E&M Home > E&M Marktplatz > E&M Nachrichten
Regasifizierungseinheit Neptun und Arctic Lady in Mukran. Quelle: Deutsche Regas / Oliver Lang
Günter Drewnitzky
© 2026 Energie & Management GmbH
Freitag, 15.05.2026, 15:57 Uhr
Erdgas
E&M News
Bundesregierung: Gesamtsystem betrachten
Die Bundesregierung sieht trotz gesunkener Speicherfüllstände und geopolitischer Risiken keine Gefährdung der Gasversorgung. Das geht aus der Antwort auf eine Anfrage der Grünen hervor.
Die Kleine Anfrage zeichnet ein kritisches Bild der aktuellen Energiepolitik. Die Fraktion warnt vor einer neuen fossilen Abhängigkeit – diesmal von LNG-Importen, vor allem aus den USA. Hintergrund sind die vergleichsweise niedrigen Speicherstände im vergangenen Winter, Diskussionen über Speicherstilllegungen sowie Unsicherheiten auf den internationalen Energiemärkten infolge der Konflikte im Nahen Osten. 

Die Bundesregierung weist diese Kritik im Wesentlichen zurück. Zwar räumt sie ein, dass mehrere Speicher ihre gesetzlichen Füllstandsvorgaben nicht erfüllt haben. Dennoch sei die Versorgung „jederzeit sichergestellt“ gewesen. Maßnahmen nach §35c Energiewirtschaftsgesetz seien deshalb nicht erforderlich geworden.

Tatsächlich lagen die Speicherstände im Winter deutlich unter den Werten der Vorjahre. Besonders kritisch entwickelte sich die Situation in einigen süddeutschen Speichern. Die Bundesregierung betont jedoch, dass die Bewertung der Versorgungslage nicht auf einzelnen Speichern basiere, sondern auf dem Gesamtsystem aus Speichern, Importen und Verbrauch. 

Eine zentrale Rolle spielen dabei die LNG-Terminals. Nach Angaben der Bundesregierung wurden 2025 rund zehn Prozent der deutschen Gasimporte über die deutschen LNG-Anlagen abgewickelt. Das Gas befüllte anteilig auch die Speicher. Vor allem die Terminals in Wilhelmshaven und Brunsbüttel erreichten über weite Strecken des Jahres hohe Auslastungen von teilweise mehr als 80 Prozent. 
 
Speicher Lesum in Bremen.
Quelle: Storengy

Allerdings zeigen die Daten auch deutliche Schwankungen. Das zweite Terminal in Wilhelmshaven befand sich 2025 zunächst noch in der Inbetriebnahmephase. In Brunsbüttel führte ein Werftaufenthalt der schwimmenden Regasifizierungseinheit zeitweise zu einer stark reduzierten Auslastung. Besonders auffällig ist die Entwicklung im LNG-Terminal Mukran auf Rügen: Dort bewegte sich die Auslastung zeitweise im einstelligen Prozentbereich, bevor sie zum Jahresende wieder deutlich anstieg. 

Die Herkunft des LNG verdeutlicht zugleich die geopolitische Neuordnung der deutschen Gasversorgung. Die staatlich kontrollierten Unternehmen Sefe und Uniper bezogen ihre LNG-Mengen aus einer Vielzahl von Ländern. Größte Lieferanten waren die USA und Russland. Allein Sefe importierte 2025 insgesamt 52 LNG-Ladungen aus den USA sowie 49 Ladungen aus Russland. Hinzu kamen Lieferungen aus Katar, Oman, Angola, Kamerun und weiteren Staaten. Die Bundesregierung betont allerdings, dass es sich dabei um globale Portfolios handle und nicht automatisch um Mengen, die in Deutschland zur Verfügung stehen.

Strategische Reserve für den Notfall

Gleichzeitig prüft die Bundesregierung offenbar bereits neue Instrumente zur langfristigen Absicherung der Versorgung. Die derzeitigen gesetzlichen Speicherfüllstandsvorgaben laufen Ende März 2027 aus. Deshalb werde an einer Nachfolgeregelung gearbeitet, hieß es. Konkret werde auch die Einführung einer staatlichen Gasreserve geprüft.

Erst kürzlich hatte der Branchenverband „INES“ (Initiative Energien Speichern) gewarnt, dass es bei einem überdurchschnittlich kalten Winter im Januar, Februar und März 2027 zu Versorgungsengpässen kommen könnte. Da die Gaspreise aktuell höher sind als die für den kommenden Winter, fehle den Marktteilnehmern der Anreiz, die Speicher – wie sonst üblich – über die Sommermonate zu befüllen.

Der Wirtschaftsverband DIHK hat unterdessen eine Reformierung bei der Speichervorschriften gefordert. Der Vorschlag lautet, ab dem Winter 2027/2028 ein „marktnahes und europäisch anschlussfähiges System zu etablieren, das auf einem Instrumentenmix aus Absicherungspflicht und schlank ausgestalteter strategischer Gasreserve basiert“. Diese strategische Reserve solle bei akuten Notsituationen zur Verfügung stehen und „nur unter klar definierten, transparenten und strikt begrenzten Freigabebedingungen eingesetzt werden“, wie es Sebastian Bolay, DIHK-Bereichsleiter Energie, Umwelt und Industrie formuliert.