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Susanne Harmsen
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Freitag, 15.05.2026, 13:47 Uhr
Bilanz
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Regulatorik belastet Envitec-Geschäft
Der Biogasanlagenbauer Envitec Biogas AG hat 2025 trotz regulatorischer Belastungen ein positives Ergebnis erzielt. Für 2026 erwartet das Unternehmen einen Ergebnisrückgang.
Envitec Biogas hat im Geschäftsjahr 2025 die Gesamtleistung um 6,8 Prozent auf 376,4 Millionen Euro gesteigert. Der Umsatz sank dagegen im Vergleich zum Vorjahr um 7,4 Prozent auf 312,6 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) verringerte sich von 44 Millionen Euro auf 26 Millionen Euro. Nach Angaben des Unternehmens belasteten vor allem regulatorische Änderungen im deutschen Markt das Ergebnis.

Besonders der Eigenbetrieb entwickelte sich positiv. In diesem Segment erhöhte Envitec den Umsatz um 15,4 Prozent auf 221,2 Millionen Euro. Die Gesamtleistung stieg um 27,5 Prozent auf 255,6 Millionen Euro. Das operative Segmentergebnis blieb mit 41,7 Millionen Euro nahezu auf Vorjahresniveau. Ausschlaggebend seien laut Unternehmen eine höhere Produktion, stabilisierte Preise bei Treibhausgasminderungsquoten sowie die Anfang 2025 abgeschlossene Übernahme der „LIQVIS GmbH“ gewesen.

Das Ergebnis im Eigenbetrieb wurde allerdings durch eine nicht zahlungswirksame Drohverlustrückstellung von rund 8 Millionen Euro belastet. Hintergrund ist die vom Gesetzgeber beschlossene Abschaffung der Doppelanrechnung von THG-Quoten. Dadurch verlieren nach Unternehmensangaben Teile bestehender Absatzverträge im Bio-LNG-Geschäft an Wirtschaftlichkeit.

Im Servicegeschäft ging der Umsatz um 9 Prozent auf 46 Millionen Euro zurück. Das operative Ergebnis verbesserte sich jedoch von minus 7,4 Millionen Euro auf minus 4,2 Millionen Euro. Envitec begründete den Umsatzrückgang damit, dass internationale Servicegesellschaften in den Vorjahren teilweise dem Anlagenbau zugeordnet worden seien.

Anlagenbau abgeschwächt

Deutlich schwächer entwickelte sich der Anlagenbau. Der Umsatz halbierte sich nahezu von 95,6 Millionen Euro auf 45,5 Millionen Euro. Nach Angaben des Unternehmens verlief insbesondere das erste Halbjahr 2025 schwach. Im zweiten Halbjahr habe die Geschäftstätigkeit dagegen wieder angezogen. Die Gesamtleistung des Segments lag bei 71,9 Millionen Euro. Das operative Ergebnis rutschte mit minus 11,5 Millionen Euro ins Minus, nachdem im Vorjahr noch ein Gewinn von 9,5 Millionen Euro erzielt worden war.

Finanzvorstand Jörg Fischer erklärte, die strategischen Investitionen der vergangenen Jahre hätten die Ertragsbasis des Unternehmens verbreitert. Trotz regulatorischer Belastungen wirtschaftet Envitec nach seinen Angaben weiterhin positiv. Der Eigenbetrieb halte seine starke Ertragsposition, während der Anlagenbau über gut gefüllte Auftragsbücher verfüge.

Der Auftragsbestand im Anlagenbau stieg zum Jahresende 2025 um 14,9 Prozent auf 148,1 Millionen Euro. Davon entfallen nach Unternehmensangaben 117,1 Millionen Euro auf internationale Märkte. Neue Projekte meldete EnviTec unter anderem aus der Slowakei, Litauen, Belgien, Spanien und Schweden.

Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen zudem auf den Ausbau seines Bio-LNG-Geschäfts. Neben der Übernahme von Liqvis vereinbarte Envitec mit der Reederei TT-Line ein Lieferabkommen für Bio-LNG und erschloss damit erstmals den maritimen Sektor.

Positive Signale im Wärmemarkt

Die Bilanzsumme des Konzerns erhöhte sich zum Jahresende 2025 auf 466,5 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote sank von 44,6 Prozent auf 40,9 Prozent. Die liquiden Mittel lagen mit 25,7 Millionen Euro leicht unter dem Vorjahreswert. Vorstand und Aufsichtsrat wollen der Hauptversammlung angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen vorschlagen, für 2025 keine Dividende auszuschütten.

Vorstandschef Olaf von Lehmden kritisierte insbesondere die rückwirkend zum 1. Januar 2026 beschlossene Abschaffung der Doppelanrechnung für THG-Quoten. Diese Maßnahme untergrabe Investitionen in die Bio-LNG-Wertschöpfungskette. Auch die geplanten Änderungen beim Netzanschluss neuer Anlagen im Energiewirtschaftsgesetz erschwerten nach seiner Einschätzung verlässliche Investitionsentscheidungen.

Gleichzeitig sieht Envitec positive Signale im Wärmemarkt und bei klimafreundlichen Kraftstoffen. Laut von Lehmden könnten die geplanten Regelungen im Gebäudemodernisierungsgesetz die Nachfrage nach Biomethan stärken. Auch die höhere THG-Quote dürfte die Nachfrage nach alternativen Kraftstoffen erhöhen.
Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Envitec eine Gesamtleistung beziehungsweise einen Umsatz zwischen 330 und 370 Millionen Euro.

Das Ergebnis vor Steuern prognostiziert der Vorstand lediglich in einer Spanne von 5 bis 15 Millionen Euro. Als Gründe nennt das Unternehmen den Wegfall der Doppelanrechnung für THG-Quoten, schwierigere Marktbedingungen für Biokraftstoffe sowie Verschiebungen bei der Ergebnisrealisierung im Anlagenbau. Ab 2027 rechnet das Unternehmen wieder mit steigenden Erlösen und Ergebnissen.

Der vollständige Geschäftsbericht 2025 der Envitec Biogas steht im Internet bereit.