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Quelle: Pixabay / Ulrike Leone
Katia Meyer-Tien
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Donnerstag, 28.05.2026, 15:50 Uhr
Kernkraft
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UBA-Studie hält Atom-Ausbau für unrealistisch
Eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamts kommt zu dem Schluss: Kernenergie ist für das Erreichen der Klimaneutralität bis 2050 nicht notwendig.
Erneuerbare Energien bleiben nach einer Studie im Auftrag des Umweltbundesamts (UBA) der zentrale Baustein für das Erreichen der globalen Klimaziele. Kernenergie sei dagegen weder notwendig noch wirtschaftlich, um bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.

Die mehr als 500 Seiten umfassende Untersuchung mit dem Titel „Climate and environmental impact of nuclear power“ analysiert globale Energieszenarien, Lebenszyklus-Emissionen, Kostenstrukturen und Klimarisiken der Kernenergie. Verfasst wurde sie vom Öko-Institut im Auftrag des Umweltbundesamts.

Nach Angaben der Autoren blieb die weltweite Kernkraftkapazität in den vergangenen 25 Jahren mit rund 370 GW weitgehend konstant. Der Anteil der Kernenergie an der globalen Stromerzeugung sei von 17 Prozent im Jahr 1996 auf 9 Prozent im Jahr 2024 gesunken. Gleichzeitig hätten erneuerbare Energien bereits ein Drittel der weltweiten Stromproduktion erreicht.

Die in der Studie analysierten Klimaszenarien prognostizieren dementsprechend bis 2050 überwiegend sinkende Anteile der Kernenergie an der Stromerzeugung. In mehreren Modellrechnungen fällt der Anteil auf 3 bis 4 Prozent. Erneuerbare Energien erreichen dagegen Anteile zwischen 88 und 97 Prozent .

Auch das auf den Weltklimakonferenzen COP 28 und COP 29 formulierte Ziel, die weltweite Kernkraftkapazität bis 2050 zu verdreifachen, bewertet die Studie als unrealistisch. Dafür müssten bis 2050 jährlich fast 70 GW neue Kernkraftleistung ans Netz gehen. Das liege deutlich über historischen Ausbauwerten. Als zentrale Hindernisse nennen die Autoren hohe Investitionskosten, lange Bauzeiten und geringe Flexibilität in Stromsystemen mit hohem Anteil erneuerbarer Energien.

Zudem seien neue Kernkraftwerke in liberalisierten Strommärkten wirtschaftlich schwer finanzierbar: „Die Klimadebatte braucht realistische Optionen. Neue Kernkraftwerke sind teuer, ihre Inbetriebnahme dauert sehr lange und sie passen nur schlecht in ein Energiesystem, das künftig stark von Wind- und Solarenergie geprägt sein wird“, lässt sich Christoph Pistner, Leiter des Bereichs Nukleartechnik & Anlagensicherheit am Öko-Institut, in einer Mitteilung seines Hauses zitieren: „Wer Klimaschutz ernst nimmt, muss vor allem auf Technologien setzen, die schnell verfügbar, bezahlbar und in einem erneuerbaren Stromsystem gut integrierbar sind.“ 

Fragwürdige Zuverlässigkeit, hohe Stromgestehungskosten 

Die Studie untersucht außerdem die Auswirkungen des Klimawandels auf Kernkraftwerke. Steigende Wassertemperaturen, Dürren, Sturmfluten und der Meeresspiegelanstieg könnten die Zuverlässigkeit der Anlagen beeinträchtigen. Bereits heute gebe es in mehreren europäischen Ländern wetterbedingte Leistungsreduzierungen und Abschaltungen.

In Bezug auf die verursachten Treibhausgasemissionen berechnet die Untersuchung für Kernenergie Werte zwischen 5 und 15 Gramm CO2-Äquivalent pro kWh im Jahr 2020. Damit liege Kernenergie zwar im Bereich anderer emissionsarmer Technologien, die Bilanz hänge jedoch stark von Faktoren wie Uranerzqualität, Transportwegen und Strommix bei der Urananreicherung ab.

Deutlich kritischer fällt die wirtschaftliche Bewertung aus. Die Stromgestehungskosten neuer Kernkraftwerke in Europa lagen laut Studie 2020 zwischen 15,0 und 19,2 Cent/kWh. Für 2030 rechnen die Autoren mit 26,1 bis 36,2 Cent/kWh. Onshore-Windkraft komme dagegen auf 2,4 bis 7,7 Cent/kWh, Photovoltaik auf 4,6 bis 14,8 Cent/kWh.

Auch kleine modulare Reaktoren (SMR) bewertet die Studie zurückhaltend. Bis 2025 habe kein Konzept die kommerzielle Reife erreicht. Die Kostenannahmen vieler Entwickler seien spekulativ.

„Unser Fazit: Neue Kernkraftwerke sind zu teuer und stünden zu spät bereit, um einen signifikanten Beitrag zur Erreichung der bestehenden Klimaziele zu leisten“, so Pistner. „Erneuerbare Energien bleiben damit die zentrale Säule eines klimaneutralen Stromsystems.“ 

Die Studie mit dem Titel „Climate and environmental impact of nuclear power“ ist auf den Internetseiten des UBA abrufbar.