Der Einsatz von Wasserstoff im Luftverkehr wird nur schrittweise erfolgen. Diese Einschätzung gibt das Bundesministerium für Verkehr (BMV) in einer Mitteilung vom 20. Mai bekannt. Das Ministerium verweist dabei auf eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik (IML), die die bundeseigene NOW GmbH veröffentlicht hat. Die NOW koordiniert Förderprogramme für klimafreundliche Mobilität.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) zeigt sich in der Mitteilung überzeugt: Wasserstoff werde „auch im Luftverkehr eine wichtige Rolle spielen – allerdings mit realistischem Blick auf Einsatzfelder und Zeithorizonte“. Entscheidend seien jetzt „die richtigen Weichen“ bei Infrastruktur, Anwendungen und regionaler Zusammenarbeit.
Zunächst eher nachhaltige FlugkraftstoffeDie Untersuchung zeichnet ein zurückhaltendes Bild für den Einsatz von flüssigem Wasserstoff im eigentlichen Flugverkehr. Die Technik in den Flugzeugen befinde sich noch in der Entwicklung. Deshalb dürften zunächst nachhaltige Flugkraftstoffe eine zentrale Rolle bei der Dekarbonisierung des Luftverkehrs übernehmen. Einen großflächigen Aufbau von Infrastruktur für flüssigen Wasserstoff halten die Autoren der Studie derzeit nicht für sinnvoll. Nach deren Einschätzung sollten Flughäfen vorerst vor allem ihre Planungen vorbereiten, statt bereits groß in Infrastruktur für flüssigen Wasserstoff zu investieren.
Anders bewerten die Autoren den Einsatz von gasförmigem Wasserstoff im Bodenbetrieb beziehungsweise Vorfeldbetrieb. Dazu zählen Fahrzeuge und Geräte zur Flugzeugabfertigung. Dort sehen sie kurz- bis mittelfristig Chancen für erste wirtschaftliche Anwendungen von Wasserstoff. Pilotprojekte könnten helfen, Erfahrungen im Betrieb zu sammeln und technische Abläufe zu testen. Die Autoren empfehlen zunächst flexible Lösungen wie mobile Tankanlagen. Flughäfen müssten dadurch nicht sofort hohe Summen in dauerhaft gebaute Infrastruktur investieren und könnten ihre Planungen später leichter anpassen.
Flughäfen sollen Infrastruktur gemeinsam nutzenDie Studie weist zugleich darauf hin, dass einzelne Anwendungen auf Flughäfen allein keine wirtschaftlich tragfähige Wasserstoffinfrastruktur ermöglichen dürften. Gründe seien unter anderem hohe Investitions- und Betriebskosten sowie eine bislang begrenzte Verfügbarkeit serienreifer Fahrzeuge.
Als Lösungsansatz nennen die Autoren deshalb sogenannte Multi-Use-Ökosysteme. Flughäfen könnten ihre Wasserstoffinfrastruktur künftig gemeinsam mit externen Nutzern betreiben oder bereitstellen. Die Autoren nennen etwa Logistikunternehmen, den öffentlichen Personennahverkehr sowie benachbarte Industrie- und Gewerbestandorte. Flughäfen würden in diesem Modell vor allem als Integratoren auftreten und müssten die Infrastruktur nicht zwingend selbst betreiben.
Auch regulatorische Fragen bremsen den Aufbau nach Einschätzung der Autoren derzeit stärker als technische Probleme. Die Studie verweist auf fehlende Normen und Standards, komplexe Genehmigungsverfahren sowie Haftungsfragen als zentrale Hemmnisse. Hinzu kämen Unsicherheiten bei Nachfrage und Geschäftsmodellen.
Dagmar Fehler, Vorsitzende der Geschäftsführung der NOW GmbH, sprach von einem „systemischen Transformationsprozess“. Der Hochlauf könne nur gelingen, „wenn Infrastruktur modular wächst, regional eingebettet ist und gemeinsam mit Partnern genutzt wird“.
Die 142-seitige Studie mit dem
Titel
„Potenzialanalyse zur Wasserstoffinfrastruktur an deutschen Flughäfen“ ist über die Internetsetie der NOW GmbH downloadbar.