überhöhte Gewinne auf Kosten der Verbraucher.“ Dies sei eine verkürzte und irreführende Darstellung.
„Die im Zusammenhang mit einzelnen Unternehmen genannten HGB-Renditen sind nicht mit der von der Bundesnetzagentur festgelegten Eigenkapitalverzinsung vergleichbar, da sie durch bilanzielle und regulatorische Sondereffekte beeinflusst werden können“, so der VKU.
Zudem werde ausgeblendet, dass die Verteilnetzbetreiber das Rückgrat der Energiewende sind. Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur und Batteriespeicher funktionieren nur, wenn die Netze in den kommenden Jahren massiv ausgebaut und digitalisiert werden. „Dafür sind Investitionen in Milliardenhöhe erforderlich“, erinnert der Verband. Der VKU sei offen für eine Weiterentwicklung der Regulierung. „Voraussetzung dafür ist jedoch eine faktenbasierte Debatte“, so der Sprecher.
Die vollständige
Analyse „Verteilnetzbetreiber im Renditehoch“ steht als PDF zum Download bereit.