Der Einkauf entwickelt sich in der Energiewirtschaft zunehmend von einer reinen Beschaffungsfunktion zu einem internen strategischen Partner bei Investitionsentscheidungen. Hintergrund sind umfangreiche Investitionsprogramme für die Energiewende, steigende Kosten und zunehmende Engpässe auf den Beschaffungsmärkten. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Der Einkauf als Enabler der Energiewende“ der Managementberatung Horvath.
Besonders im Fokus steht dabei die Netzinfrastruktur. Nach Angaben der Studie entfällt bei 57 Prozent der befragten Unternehmen der größte Teil der geplanten Investitionen auf den Ausbau und die Modernisierung der Netze. Damit liegt dieser Bereich deutlich vor Investitionen in die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, die von 30 Prozent der Unternehmen als wichtigster CAPEX-Schwerpunkt genannt werden. Die Netzinfrastruktur nehme damit eine Schlüsselrolle ein, da hier sowohl der Investitionsbedarf als auch die Anforderungen an die Beschaffung am größten seien.
Gleichzeitig rechnen viele Unternehmen mit steigenden Kosten. Die detaillierten Ergebnisse zeigen, dass gerade die für den Netzausbau relevanten Warengruppen unter besonderem Kostendruck stehen. So erwarten 81 Prozent der Unternehmen Kostensteigerungen von mindestens drei Prozent in der Elektro-, Netz- und Automatisierungstechnik. Fast die Hälfte rechnet dort sogar mit Preissteigerungen zwischen fünf und zehn Prozent.
Neben den Kosten sehen die Unternehmen weitere Herausforderungen bei der Umsetzung ihrer Investitionsprogramme. Die Mehrheit erwartet Kapazitätsengpässe bei Lieferanten. Nach den CAPEX-Auswertungen der Studie betrachten 80 Prozent der Befragten fehlende Lieferkapazitäten als größte Herausforderung bei Investitionsprojekten. Zudem nennen 52 Prozent einen Mangel an qualifizierten Lieferanten, 40 Prozent lange Genehmigungsverfahren. Die Berater weisen darauf hin, dass der parallele Investitionshochlauf vieler Unternehmen den Wettbewerb um verfügbare Kapazitäten zusätzlich verschärft.
Kostensteigerungen von mindestens drei ProzentVor diesem Hintergrund gewinnt der strategische Einkauf an Bedeutung. 76 Prozent der befragten Einkaufsverantwortlichen nennen das Warengruppenmanagement als wichtigste Priorität. Für 72 Prozent steht dabei die Kostenoptimierung im Mittelpunkt. Der Einkauf werde deshalb zunehmend frühzeitig in Bedarfs- und Investitionsentscheidungen eingebunden.
Mehr als die Hälfte der Befragten betrachtet die Einkaufsabteilung bereits als wichtigen Business-Partner. Rund ein Viertel sieht sie sogar als strategischen Partner, der Unternehmens- und Investitionsstrategien aktiv mitgestaltet. „Der Einkauf sitzt in Energieunternehmen immer häufiger bei unternehmerischen Kernentscheidungen mit am Tisch“, erklärte Sven Auert, Partner bei Horvath.
Unterschiede zeigt die Studie zwischen kleineren und größeren Unternehmen. Während größere Versorger den Schwerpunkt stärker auf strategische Aufgaben wie Warengruppenmanagement, Ausschreibungen und Verhandlungen legen, ist bei kleineren Unternehmen die Verteilung zwischen strategischem und operativem Einkauf ausgeglichener.
Auch bei der Digitalisierung fällt das Bild unterschiedlich aus. Nach den Studienergebnissen automatisieren 67 Prozent der kleineren Unternehmen weniger als ein Fünftel ihrer Bestellungen. Dagegen erreichen 77 Prozent der größeren Unternehmen einen Automatisierungsgrad von mindestens 60 Prozent. Digitale Lösungen werden vor allem im operativen Bestellwesen eingesetzt, während strategische Einkaufsprozesse bislang seltener digital unterstützt werden.
Beim Thema Nachhaltigkeit sehen die Autoren ebenfalls Nachholbedarf. Zwar haben 79 Prozent der Unternehmen Nachhaltigkeitskriterien in Ausschreibungen und Verträgen verankert. Allerdings überwacht nur etwa ein Viertel deren Einhaltung mithilfe von Kennzahlen. Insbesondere die Reduktion von CO2-Emissionen in der Lieferkette und soziale Standards würden bislang nur selten systematisch gesteuert.
Für die Studie „Einkauf bei Energieversorgern 2025/2026“ befragte Horvath insgesamt 31 Energieversorger aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Schweden und Finnland. Die teilnehmenden Unternehmen repräsentieren nach Angaben der Beratung einen Gesamtumsatz von rund 210 Milliarden Euro sowie ein Einkaufsvolumen von 24,7 Milliarden Euro.
Die
Studie kann über die Internetseite von Horvath angefordert werden.