Naturenergie Netze und Badenova Netze haben in einer gemeinsamen Mitteilung das Ende des jahrelangen Konzessionsstreits im südbadischen Kandertal verkündet.
Nach intensiven Verhandlungen hätten sich die beiden Energieversorger auf die Rahmenbedingungen zur Übergabe der Stromnetze im Kandertal einigen können, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung von Naturenergie und Badenova. Zum 1. Januar 2027 soll die Übergabe der Netze an die Netzgesellschaft der Badenova als neuen Konzessionär erfolgen.
Die beiden Unternehmen haben nach eigenen Angaben eine einjährige Übergangsphase vereinbart. Während dieser Zeit betreibt der bisherige Konzessionär Naturenergie Netze die Infrastruktur in den zehn betreffenden Gemeinden – Binzen, Efringen-Kirchen, Eimeldingen, Fischingen, Inzlingen, Kandern, Neuenburg-Steinenstadt, Rümmingen, Schallbach und Wittlingen – im Rahmen eines Pachtmodells zunächst weiter, um die „Voraussetzungen für eine geordnete Übergabe“ zu schaffen, wie es in der Mitteilung heißt. Den operativen Netzbetrieb werde die Badenova dann am 1. Januar 2028 offiziell übernehmen.
„Nach jahrelangen juristischen Auseinandersetzungen haben wir nun eine gemeinsame Lösung gefunden. Ich möchte mich bei der Naturenergie für die konstruktiven und sachlichen Gespräche der letzten Wochen und Monate bedanken”, sagt Dirk Satur, Vorstand Badenova. Damit würden die Voraussetzung für notwendige Investitionen in eine sichere und zukunftsweisende Energieinfrastruktur geschaffen.
Gerichte hatten Rüge der Naturenergie abgewiesen
„Die erzielte Verständigung und die nun auf den Weg gebrachten Verträge ermöglichen es uns, den Blick wieder nach vorne zu richten“, so Klaus Müller, Mitglied der Naturenergie-Geschäftsleitung. „Im Rahmen der neuen partnerschaftlichen Zusammenarbeit sichern wir durch die Übergangspacht das operative Tagesgeschäft und gewährleisten eine verlässliche Versorgung für die Bürgerinnen und Bürger der Zweckverbandsgemeinden bis zur vollständigen Betriebsübernahme.“
Für die Zweckverbandsgemeinden bedeute diese Einigung vor allem Klarheit, Planungssicherheit und Stabilität in der Stromversorgung, betonen die beiden Energieversorger in ihrer Mitteilung. Die Gemeinden hatten sich im Konzessionsstreit immer wieder selbst zu Wort gemeldet, unter anderem mit einer Pressekonferenz im Dezember 2024, in der sie die Naturenergie aufforderten, ergangene Gerichtsentscheidungen zu respektieren (wir berichteten).
Die Gemeinden hatten sich jeweils in einstimmigen Ratsbeschlüssen für die Vergabe der Konzessionen an die Netzgesellschaft der Badenova ausgesprochen. Rügen der Naturenergie zu den Entscheidungen beziehungsweise zu den Ausschreibungsverfahren hatten das Landgericht Mannheim sowie das Oberlandesgericht Karlsruhe abgewiesen. Dennoch hatte sich der bisherige Konzessionär geweigert, die Netze zu übergeben.
„Der langjährige Streit hat die beteiligten Kommunen stark beschäftigt. Dass nun eine Einigung erzielt wurde und die jahrelange Unsicherheit endet, ist eine sehr gute Nachricht für die Gemeinden“, so Bürgermeister Andreas Schneucker aus Binzen.
Die Vereinbarung umfasst auch „ein gemeinsames Verständnis über die zukünftige Zusammenarbeit“, wie es in der gemeinsamen Mitteilung der beiden Netzgesellschaften weiter heißt. Beide Unternehmen betonen den Willen, partnerschaftlich zusammenzuarbeiten und auf einen konstruktiven und vertrauensvollen Austausch zu setzen. Das Wohl der Kommunen sei dafür die Leitlinie.