„HanseWerk“ und die Tochtergesellschaft SH Netz wollen bis 2030 rund 2,5 Milliarden Euro in Stromnetze investieren. Flexible Netzanschlüsse sollen zusätzliche Einspeisung ermöglichen.
Die Hansewerk-Gruppe plant zwischen 2026 und 2030 Investitionen von mehr als 2,63 Milliarden Euro in Ausbau und Instandhaltung ihrer Energienetze in Schleswig-Holstein. Nach Angaben des Unternehmens steigt damit die Investitionsgeschwindigkeit gegenüber dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre deutlich an.
„Wir schalten den Investitionsturbo ein, um die Energiewende im Norden weiter voranzutreiben“, sagte dazu Christian Fenger Vorstandsvorsitzender der Hansewerk AG und Aufsichtsratschef von der Netztochter SH Netz. „Fast 2,5 Milliarden Euro werden in die Stromnetze in Schleswig-Holstein fließen – in Netzausbau und Instandhaltung oder auch intelligente Stromzähler.“
Bereits 2026 sollen rund 450 Millionen Euro in die Energienetze fließen. Für 2027 kündigt der Versorger Investitionen von mehr als 530 Millionen Euro an. Etwa 90 Prozent der Mittel sind jeweils für Stromnetze vorgesehen. Die Unternehmensgruppe reagiert damit nach eigenen Angaben auf den steigenden Anschlussbedarf durch Windkraft- und Photovoltaikanlagen sowie auf zusätzliche Lasten durch Wärmepumpen, Elektromobilität und Batteriespeicher.
Dazu zählen auch intelligente Messsysteme. Als Beispiel nennt das Unternehmen den Bau einer 110-Kilovolt-Leitung im Kreis Dithmarschen mit einem Investitionsvolumen von 98 Millionen Euro.
Flexible Anschlussverträge sollen Einspeisung erhöhen
Neben klassischen Ausbauprojekten setzt die Hansewerk-Gruppe auf eine stärkere Auslastung bestehender Netze. Grundlage dafür sind flexible Netzanschlussverträge, die seit einer Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes möglich sind. Diese „Flexible Connection Agreements“ (FCA) erlauben Netzanschlüsse auch dann, wenn die vorhandene Netzkapazität zeitweise ausgelastet ist.
Bei den FCA-Modellen akzeptieren Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen oder Speichern bestimmte Begrenzungen bei der Einspeisung. Dafür erhalten sie einen schnelleren Netzanschluss. „Mit flexiblen Anschlussverträgen können wir deutlich mehr Strom in unser Netz aufnehmen als bisher und Kunden schneller anschließen“, zeigt sich Benjamin Merkt sicher, technischer Vorstand der Hansewerk-Gruppe. „Denn mit den flexiblen Anschlüssen können wir bislang freie Kapazitäten im Stromnetz nutzen, um Grünstrom ins Netz aufzunehmen.“
Nach Darstellung des Unternehmens lassen sich dadurch Engpässe im Netzbetrieb begrenzen. So könnten beispielsweise Biomasseanlagen gezielt in Zeiten mit geringer Photovoltaik-Einspeisung Strom liefern. Ebenso sei vorgesehen, dass einzelne Anlagen ihre Einspeisung reduzieren, wenn Wind- und Solarstromanlagen eine definierte Netzgrenze erreichen.
Einen ersten flexiblen Netzanschlussvertrag haben Schleswig-Holstein Netz und Bioenergie Kropp im Kreis Schleswig-Flensburg abgeschlossen. Hansewerk sieht in diesem Modell einen Ansatz, um zusätzliche Erneuerbare-Energien-Anlagen schneller in das bestehende Stromnetz zu integrieren.